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Samuel Neukirchner aus Sachsendorf ist herzkrank. Das Foto zeigt den Dreijährigen im Frühjahr, bei einem Treffen mit ebenfalls betroffenen Familien an der Ostsee. Nach einer dritten Operation am Herzen im Oktober ist der Junge erblindet, derzeit erholt er sich bei einer Reha.

Foto: Jens Neukirchner

Herzkranker Samuel kämpft sich zurück ins Leben

Bei dem jungen Sachsendorfer funktioniert nur eine Herzhälfte. Drei Operationen hat der Junge schon überstanden - die letzte verlief nicht ohne Komplikationen.

Von Franziska Muth
erschienen am 07.12.2017

Sachsendorf/Seelitz. Samuel ist dreieinhalb, schaukelt gern, mag die Tiere auf dem Bauernhof im Erlauer Ortsteil Sachsendorf, auf dem er mit seiner Familie wohnt, und die Hunde, die in der Fernsehzeichentrickserie "PAW Patrol" Menschen bei Problemen helfen. Alles ganz normal, möge man meinen. Aber so ist es mitnichten. Denn der Junge ist herzkrank und seit kurzem blind. Schon mehrmals war zu befürchten, dass sein junges Leben allzu früh endet.

"Samuel lebt mit nur einer Herzhälfte", erklärt seine Mutter Jane Neukirchner. Geboren wurde er mit dem Hypoplastischen Linksherzsyndrom. Deutschlandweit kommen pro Jahr rund 180 Babys mit dem Herzfehler zur Welt, der unbehandelt zum Tod führt. Samuels rechte Herzhälfte funktioniert, sie ist eigentlich für den Lungenkreislauf zuständig. Die linke Herzhälfte, die den Körperkreislauf versorgen soll, ist unterentwickelt. Nach drei Operationen versorgt nun die rechte Herzseite den Körper, die Lunge wird passiv durchblutet. "Es ist nur eine lebenserhaltende Maßnahme", sagt Jane Neukirchner, die als Krankenschwester arbeitet.

Am 17. März 2014 kam Samuel im Krankenhaus Rabenstein zur Welt. Zunächst wussten seine Eltern Jane und Jens Neukirchner nichts von dem Herzfehler. "Ich habe ihn nachts zur Schwester gegeben. Sie kam wieder und sagte, er sei grau geworden und man habe ihn auf die Kinderstation gebracht", erzählt die 33-Jährige. Die Chefärztin in Rabenstein, eine Kardiologin, veranlasste, dass Samuel nur 19 Stunden nach der Geburt per Hubschrauber ins Herzzentrum in Leipzig geflogen wurde. "Es sah schlecht aus. Wir haben einen Pfarrer geholt, der die Nottaufe vornahm", erinnert sich Jane Neukirchner an jene Stunden. Aber Samuel stabilisierte sich, nach sieben Tagen wurde er erstmals operiert. Die zweite Operation mit sechs Monaten verlief gut, nach neun Tagen war Samuel wieder daheim.

Am 17. Oktober dieses Jahres war der dritte OP-Termin. Dabei kam es zu Komplikationen. "Samuel hat mehrere Hirninfarkte erlitten", so Jane Neukirchner. Danach musste er beatmet werden, ob er es schafft, war fraglich. Die Mutter erinnert sich, wie sehr ihm in der Zeit danach sein Bruder Elias, sieben Jahre und Erstklässler, half. "Als Elias Samuel zum ersten Mal besuchte - eigentlich, um sich von ihm zu verabschieden - wurden Samuels Werte langsam stabiler." Das erste Mal nach der OP habe er im Beisein von Elias gelacht und erste Wörter gesprochen. Mittlerweile sei er wieder sehr lebensfroh. "Samuel und Elias zeigen uns jeden Tag, dass es sich lohnt, zu leben", sagt die Sachsendorferin.

Derzeit ist sie mit Samuel zur Reha in einer neurologischen Klinik. Denn nach den Komplikationen der OP ist der Junge erblindet, eine Sehbehinderung wird wahrscheinlich zeitlebens bleiben. Zudem war Samuel nach der OP rechtsseitig gelähmt, die Bewegung der Hand und das Laufen fallen ihm schwer. Die Familie lasse alles auf sich zukommen, würde sich aber freuen, wenn Samuel bald wieder den Evangelischen Kindergarten in Seelitz besuchen kann. Zunächst einmal hoffen Neukirchners, Weihnachten gemeinsam daheim feiern zu können.

Hilfe finden die Sachsendorfer auch beim Verein "Fontanherzen". Der 2012 von betroffenen Eltern gegründete Verein mit Sitz im nordrhein-westfälischen Nortorf unterstützt deutschlandweit Menschen mit halbem Herz und ihre Familien. Benannt ist er nach dem Herzchirurgen Francis Fontan. Einmal im Jahr findet ein Treffen an der Ostsee statt, bei dem es Fachvorträge gibt und sich die Familien austauschen können. Dreimal waren die Sachsendorfer schon mit dabei.

Für morgen laden der Evangelische Kindergarten in Seelitz und der Hort der Evangelischen Grundschule zu einem Krippenspiel und einem Weihnachtsmarkt ein. 16.30 Uhr führen Vorschüler ein Singspiel in der St. Annen Kirche auf. Ab 17 Uhr gibt es einen Weihnachtsmarkt an der Reithalle. Ein Basar bietet Basteleien und Süßes, gefertigt von Kindern und Eltern. Der Erlös geht an den Verein "Fontanherzen".

 
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