Wie die Paulinerkirche Leipzig? Museumsanbau in der Kritik

Ein düsterer, fragwürdiger Fremdkörper: Der Entwurf fürs Stadt- und Bergbaumuseum stößt nicht nur auf Begeisterung. Architekt Volker Benedix will die Gemüter beruhigen: Noch sei nichts zu Ende gedacht.

Freiberg.

Albrecht Koch ist ein Aushängeschild Freibergs. Unablässig trommelt der Domkantor für Kunst und Kultur, hält als Chef der Silbermanngesellschaft das Andenken an den Orgelbaumeister weltweit hoch. Dank ihm spielt der Dom in der ersten Liga kirchlicher Musik Sachsens. Und als Kultursenator berät er den Freistaat in wichtigen Fragen der Kulturpolitik.

Nun aber hat sich Koch mit Kritik an seiner Heimatstadt zu Wort gemeldet. Es geht um den Entwurf des Museumsanbaus, den der Stadtrat am Donnerstag mehrheitlich beschlossen hatte. Er sei ratlos angesichts des "fragwürdigen und doch rasch verabschiedeten Entwurfs", schreibt Koch bei Facebook. Wäre an dieser "sensiblen Stelle" nicht ein Architekten- oder Ideenwettbewerb selbstverständlich gewesen, fragt er. Und sinniere nun darüber, ob der Entwurf ihn eher an die Paulinerkirchenfassade in Leipzig, den Schutzbau der Goldenen Pforte am Dom oder das neue Gemeindehaus der Christusgemeinde in Freiberg erinnert. Grundsätzlich sei der Anbau zu begrüßen, so Koch, aber: "Spannende Architektur sieht anders aus."

Manche Facebook-Nutzer teilen diese Sicht. Der düstere Entwurf beraube die historischen Giebel der Nachbarhäuser ihrer Wirkung. Auch Dirk Czaja, Mitarbeiter der CDU-Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann, meldet sich ironisch zu Wort: "Freiberg, Stadt der Moderne", so Czaja. "Und jedem privaten Bauherrn würde man seitens der Stadt und des Denkmalschutzes aber so richtig erklären, was man darf und was nicht." Für Herbert Pforr, Autor vieler Bücher über Freiberg, ist der Bau ein "Fremdkörper". "Liebe Stadträte", so Pforr in einem Brief an die "Freie Presse", "bitte revidieren Sie Ihren Beschluss und suchen eine andere Lösung, die ohne einen so schmerzhaften Eingriff in das historische Stadtbild auskommt. Seien Sie großherzig und springen Sie über Ihren Schatten."

Im Rathaus sieht man die Debatte gelassen. Auch, weil bei Facebook auch positive Stimmen zu lesen waren. Innerhalb des Planungsteams habe es sehr wohl einen Wettbewerb gegeben, versichert Baubürgermeister Holger Reuter (CDU). Einige Ideen waren den Stadträten am Donnerstag vorgestellt worden. Dabei zitierte die Verwaltung aus einem Gutachten, das den aktuellen Entwurf gutheißt: "Dem Geist des Ortes wird entsprochen." Jahrelang habe es Diskussionen über den Anbau gegeben, so Reuter. "Nun ist er endlich in Sack und Tüten." Über Architektur werde außerdem immer diskutiert. Reuter: "Das zeigt, dass es sich um einen interessanten Entwurf handelt."

Stadtrat und Architekt Volker Benedix (CDU), aus dessen Feder der Entwurf stammt, betonte, dass es sich um einen Vorentwurf handele. "Wir werden einiges weiterdenken." Mit dem "sakralen Anstrich" der von der Stadt veröffentlichten Grafik sei er gleichwohl nicht zufrieden. Benedix: "Wir werden der Kirche keine Konkurrenz machen." Bürgermeister Reuter räumte ein, dass die Visualisierung nicht höchsten Ansprüchen genüge. "Für eine professionelle Grafik müssten wir 5000 Euro bezahlen." Darauf habe man in diesem frühen Stadium verzichten wollen. In sechs Monaten werde man aussagefähigere Unterlagen vorlegen.

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