Mutter wartet seit Monaten auf Elterngeld

Eigentlich könnte alles wunderbar sein: Im Juni brachte eine Harthaerin ihr erstes Baby auf die Welt. Joey ist ihr Sonnenschein. Doch inzwischen steht ihr finanziell das Wasser bis zum Hals.

Hartha.

Für kurze Zeit verschwinden die Sorgenfalten von Natalie Kindlers Stirn. Immer dann, wenn Joey lächelt. Und das tut er oft. Der Kleine ist mit seinen vier Monaten schon sehr agil, dreht sich vom Rücken auf den Bauch und beäugt neugierig sein Umfeld. Neben ihm auf der Couch stapeln sich Ordner mit dem Briefverkehr, der zwischen Natalie und dem Fachbereich Jugend und Familie des Landratsamtes hin und hergeht. Denn die 19-Jährige wartet seit vier Monaten auf das ihr zustehende Elterngeld. "Die Behörde sagte mir, dass die Bearbeitungszeit bis zu acht Wochen betragen könnte. Dafür habe ich durchaus Verständnis, aber jetzt kann ich nicht mehr", sagte die gebürtige Frankenbergerin verzweifelt.

Im Juli sei sie persönlich beim Fachbereich Elterngeld in Mittweida vorstellig geworden, um den Antrag abzugeben. Als sich nach zehn Wochen nichts gerührt hätte, habe sie nachgefragt. "Man brauche noch Zeit, hieß es da", schildert Natalie Kindler. Nun sei es ja nicht so, dass sie bei einer solchen Auskunft gleich ausflippe. "Als ich in den Folgewochen nicht lockerließ, hatte ich allerdings den Eindruck, dass man mir mit Ausreden kommt. Die Bearbeiterin sei gerade nicht im Zimmer oder im Urlaub. Mir erschien das alles sehr fadenscheinig."

Vor etwa vier Wochen teilte man der jungen Mutter dann mit, dass sich die Bearbeitung verzögere, weil sie auf dem Antrag nicht angekreuzt habe, dass sie deutsche Staatsbürgerin sei. "Dabei liegt dem Amt meine Geburtsurkunde vor", bemerkt Natalie ungläubig.

Am 4. November dann die nächste amtliche Mitteilung: Lohnbescheinigungen würden fehlen. "Ich habe inzwischen alle Unterlagen gefühlt drei Mal abgegeben. Und in einem Telefonat zwei Tage später wurde moniert, dass ich nicht reingeschrieben hätte, dass ich vor der Entbindung in Ausbildung war. Dabei ist das eindeutig aus der Verdienstbescheinigung meines Arbeitgebers ersichtlich", erregt sich die gelernte Verkäuferin. Was sie besonders frustriert: Ein Hilferuf an die Behörde, in der sie detailliert ihre Notlage schilderte, blieb ohne Resonanz. "Man hätte mir wenigstens den Eingang des Schreibens bestätigen können."

Natalie Kindler fühlt sich im Stich gelassen. "Den Elterngeldbescheid brauche ich dringend, um Wohngeld beantragen zu können. An keiner Stelle bewegt sich etwas. Und uns geht inzwischen das Geld aus."

Ohne ihren Partner Marcus hätte sie die gemeinsame Wohnung bereits im August aufgeben müssen. So lebt die kleine Familie derzeit von 1500 Euro netto, die der 29-jährige Berufskraftfahrer nach Hause bringt, und 192 Euro Kindergeld für Joey. Das magere Salär ist schnell verbraucht. Etwa für Lebensmittel, für die wöchentlich 85 bis 145 Euro anfallen, für 500 Miete, sowie für Versicherungen und Internetanbindung.

Seitens des mittelsächsischen Landratsamts hält man sich zu dem vorliegenden Fall bedeckt. Landkreissprecher André Kaiser bestätigt zwar die achtwöchige Antragsfrist. "Gleichwohl kann es im Rahmen eines solchen Verfahrens zu Nachforderungen von Unterlagen kommen." Man bitte außerdem um Verständnis, dass sich die Behörde aus rechtlichen Gründen nicht zu den einzelnen Fällen äußern werde, so Kaiser weiter.

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1Kommentare
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  • 8
    1
    1953866
    20.11.2017

    "Man bitte außerdem um Verständnis, dass sich die Behörde aus rechtlichen Gründen nicht zu den einzelnen Fällen äußern werde, so Kaiser weiter."
    Nein danke, dafür gibt es kein Verständnis! Schlampereien, Drangsalierungen, aber um Verständnis bitten. Der "Kunde" bei Jobcenter & Co kann auch nicht um Verständnis bitten. Eine verspätete Meldung ein verpasster Termin, obwohl man auch gern gegen 18:00 Uhr den Brief für den Termin am Folgetag in den Briefkasten legt, und es wird sanktioniert. Aber die Behörden dürfen das.
    Denkt in den Amtstuben endlich mal daran, dass ihr Diener der Bürger seid und nicht umgekehrt.



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