Ein Auto für Michelle: Familie aus Klingenthal braucht Ihre Hilfe

Mehr Mobilität für ein schwerstbehindertes Mädchen und ihre Mutter: Die Aktion "Leser helfen" will einer Familie aus dem Oberen Vogtland unter die Arme greifen.

Klingenthal.

Schmetterlinge zieren die Wände. In der ganzen Wohnung von Daniela Engelhardt und ihrer Tochter Michelle sind sie zu finden. Daniela Engelhardt mag Schmetterlinge. Vielleicht, weil sie als Symbol unter anderem für Leichtlebigkeit stehen. In den vier Wänden der kleinen Familie setzen sie damit unbewusst ein stilles Ausrufezeichen. Nein, unterkriegen lassen sich die 43-Jährige und ihre Tochter nicht, mögen die Umstände auch noch so schwierig sein.

Und das sind sie. Michelle Engelhardt ist schwerstbehindert. Sie kann nicht laufen, nicht greifen und sitzt in einem Spezialrollstuhl. Sie kann nicht sprechen und sehen. Die 14-Jährige artikuliert sich über Laute, ihre Augen nehmen nur dunkel und hell wahr. Ihre Mutter füttert sie mit Brei, Michelle wird aber auch über eine Sonde im Bauch ernährt. Am besten ausgeprägt ist Michelles Gehör. Sie genießt Musik und kann "ihre Leute" an den Stimmen erkennen.

Tyrosinämie Typ I, so heißt die sehr seltene Stoffwechselerkrankung, an der Michelle leidet. Die Leber baut ein Eiweiß nicht richtig ab. Dagegen gibt es Medikamente - sofern man von der Erkrankung weiß. "Ich wurde damals jedoch mit einem hundertprozentig gesunden Kind entlassen", sagt Daniela Engelhardt. Ein fataler Irrtum, wie sich nach sechs Wochen herausstellte. Baby Michelle ging es plötzlich sehr schlecht, mit dem Rettungshubschrauber wurde die Kleine nach Leipzig gebracht, zwei Wochen kämpften Ärzte um ihr Leben. Die nicht funktionierende Leber hatte den Bauchraum vergiftet. Durch Sauerstoffmangel war das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen worden. "Es war ein Schock", erinnert sich ihre Mutter. Die Folgen offenbarten sich nicht sofort. Erst nach einem Jahr war klar, dass Michelle auf dem Entwicklungsstand eines Säuglings bleiben wird. Auf zehn Jahre schätzten Ärzte damals ihre Lebenserwartung. "Als sie zehn wurde, war das hart. Man hat es immer im Hinterkopf", erzählt Daniela Engelhardt. Tränen glitzern in ihren Augen, sie streicht ihrer Tochter durchs Haar, drückt ihre Hand. "Man muss es ihr deshalb jeden Tag so schön wie möglich machen."

Daniela Engelhardt ist seit 14 Jahren rund um die Uhr für ihre Tochter da. Ihren Beruf als Floristin musste sie aufgeben. Ihre Ehe und ihre Familie, zu der auch noch ein 18-Jähriger Sohn gehört, zerbrachen. Seit Februar leben Mutter und Tochter in einer kleinen Wohnung mit Fahrstuhl im Klingenthaler Zentrum.

Die 43-Jährige kämpft und versucht, ihr Leben zu meistern. Allein ist sie dabei nicht. Ihre Eltern und viele Freunde unterstützen sie. Michelle wird zudem drei Tage in der Woche in der Förderschule in Markneukirchen betreut. Doch bei aller Organisation und allem Einsatz - es reicht nicht für alles. Im Sommer gab ihr 14 Jahre alter Opel Vivaro - ein Kleinbus - den Geist auf. Das Getriebe ist defekt, Kupplung und Bremsen müssen erneuert werden, es gibt viele kleine Mängel. Weder eine Reparatur noch ein neues Auto sind für die Familie drin. "Das schaffe ich finanziell nicht", sagt die Mutter. Ihr Wunsch ist deshalb ein neues behindertengerechtes Fahrzeug. Regelmäßige Arztfahrten könnte sie dann ohne fremde Hilfe bewältigen.

Es wäre aber auch ein Stück Freiheit, mit ihrer Tochter einfach mal aufzubrechen - ganz so wie die Schmetterlinge, die sie so mag.


Und darum geht's bei der anderen Spendenaktion im Vogtland:

Merlin ist spastisch gelähmt. Sauerstoffmangel bei der Geburt ist schuld an seiner Behinderung. Er kann nur krabbeln, das Laufen hat er nie gelernt. Der achtjährige Junge aus dem Plauener Ortsteil Jößnitz sitzt deshalb im Rollstuhl. Und genau für dieses Hilfsmittel wünschen sich die Eltern einen Lift, der dabei hilft, Merlin samt Rollstuhl in das Familienauto zu hieven. Denn mit seinen 22 Kilogramm lasse er sich kaum noch tragen, so Mutter Regina Höhne. Aber klagen wollen sie und Ehemann Jens (45) nicht.

Merlin ist der Sonnenschein in der kleinen Familie. "Wir haben bei allen Sorgen Glück mit unserem Sohn", sagen die Eltern des energiegeladenen Blondschopfs. Der Kampf mit der Bürokratie bringt sie oft an den Rand der Verzweiflung. Fünf von 100 Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1,5 Kilo sind von Merlins Krankheit PVL betroffen. (sasch)

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