Erdmännchen zieht gen Norden

Das erinnert an Noahs Arche: Ein Mann aus Treuen hat 114 Exoten gesammelt, viele Pärchen. Doch wegen chaotischer Haltung nahm das Veterinäramt sie in Obhut. Gestern wurde sein letztes Erdmännchen an die Nordsee vermittelt.

Treuen.

Das Erdmännchen ist das letzte Haustier des Tier-Messies, das nun Asyl gefunden hat. Ein Mitarbeiter des Landratsamtes brachte es gestern in eine Auffangstation für Wildtiere und Exoten in Fiel. Das ist ein kleiner Ort, der bei St. Peter-Ording an der Nordsee liegt, mehr als 600 Kilometer von der Heimat entfernt.

Das Erdmännchen-Weibchen hat damit von ihren ehemaligen Mitbewohnern die weiteste Reise hinter sich. Es stammt aus der Sammlung eines Treueners. Im Februar hatten Polizei, Tierschützer und Veterinäramt 114 Exoten aus seinem Haus geholt. Darunter Zwergagutis, Zwergmangusten, Wüstenfüchse, Weißbauchigel, Schmuckschildkröten und Giftschlangen. Von vielen hielt sich der Mann Pärchen. Weil er sie nicht artgerecht unterbrachte, griffen die Behörden ein.

Zoos und Tierparks in mehreren Bundesländern nahmen die Tiere auf. Darunter der Zoo der Minis in Aue und die Reptilienstation Weißenfels. "Die Reptilienstation hat uns die Schmuckschildkröten abgenommen", sagt die Plauener Tierheimleiterin Katrin Soellner.

Als Problemfall erwies sich indes die alte Erdmännchen-Dame. Erfolglos hatte das Veterinäramt versucht, sie bundesweit an Zoos zu vermitteln. "Ein einzelnes Erdmännchen lässt sich nicht in eine bestehende Gruppe integrieren", sagt Bettina Thoß, Tierärztin aus der Behörde. Seine Artgenossen hätten es totbeißen können. Einzelhaltung sei nicht optimal, aber die Tierärztin sieht keine andere Chance. Der Falkensteiner Tiergarten bot in den vergangenen Wochen ein Notquartier.

Auch an der Nordsee ist das Erdhörnchen einziger Vertreter seiner Gattung. Dort kümmern sich jetzt Exoten-Retter darum und werden versuchen, einen Partner zu finden. Dirk Fußbahn betreibt in Fiel mit seiner Ehefrau einen Park, in dem sie pro Jahr mehr als 1000 Tiere aufnehmen. Sie päppeln sie auf, vermitteln sie, wildern Wildtierfindlinge aus. Der Neuzugang aus dem Vogtland hat gestern eine Anlage bezogen, in der bereits Erdmännchen gelebt haben. "Das riecht nach Zuhause", sagt Fußbahn. Im Sommer soll es in ein Außengehege kommen, in dem zurzeit Stinktiere untergebracht sind.

Der gelernte Tierarzthelfer findet es nicht schlimm, wenn sich Privatleute statt eines Wellensittichs Exoten halten: "Die Bedingungen müssen passen." Exoten kann man im Internet auf diversen Plattformen kaufen. Der Markt sei kaum zu überblicken, sagen Tierschützer. Gesetzlich verboten ist ihre Haltung nicht.

Der Fall des Treuener Exotensammlers gilt aufgrund der Vielzahl der Tiere im Vogtland als besonders gravierend. Ob die Behörde rechtliche Schritte gegen den Mann einleitet, dazu gibt es keine Aussagen.

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