Wo im Kreis die meisten Autos fahren

Die Ergebnisse der Verkehrszählung von 2015 für Bundesstraßen liegen vor. Die Meinungen zu den Zahlen gehen auseinander. Für ein umkämpftes Projekt ist die Statistik bedeutungslos.

Freiberg/Oederan.

Die B101 zwischen Brand-Erbisdorf und Freiberg ist die meistbefahrene Bundesstraße im Landkreis. Das zeigen die Ergebnisse der Verkehrszählung von 2015, die das Bundesamt für Straßenwesen nun auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. 15.500 Kraftfahrzeuge sind zwischen Freiberg und der südlichen Nachbarstadt innerhalb von 24 Stunden unterwegs. Das sind im Durchschnitt 646 in einer Stunde.

Zu den viel befahrenen Bundesstraßen im Kreis zählen auch die B173 in Flöha und im Bereich Niederwiesa, die B101 nördlich von Freiberg mit jeweils um die 10.000 Autos täglich sowie die B173 Freiberg-Dresden und die B169 bei Frankenberg. Die Bundesstraße mit dem wenigsten Verkehr ist die B 171 im Erzgebirge. Zwischen Bienenmühle und Sayda wurde nur 1300 Autos am Tag gezählt. Also nicht einmal ein Fahrzeug pro Minute. Ähnlich ruhig ist es auf der B107 Rochlitz-Colditz (1700 Autos in 24 Stunden), der B 180 Erdmannsdorf-Gornau (1900) und der B 107 zwischen Königshain-Wiederau und Rochlitz (2400 Autos).

Alle fünf Jahre wird der Verkehr an den Bundesstraßen gemessen. "Die Zählergebnisse sind Grundlage der Straßenplanung und der Planung verkehrsbeeinflussender Einrichtungen", sagt Nicole Wernicke vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Im Vergleich zur bisher letzten Messung 2010 ist der Verkehr an vielen Zählpunkten zurückgegangen. So zwischen dem Ortsausgang Flöha und Erdmannsdorf um 1000 Fahrzeuge täglich, zwischen Hartha und Geringswalde wie zwischen Hainichen und Greifendorf um 500 Fahrzeuge täglich - an der B 169 zwischen dem Abzweig Brettmühle und Frankenberg-Gunnersdorf gar um 2600 Fahrzeuge.

Wie die Statistik zu interpretieren ist, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. "Die Zahlen zeigen überwiegend eine rückläufige Verkehrsbelastung", sagt der Dresdner Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn. Und fordert für alle Investitionen einen "Demografie-Check" Für viele Neubauvorhaben bestünde kein Bedarf. "Es ist kein Zufall, dass die Zahlen erst nach dem Beschluss des Bundesverkehrswegeplans veröffentlicht wurden."

Für Mittelsachsen würden die Ergebnisse aus ihrer Sicht Beginn oder Fortführung der Planungen und Baumaßnahmen aktueller Projekte nicht in Frage stellen, sagt dagegen die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (CDU). Auch wenn sich in der Praxis eine Verschiebung des Kraftverkehres auf Nebenstrecken zeige, da Navigationssysteme oftmals kürzere Strecken abseits von Bundesstraßen auswiesen.

. Anders interpretiert Marco Henkel vom Sächsischen Wirtschaftsministerium die Zahlen. Er sieht das Ziel, den Verkehr auf Autobahnen und Zubringer zu verlagern, immer mehr erreicht. So verlören autobahnparallele Bundesstraßen an Bedeutung: "Zum Beispiel die B169 zwischen Chemnitz und Hainichen." Für die Ortsumgehung, die Anwohner im Rossauer Ortsteil Greifendorf an der B169 fordern, habe das Folgen, sagt Grünen-Mann Stephan Kühn. Das rückläufige Verkehrsaufkommen erhöhe deren Chancen "sicher nicht". Rossaus Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) hält an dem Ziel Ortsumgehung dagegen fest. "Lkws zwischen A4 und A14 kürzen immer noch über die Bundesstraße ab", sagt er. Und der Verkehr werde wachsen, würde die B169 wie geplant ausgebaut, prophezeit er: "Die Belastung im Ort ist nach wie vor groß."

In der Tat fahren zwischen Greifendorf und Hainichen mit mehr als 1000 täglich mit die meisten Lkw im Kreis. Mehr Schwerlastverkehr ist nur zwischen Freiberg und der A4 unterwegs. Dort wuchs der Verkehr zwischen 2010 und 2015 auch allgemein stark. Ministerium wie Straßenverkehrsamt, aber auch die Abgeordneten Bellmann (CDU) und Simone Raatz (SPD) sehen sich angesichts dessen bestätigt in ihrem Einsatz, die B101 auszubauen. Selbst der Grüne Stephan Kühn hält einen Ausbau zur Lärmentlastung für sinnvoll. Für Bellmann wie Raatz belegen die Zahlen auch die Notwendigkeit der Ortsumgehung Freiberg.

Für ein anderes, umkämpftes Projekt aber sind die Zählergebnisse irrelevant: Für die von vielen Oederanern geforderte dortige Ortsumgehung. Zwar fuhren zwischen Flöha, Oederan und Freiberg 2015 deutlich weniger Autos als noch 2010. Das spräche gegen die Ortsumgehung - hätte die Abnahme des Verkehrs nicht eine einfache Erklärung: Während der Zählung war der Falkenauer Berg gesperrt. Der Verkehr wurde großräumig umgeleitet. Den Verantwortlichen blieb das nicht verborgen. "Beeinflusste Werte wurden gekennzeichnet und werden bei der Planung berücksichtigt", sagt Lasuv-Frau Nicole Wernicke.

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