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Als Vertreter der Bürgerinitiative BIKA sprach Bertram Wieczorek am 5. Januar 1990 auf dem Auerbacher Neumarkt (damals Friedensplatz) vor 20.000 Demonstranten. Im März 1990 zog er für die CDU in die Volkskammer ein - seine kurze, aber steile politische Karriere begann.

Foto: Archiv Bild 1 / 2

Arzt, Politiker, Unternehmer: Wieczorek verlässt das Vogtland

Vor vier Jahrzehnten kam er als Mediziner ins Vogtland, als solcher verlässt er nun die Region und schließt seine Praxis. Dazwischen liegen turbulente Höhenflüge in Politik und Wirtschaft - "Zufälle" hätten ihn in zwei Regierungen gebracht, sagt er.

Von Bernd Appel
erschienen am 10.11.2017

Falkenstein/Rodewisch. Eigentlich sei er ja kein Christ, meint Bertram Wieczorek (66): "Aber ich bin dem lieben Gott unheimlich dankbar, dass ich so viel erleben und mitgestalten konnte." Vier Jahrzehnte pendelte er immer wieder zwischen dem Vogtland und Berlin, vom Dialekt her ist er klar Berliner geblieben. 1976 kam er zur Facharzt-Ausbildung in die Region, betrieb lange eine Praxis in Poppengrün, leitete das von ihm aufgebaute Kreisrehabilitationszentrum. Als Allgemeinmediziner verabschiedet er sich nun in den Ruhestand, schließt seine Praxis in Rodewisch und geht ganz zurück in die Hauptstadt.

Die Zeit als Arzt wurde nach der Wende von einer politischen Blitz-Karriere unterbrochen: Wieczorek zog für die CDU in die erste (und letzte) demokratisch gewählte Volkskammer der DDR ein, wurde Vize-Fraktionschef und war wenig später als Staatssekretär im DDR-Verteidigungsministerium mit der Abwicklung der NVA befasst. Kurz darauf saß er im ersten gesamtdeutschen Bundestag und wurde erneut Staatssekretär - diesmal im Bundes-Umweltministerium.

Es seien vor allem Zufälle gewesen, die ihn in zwei deutsche Regierungen gebracht hätten, meint Wieczorek: "Geplant war das nicht." Er spricht von einer "tollen Zeit", so habe er die Wismut-Sanierung mit angeschoben und die DDR-Kernkraftwerke in Lubmin und Rheinsberg mit abgewickelt.

1994 folgte der Wechsel in die Wirtschaft, Wieczorek wurde Chef der Berliner Wasserbetriebe. Diese Position räumte er Ende 1999 im Zuge der Privatisierung des Unternehmens. "Die habe ich immer bekämpft, inzwischen ist die Privatisierung auch vorbei", sagt er lächelnd. Er ging zu einer Wassertechnik-Firma. Unter anderem wegen seines Wechsels in die Wirtschaft gab es viel Ärger mit den "Parteifreunden" in der vogtländischen CDU - 2007 hat er die Partei verlassen. Allerdings wird er wohl dem CDU-Verband in Berlin-Köpenick wieder beitreten: "Ich bin ja ein konservativer Mensch."

Nach 13 Jahren in Politik und Wirtschaft kehrte Wieczorek 2003 zurück in die Medizin - der habe immer seine Leidenschaft gehört. Der Wiedereinstieg sei schwierig gewesen: "Inzwischen gab es ja unheimliche Fortschritte." Er hospitierte lange, um vor allem auch die neue Organisation zu verinnerlichen. Die Woche über lebte er in Falkenstein, an den Wochenenden in Berlin. "Irgendwann ist man des Reisens müde, man muss auf die Signale des Körpers hören und seine Grenzen erkennen", sagt er. In Berlin leitet der begeisterte Motorboot-Fahrer eine Wassersport-Gruppe, außerdem will er als Gutachter für den Medizinischen Dienst tätig sein.

Seine Praxis soll ab Januar von einer Internistin weitergeführt werden, mit dem Klinikum Obergöltzsch als Träger. "Dem Vogtland bleibe ich natürlich verbunden, schon der Kinder wegen", versichert Wieczorek. "Mit dieser Gegend habe ich mich immer identifiziert."

 
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