Multitalent liebt Musik und Bücher

Ob nun Journalist, Dramaturg, Pädagoge, Moderator oder Autor - Hagen Kunze bringt Musik und Kultur mit Theaterstücken, Texten und Bücher an die Menschen.

Lunzenau.

Hagen Kunze baut Brücken. Keine mächtigen Konstrukte aus Stein und Stahl, sondern Verbindungen zwischen Mensch und Kultur. Und das auf vielen verschiedenen Ebenen. Seine Schüler kennen Hagen Kunze als Musiklehrer an der evangelischen Oberschule in Lunzenau, der ihnen vor allem Opern schmackhaft machen möchte. Viele Theatergänger kennen Kunze noch aus seiner Zeit als Dramaturg am Mittelsächsischen Haus, wo er vor allem mit Stücken für Kinder- und Jugendlichen Akzente setzte. Und viele Leser kennen Hagen Kunze aus seiner Zeit als Journalist. Seit einigen Jahren hat der 43-jährige Döbelner sogar ein weiteres Standbein: er schreibt Bücher. Bücher, die sich vor allem um historische Musikerpersönlichkeiten wie Richard Wagner und die Familie von Johann Sebastian Bach drehen, aber auch ein kultureller Stadtführer zu Leipzig ist dabei. Verlegt werden die Büchlein vom Verlag Bild der Frau, der Hagen Kunze vor einigen Jahren als Fachmann für Musik anheuerte.

Elternhaus prägte

"Ich liebe diese Vielfalt. Man kommt aus der Schule, dann verfasst man ein Programmheft für ein Konzert und dann geht es ans Ausarbeiten einer Moderation", erzählt er. Außerdem schreibt er seit einigen Jahren Bücher, die sich um Themen der Musikgeschichte drehen. Die Liebe zur Musik entstand bei Hagen Kunze im Elternhaus. Er wurde im Jahr 1973 in eine Pfarrersfamilie hineingeboren und wurde schon früh mit dem Orgelspiel vertraut gemacht.

"Du musst gut sein", gaben ihm seine Eltern als Rat auf den Weg. Und er erwies sich als essenziell, denn Pfarrerskinder hatten es in der DDR nicht leicht. Kunze schaffte es dennoch durch Fleiß und Talent auf die Spezialschule für Musik in Zwickau und machte dort seinen Abschluss. Er ist der Schule noch immer verbunden. Heute lernt dort sein Sohn. "Meine alte Klavierlehrerin ist heute seine Schulleiterin."

Schon ein Jahr nach der Wende begann Kunze Theater und Konzertkritiken für Zeitungen zu schreiben und schuf sich mit dem Schreiben neben dem Musizieren ein zweites Standbein. Außerdem studierte er bis 2000 Musikwissenschaft, Philosophie und Journalistik in Graz und Halle. Gleich im Anschluss arbeitete er für vier Jahre bei einer Tageszeitung, bis er im Jahr 2012 komplett ins künstlerische Gewerbe wechselte und eine Stelle als Dramaturg im Mittelsächsischen Theater annahm. Dort spezialisierte er sich auf die Vermittlung von Theater und Musiktheater an Kinder und Jugendliche. "Theater ist kein Museum, sondern es soll den Leuten von heute etwas sagen", sagt er. "Eine Brücke in die Gegenwart muss her."

Dieser Einstellung blieb der Döbelner treu und versucht sie heute in der Lunzenauer Schule umzusetzen. Denn als 2012 der Intendant im Mittelsächsischen Theater wechselt, geht auch Kunze. Und wie so oft in seinem Leben öffnete sich fast zeitgleich eine neue Tür für ihn. Er übernahm eine Vertretungsstelle als Musiklehrer in Döbeln und wechselte später nach Lunzenau. Geplant war nur eine Vertretung, doch Kunze verstand sich mit Schülern und Kollegen.

Zufall spielte mit

Heute leistet sich die kleine Schule mit nur 160 Schülern also zwei Musiklehrer. Hagen Kunze besetzt aber nur eine halbe Stelle, um sich seinen anderen Projekten widmen zu können. "Ich brauche das Gefühl, nur eine halbe Stelle zu haben, um den Kopf für andere Projekte freizubekommen", erklärt der Musikliebhaber, der seit der Jahrtausendwende Bücher schreibt.

Ins Autoren-Metier brachte ihn der Zufall. Innerhalb des Bachjahres 2000 wollte der Verlag für die Frau ein Werk über den berühmten Komponisten ins Programm nehmen. Ein Autor sprang kurzfristig ab, Kunze ein. "Ich gelte als Schnellschreiber und der Verlag gab mir freie Hand und sechs Wochen Zeit", erzählt der Autor. Heraus kam sein erstes Buch "Das kleine Bach-Büchlein: Ein Gespräch mit Johann Sebastian Bach", ein unterhaltsamer Text, der sich auf ungewöhnliche, aber unterhaltsame Weise dem berühmten Komponisten nähert. Das Buch kam gut an und der Verlag verlängerte seine Zusammenarbeit mit Hagen Kunze, der seitdem regelmäßig neue Büchlein schreibt und veröffentlicht.

Und als wäre das noch nicht genug, konnte Kunze auch sein eigenes musikalisches Talent wieder einsetzen. Aus seinem Bach-Buch kreierte er eine musikalische Lesung für Erwachsene, eine Mischung aus Musik und Moderation.

Ob nun Journalist, Dramaturg, Kritiker, Lehrer, Moderator oder Buchautor - Hagen Kunze konnte sich so in seinem Leben einrichten, dass sich für all seine Projekte ein Platz findet. Er wohnt mit seiner Familie in Döbeln. "Jetzt habe ich das Gefühl, da zu sein wo ich gerne hinwollte."

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