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Jens Uhlmann auf einer Brücke über dem Stadtgraben in Dorfstadt. Zwei Dinge regen den Linken-Stadtrat auf: Zum einen, dass ein Abwasserentsorger offensichtlich noch immer ungeklärte Abwässer in ein Gewässer einleiten darf. Und dass die Situation durch die mangelnde Pflege des Überlaufgrabens noch verschärft wird.

Foto: David RötzschkeBild 1 / 3

Fäkalien im Stadtgraben stinken Kommunalpolitiker zum Himmel

Immer wenn es stark regnet, fließen in Dorfstadt ungeklärte Abwässer in die Treba. Das ist eine Sauerei, moniert Jens Uhlmann seit langem. Jetzt hat er einen offenen Brief an den Landrat geschrieben.

Von Susanne Kiwitter
erschienen am 09.09.2017

Dorfstadt/Falkenstein. Wie kann es sein, dass der Zweckverband Wasser und Abwasser Vogtland Bußgelder an Privatleute verteilt, weil sie Abwasser ungeklärt in Gewässer einleiten - der Zwav sich selbst aber nicht an die Vorgaben hält? Diese Frage stellt Jens Uhlmann in einem offenen Brief an den Landrat. Darin prangert der Falkensteiner Linken-Stadtrat den Umstand an, dass in Dorfstadt regelmäßig bei starkem Regen ungeklärte Abwässer über den sogenannten Stadtgraben in die Treba fließen. Das zweite Problem: Weil die Pflege des Stadtgraben vernachlässigt wird, würden sich in "Extremfällen die Abwässer samt ihrer Fäkalfracht in den Gartenanlagen am Stadtgraben verteilen". Uhlmann will seinen offenen Brief, der auch an den Zwav ging, gleichzeitig als Petition verstanden wissen.

Der etwa 400 Meter lange Stadtgraben verläuft zwischen dem Kabelwerk und der Ziegengasse entlang der Gartenanlage Käthe-Kollwitz-Straße in Dorfstadt. Am oberen Ende befindet sich eine Pumpstation, über die ein Teil von Falkensteins Abwässern geleitet wird. Uhlmann: "Bei Starkregen ist die Pumpstation offensichtlich überlastet und es kommt zum Überlaufen."

Die Folgen lassen sich aktuell auch Tage nach dem letzten Starkregen noch deutlich ablesen: Auf der Länge des gesamten Stadtgrabens hängen überall Toilettenpapier-Fetzen im Gestrüpp. Ausspülungen außerhalb des Grabens zeigen zudem, dass das Abwasser mitunter auch auf dem parallel verlaufenden Weg hinab rauscht. "Jeder Dorfstädter weiß, dass er bei Regen diesen Weg meiden sollte", erklärt Uhlmann.

Zwav-Geschäftsführer Henning Scharch bestreitet, dass Fäkalien über den Graben direkt in die Treba geleitet würden. "Das ist nicht möglich", sagt er. Begründung: Fäkalien seien schwerer als Toilettenpapier, weshalb sie in jedem Fall nicht mit überlaufen würden. Jens Uhlmann hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig und erklärt das für physikalischen Unsinn.

Scharch räumt unterdessen ein, dass die aus DDR-Zeiten stammende Pumpstation am oberen Ende des Grabens nicht mehr den heutigen Vorschriften entspreche. Das Problem: Bis 2021 wird sie ihren Dienst noch tun müssen, denn erst dann hat der Zwav Zeit und Geld, um dort eine neue Regenrückhalteanlage zu bauen. Scharch: "Wir haben noch einige solcher ,Baustellen' im Vogtland, wir können nicht alles auf einmal erledigen." Ob die Situation am Stadtgraben in Dorfstadt bis dahin mit dem Gesetz kollidiert - auf diese Frage geht er nicht ein.

Die Landkreisbehörde als diejenige, an die Jens Uhlmanns Schreiben gerichtet ist, konnte diese Woche dazu noch keine Stellung beziehen. Nur so viel: "Die konkret geschilderten Missstände sind uns noch nicht bekannt, dass der Überlauf des Pumpwerkes relativ zeitig anspringt, schon", schreibt Pressesprecher Dieter Krug. Um ordnungsgemäß antworten zu können, daure es aber in etwa eine Woche.

Dass die konkreten Missstände nicht bekannt seien - darüber kann Uhlmann nur mit dem Kopf schütteln. Denn zumindest die Stadt Falkenstein ist seit spätestens Mai dieses Jahres darüber informiert. Damals hatte die Linken-Fraktion des Stadtrates den Bürgermeister schriftlich um Abhilfe gebeten.

Marco Siegemund (CDU) verweist darauf, dass dafür der Abwasserentsorger zuständig sei. Und was die Pflege betrifft, so habe man nach dem Hinweis im Frühjahr den Grünschnitt vorgenommen. Grundsätzlich ist wohl aber der Zwav für die Freihaltung des Stadtgrabens zuständig, wie dessen Geschäftsführer Henning Scharch einräumt. Auch er bekräftigt: "Selbstverständlich kümmern wir uns regelmäßig darum."

Bei der Visite vor Ort kommen Zweifel an den Aussagen der beiden Männer auf. Teilweise wachsen schon halbe Bäume aus dem Graben heraus, das Gelände ist sichtbar ungepflegt. Lediglich dort, wo der Überlauf in den Graben mündet, wurde mit dem Grünschnitt begonnen, jedoch nach fünf Metern wieder aufgehört. Jens Uhlmann: "Hier muss endlich was passieren."

 
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Fäkalien im Stadtgraben stinken Kommunalpolitiker zum Himmel
Göltzsch ebenso betroffen
 
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Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 09.09.2017
    07:53 Uhr

    Tauchsieder: > Das Problem: Bis 2021 wird sie ihren Dienst noch tun müssen, denn erst dann hat der Zwav Zeit und Geld, um dort eine neue Regenrückhalteanlage zu bauen. Scharch: "Wir haben noch einige solcher ,Baustellen' im Vogtland....<
    Wenn dem so sein sollte, dann gleiches Recht für alle, dann sollte das LRA ein saftiges Bußgeld dem ZWAV zustellen. Die Begründung sollte dem LRA leicht fallen, es hat ja da schon Übung bei anderen Säumigeren drin.

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