Alternativen zum Abstellgleis: Bahn-Fan macht den ersten Zug

Ende 2017 soll die Bahn- linie zwischen Zwotental und Adorf stillgelegt werden - gibt es Alternativen? In Gunzen trafen sich dazu Vertreter der Bahn, der Politik und von Eisenbahnvereinen.

Gunzen.

Christoph Kopp hofft noch immer, auch wenn der Termin bei der Bahn offenbar steht: Ende 2017 soll die Strecke zwischen Adorf und Zwotental endgültig für den Fahrbetrieb geschlossen werden. Dass die Gleise bis dahin offen bleiben, hängt mit geplanten Brückenbauarbeiten in Falkenstein zusammen. Das war am Mittwoch bei einem Sondierungsgespräch zu erfahren, zu dem Kopp eingeladen hatte.

Der Mann aus Bad Nauheim hatte 2011 das denkmalgeschützte, aus dem Jahr 1908 stammende Stationsgebäude mit dem Ziel gekauft, es zu einer Ferienwohnung umzubauen. Er setzte dabei auf die Zuganbindung, die aber im Dezember 2012 eingestellt wurde. Seither sind nur noch Sonder- oder Güterzüge unterwegs - jährlich etwa 40 Fahrten.

Kopp hatte Vertreter der Bahn, der Politik, der Verkehrsbetriebe und der Eisenbahnvereine der Region nach Gunzen gelockt. Sie alle kamen auch, um noch einmal zu besprechen, ob es nicht doch eine Chance für die Strecke gibt.

Eingestellt wurde der Verkehr zwischen Zwotental und Adorf 2012 wegen der Verluste, die auf der Linie gemacht wurden. Von rund 150.000 Euro ist heute die Rede. Geld, das der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland bei sinkenden Zuschüssen des Freistaats anderswo brauchte.

Zum Preis von 196.000 Euro oder einer Jahrespacht von rund 15.700 Euro war die Strecke im Angebot, dazu noch einmal rund 15.000 Euro für Anschlusskosten in Adorf und Zwotental. Als einziger Bewerber trat die Deutsche Regionaleisenbahn auf, die bereits im Vogtland aktiv ist. Die Verhandlungen liefen irgendwann ins Leere. "Es war das erste Mal, dass wir keinen Konsens fanden", sagte dazu Gerhard J. Curth, Geschäftsführer Deutsche Regionaleisenbahn.

Christoph Kopp lag mit seiner Ferienhausidee an der Bahnlinie auf gleicher Wellenlänge mit den Angeboten des Tourismusverbandes Vogtland (TVV): "Wandern, Radfahren, im Winter Skilauf. Die Region bietet sich dafür an." Andreas J. Kraus, Geschäftsführer des TVV: "Die Frage ist, welchen Anreiz Besucher haben sollen, hier in den Zug zu steigen. Wenn die Bahnlinie erhalten werden soll, brauchen wir ein Konzept aus der Region."

Mike Pester aus Adorf, der mit historischen Triebwagen in den vergangenen Jahren schon Fahrten bis nach Muldenberg angeboten hat, brachte den Aspekt der Nostalgiefahrten ins Gespräch. "Dazu bedarf es aber auch eines entsprechenden Marketings", machte er deutlich.

Am Ende des gut anderhalbstündigen Dialogs zeigte sich Christoph Kopp nicht unzufrieden. Dass alle Eingeladenen gekommen waren, wertet er als ein gutes Zeichen, dass doch noch Chancen bestehen, die Strecke für den Tourismus im Vogtland zu erhalten.

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