"Die Sicherheit ging vor"

Wie geht die Wasserwacht vor, wenn sie zur Suche nach einer Person hinzugezogen wird?

Penig.

Die Suche nach der Vermissten, die vermutlich zwischen Penig und Amerika ins Eis eingebrochen ist, soll heute fortgesetzt werden. Am Mittwoch war unter anderem die Wasserrettungsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Zwickauer Mulde mit im Einsatz. Felix Birkner leitet die Truppe. Ricarda Terjung hat mit dem 29-Jährigen gesprochen.

Freie Presse: Herr Birkner, bei wie vielen Sucheinsätzen im Jahr ist die Wasserrettungsgruppe des DRK dabei?

Felix Birkner: Bei etwa einem. Es ist nicht flächendeckend bekannt, dass wir bei so etwas helfen können. Aber Thomas Cramer, der Brandinspektor der Stadt Penig, der am Mittwoch den Einsatz der Feuerwehrleute an der Zwickauer Mulde geleitet hat, kennt uns. Denn einige Peniger Kameraden absolvieren bei der DRK-Wasserwacht gerade eine Rettungsschwimmer-Ausbildung.

Wie haben Sie reagiert, als Sie von der Vermissten erfuhren?

Zunächst habe ich möglichst viele Mitglieder der Wasserrettungsgruppe zusammengetrommelt. Die meisten von uns mussten von der Arbeit weg. Was wir da machen, ist ja ein Ehrenamt. Ich selbst arbeite zwar als Medientechniker bei der "Freien Presse", hatte aber frei. Ich fuhr sofort zum DRK, die Ausrüstung mit zusammenstellen. Am Ende waren acht Mann unseres 20-köpfigen Katastrophenschutzteams im Einsatz.

Was passierte, als Sie vor Ort waren?

Zunächst sprach ich mich mit den Einsatzleitern von Polizei und Feuerwehr ab. Ich erfuhr, was sie schon unternommen hatten und schlug vor, was wir beitragen könnten. Die Kollegen von Feuerwehr und Polizei hatten ja bereits den Rand des Flusses abgesucht. Aber wir hatten Fließwasserretter dabei.

Was ist das?

Rettungsschwimmer, die für die Rettung von Personen aus fließenden Gewässern ausgebildet sind. Einer davon ist auch Einsatztauchleiter. Unsere Idee war, dass die Fließwasserretter ab der Einbruchstelle der Vermissten flussabwärts am äußeren Rand der Flussbiegung suchen, danach noch weiter flussabwärts.

Das Technische Hilfswerk brachte später auch noch drei Taucher mit. Doch am Ende tauchte laut Polizei niemand. Warum nicht?

Das wäre zu gefährlich für die Taucher gewesen. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Fließgeschwindigkeit des Flusses etwa. Taucher werden zwar immer mit einem Seil gesichert. Aber die starke Strömung und das Eis waren ein großes Problem: Durch die Strömung wären die Taucher unter dem Eis abgetrieben worden. Die Gefahr, dass unter solchen Umständen etwas schief geht und die Taucher nicht wieder unversehrt an die Oberfläche kommen, ist zu groß. Möglich ist auch, dass die Taucher sich unterm Eis verhaken.

Trotzdem waren Einsatzkräfte im Wasser.

Richtig. Wir waren mit Schlauchbooten vor Ort. Die Fließwasserretter sind entlang der Eiskante durchs Wasser gewatet, und zwar an der Außenseite der Flussbiegung. Wenn etwas hängenbleibt, dann an der Außenkante. Die Kameraden wurden von Schlauchbooten aus gesichert. Zudem haben wir von den Booten aus einige Löcher ins Eis gehackt, wo wir mit recht hoher Wahrscheinlichkeit etwas hätten finden können. Wir haben 500 Meter flussabwärts geschafft. Danach war die Mulde zu dick zugefroren.

Haben Sie genug getan?

Ja, alles, was wir konnten. Die Frau wurde seit dem frühen Morgen vermisst. Wir kamen am Nachmittag nach Penig. Dadurch war uns eigentlich klar, dass es nicht mehr um eine Rettung geht, sondern um eine Bergung. Die Sicherheit der Einsatzkräfte ging vor.


Der Vermisstenfall von Penig - Chronik der Suche

Mittwoch, 7.14 Uhr: Bei der Polizei geht an diesem 7. März die Meldung ein, dass eine 53-jährige Penigerin verschwunden sei. Auf der Zwickauer Mulde zwischen Penig und Amerika fanden ihre Angehörigen Fußspuren im Eis. Die Polizei ist gegen 7.30 Uhr vor Ort. Etwa eine Stunde später kommt die Feuerwehr aus Penig, Langenleuba-Oberhain und Niedersteinbach mit Schlauchbooten.

Mittwoch, gegen 13 Uhr: Ein Hubschrauber-Team sucht den Fluss per Wärmebild-Kamera ab, nach einer Stunde wird er abgezogen. Nachmittags kommen Helfer vom Technischen Hilfswerk und Deutschen Roten Kreuz dazu. Die Suche dauert laut Polizei bis gegen 20.40 Uhr.

Donnerstag, gegen Mittag: Die Polizeidirektion Chemnitz will weitersuchen, mit der sächsischen Bereitschaftspolizei und Tauchern. Nachmittags heißt es aber: Die Suche geht erst am Freitag 9.30 Uhr weiter. (rict)

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