Die Kunde von Friede hinter den Mauern

In die Sanierung des Wechselburger Torhauses sollen rund zwei Millionen Euro fließen. Es entstehen ein Besucherzentrum und acht Ferienwohnungen für das Kloster. Nun wurde der Eingangsbogen nach historischem Vorbild neu gestaltet.

Wechselburg.

Nicht nur sauber verputzt, sondern auch historisch korrekt in Form gebracht präsentiert sich der Eingang zum Torhaus in Wechselburg. Das porphyrne Tor hat seinen Kielbogen mit der typischen Spitze wieder. "Auf ihr saß vorher das Wappen der Schönburger. Offenbar wurde es im 18. Jahrhundert dort angebracht. Das Ganze sah aufgesetzt aus und wirkte nicht", sagt Falk Ueberschär. Er und das Team des Rochlitzer Architekturbüros Ueberschär und Knoll haben die Sanierung des Torhauses als Eingangspforte zum Ensemble von Basilika, Kloster und Schloss geplant und betreuen sie.

Das Wappen hat seinen Platz nun links neben der Torspitze gefunden. Für ein Pendant auf der rechten Seite waren Ideen gefragt. In einem Team, zu dem neben Ueberschär der aus Wechselburg stammende Jörg Danielczyk, Chefdesigner bei der Porzellan-Manufaktur Meißen, und der Bildhauer Volker Beier aus Leukersdorf gehörten, kreierte man schließlich ein Zeichen. "Allem lag die Aussage zugrunde, dass es einen neuen Besitzer gibt, eine neue Zeit einzieht und damit auch ein neues Symbol", erklärt Ueberschär.

In Anlehnung an das schlichte Kreuz, das das Tor des Ur-Klosters der Benediktiner im italienischen Monte Cassino ziert, entschied man sich für dieses Motiv - allerdings ausgeführt als ein Blattkreuz, so wie das des Triumpfkreuzes in der Basilika - versehen mit dem Schriftzug PAX(lateinisch für Frieden). "Das ergibt ein stimmiges Bild, und wir sind froh, dass uns das so gelungen ist", spricht Ueberschär für das Team.

Bestätigung findet er bei Pater Maurus, dem Prior des Wechselburger Klosters. "Es ist ein Zeichen für alle, die hier hindurchgehen, die Waffen zu strecken und in dem Gemäuer Ruhe und Frieden walten zu lassen", sagt er und lobt zugleich die neue Decke der Tordurchfahrt. Sie ist aus Holz und in einem dunklen Braun gehalten, schlicht, zurückhaltend. "So soll es sein, Architektur muss zurücktreten", sagt Ueberschär. Bewusst habe man sich für diese Gestaltung entschieden.

"Ursprünglich bestand die Decke wohl aus Holzbalken mit verputzten Zwischenräumen. Man kann es sich vorstellen wie quer gelegtes Fachwerk. Doch diese Variante hielten wir für übertrieben", sagt der Architekt.

Inzwischen geht der Innenausbau gut voran. Heizungs- und Trockenbauer, Installateure und Elektriker sind zugange. Durch mittlerweile eingezogene Wänden, Nischen, Aussparungen, gelegten Leitungen und Rohren kann man sich vorstellen, wie die insgesamt acht Ferienwohnungen einmal aussehen werden. Ab etwa Mitte November soll mit dem Möbeleinbau begonnen werden.

Zu einem Schmuckstück mausert sich gegenwärtig auch der achteckige Torturm. Dort waren die Architekten bereits im Frühjahr auf eine Überraschung gestoßen: Für den neuen Fußbodenaufbau arbeiteten sich die Handwerker so tief hinab, dass sie auf den ursprünglichen Ziegelfußboden stießen. Dieser lag gute 30 Zentimeter tiefer als der bisherige.Während ein Erwachsener also auf dem alten Boden stehend die Fensterbrüstung in Oberschenkelhöhe hatte, hat er sie nun, da der Boden in der ursprünglichen Höhebetoniert ist, in Höhe der Hüfte. "Auf einmal bekommt der Raum die richtige Proportion", sagt Ueberschär.

Der Raum des Torturms soll insgesamt eine besondere Bedeutung erhalten. "Er soll der Seelsorge dienen, der Entspannung, Ruhe, des In-Sich-Gehens", sagt Pater Maurus. Allem zugrunde liegt die achteckige Form des Raumes. "Die Zahl Acht ergibt, wenn man sie 90 Grad dreht, das Zeichen für die Unendlichkeit. Die Acht wird sich daher auch unter anderem in der Gestaltung des Tisches und der Bestuhlung wiederfinden", erklärt der Architekt. Ansonstensolle der Raum so archaisch wie möglich bleiben. "Es ist wunderbar, wie das alles herausgearbeitet wurde. Zudem herrscht hier eine fantastische Akustik", freut sich der Pater. Er wird zusammen mit Architekt Ueberschär und Restaurator Thomas Schmidt in der Reihe "Wechselburger Samstag" den Stand der Torhaus-Sanierung erläutern. Der Innenausbau und damit letzte Abschnitt der Arbeiten wird sich ins kommende Jahr hineinziehen.

Den Abschluss bildet das Besucherzentrum. Auch dort sind Ausbauarbeiten erledigt, und eine Grobkonzeption für die Nutzung steht. Neben dem Empfang soll unter anderem eine Ausstellung etabliert werden. "Zusammen mit Kloster und Denkmalschutz erarbeiten wir gerade die Feinplanung", gibt Ueberschär einen Ausblick.

Die Arbeiten hatten im September 2014 begonnen. Der erste Abschnitt umfasste die Sicherung und Entkernung des Gebäudes und die Dachsanierung. 420.000 Euro hat das gekostet. Der zweite Abschnitt schlägt mit rund 500.000 Euro zu Buche. Die gesamte Sanierung, ausgenommen der Inneneinrichtung, ist mit rund 2 Millionen Euro veranschlagt. Das Kloster, dessen Jugend-Bildungshaus aus allen Nähten platzt, möchte mit den Ferienwohnungen mehr Übernachtungsmöglichkeiten schaffen.

Unter dem Motto "Geschichte bewahren, Zukunft sichern, Gastfreundschaft leben" steht der "Wechselburger Samstag" am 10.September, 10 Uhr, im Kloster. Um Anmeldung unter 030384 80813 oder benediktiner@kloster-wechselburg.de wird gebeten. Die Veranstaltung währt bis zum Nachmittag und ist kostenlos. Um eine Spende wird gebeten.

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