Kreativität bestimmt ihr Leben

Ulla Heinicker ist in Geringswalde bekannt. Nachdem ihre Grafiken bei "Kunst offen in Sachsen" für Furore gesorgt hatten, setzt sie mit Mitstreitern neue Maßstäbe.

Geringswalde.

Sie mag Karos. Vorzugsweise in schwarz-weiß. Diese Vorliebe schlägt sich in grafischen Arbeiten und auch im Äußeren von Ulla Heinicker nieder. "Ich wurde stark von meinem Beruf geprägt", erklärt die 55-Jährige mit dem markanten Kurzhaarschnitt und lacht. Das gelingt ihr wieder nach etlichen Nackenschlägen, die sie hat einstecken müssen.

Sich mit künstlerischen Mitteln auszudrücken, braucht die Geringswalderin wie die Luft zum Atmen. Kein Wunder bei der familiären Prägung. "Im Zeichenzirkel meines Onkels Eberhard habe ich die erste ,volle Dröhnung" abgekriegt und unglaublich viel daraus mitgenommen", erinnert sie sich. Wichtige Impulse für die junge Ulla, denn anfänglich holperte es auf ihrem Weg vom Abitur ins Grafik-Design. Studienplätze an der Kunsthochschule Weißensee waren rar, und aus der Ausbildung in Formgestaltung wurde vorerst nichts. Sie absolvierte bei Vater Gerhard eine Malerlehre und bewarb sich neu. Diesmal mit Erfolg. "Es wurde dann zwar nicht die Formgestaltung, sondern Flächen-Design, doch diese Richtung war nicht weniger interessant und verhieß gute berufliche Perspektiven." Den Textilwerken Hartha kam die Absolventin wie gerufen. Ulla Heinicker blieb dem Großbetrieb über viele Jahre treu. Dort wurden die begehrten und von der Designerin entworfenen karierten Stoffe gewebt, die in die ganze Welt exportiert wurden. "Und von dort habe ich auch mein Faible für Karos mitgenommen." Als nach dem Mauerfall die Lichter im Textilbetrieb ausgingen, sattelte sie um und unterrichtete angehende Schauwerbegestalter, Floristen und Modeschneider in Formen, Farben und Schriften, ergänzt durch einen Block in Kunstgeschichte.

Als man ihre Arbeit als Dozentin nicht mehr brauchte, orientierte sich Ulla Heinicker neu und ließ ihrer Kreativität in der Werbeabteilung eines großen Discounters im Döbelner Umfeld freien Lauf. "Das ging an die Substanz", gesteht sie. Ich stellte dann für mich fest, dass ich diese Situation so nicht mehr mittragen wollte." Die Gestalterin blieb ihrem Metier treu und tauchte als Medienberaterin in die Welt der Tageszeitungen ein. Dann der Schicksalsschlag: Als an einem Julimorgen vor zwei Jahren ihr Ehemann Uwe Kucharz ohne jegliche Vorwarnung einem Infarkt erlag, brach für sie eine Welt zusammen. "Eine schlimme Zeit. Ich hätte ohne meinen Freundeskreis aus Altgeringswalde nicht gewusst, wie ich wieder auf die Beine kommen soll."

Seither sind Ute Eschner, Ingrid Thalheim, Iris Zschocke und Ulla Heinicker noch enger zusammengerückt. Nun legt die umtriebige "Viererbande" mit der zweiten Auflage der "Altgeringswalder Kreativ-Nachmittage" noch einmal nach.


Kreativer Nachmittag

Das Hoffest findet am Sonnabend ab 14 Uhr auf Hentschels Hof, Obere Dorfstraße 54, in Altgeringswalde statt. Zu sehen ist unter anderem das Laientheater des Vereins "Lebenshilfe" Döbeln mit dem Stück "Der gespielte Witz". Ines Naarmann zeigt Tricks beim Gemüseschnitzen. Iris Zschocke wartet mit selbstgemachten Seifen und Gestricktem und Andrea Teichmann mit floristischem Herbstzauber auf. Gerhard Heinicker bringt seine Sammlung von Schützenscheiben mit und Uwe Ruder lässt sein Akkordeon erklingen. Der Eintritt ist frei. (grün)

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