Falkenstein im ZDF: Kritik an Negativ-PR folgt auf dem Fuß

Ein TV-Beitrag zum Thema Berufsschulsterben sorgt für Wirbel in sozialen Medien und im Stadtrat. Denn die Bilder aus Falkenstein empfindet mancher als imageschädigend.

Falkenstein.

Eine menschenleere Fußgängerzone, geschlossene Läden mit verrammelten Schaufenstern, unbewohnte Häuser mit bröckelnden Fassaden - es waren nicht gerade Werbebilder für Falkenstein, die das ZDF in der Sendung "Frontal 21" am 5. Juni sendete. Thema war das Berufsschulsterben im ländlichen Raum, dazu hatte ein Fernseh-Team sich auch in Falkenstein umgeschaut. Die dortige Berufsausbildung, besonders die der Gastronomen, ist bekanntlich in die Schlagzeilen geraten - mehrere Jahrgänge von Lehrlingen wurden wegen zu geringer Zahlen nach Schneeberg verlegt, der ganze Standort scheint zu wackeln. Im nur wenige Minuten langen Beitrag aus Falkenstein kommen Gastronomin Annett Zoglauer-Schmider und Friseurmeister Michael Lienemann zu Wort, die für die Bürger für Falkenstein (BfF) im Stadtrat sitzen. Beide brechen in ihren Statements eine Lanze für die Berufsausbildung in Falkenstein.

Bei manchem Falkensteiner überwog jedoch der Ärger über die Negativ-Bilder der Stadt, für die die BfF-Vertreter prompt mitverantwortlich gemacht wurden. Apotheker Robert Herold schrieb auf Facebook, der Bericht "spiegele in keiner Weise das Bild unserer Stadt wieder", die gerade ein tolles Straßenfest gefeiert habe. "Und jetzt erzählt bitte keiner, dass er keinen Einfluss auf die Auswahl der Bilder hatte", so Herold. Am Donnerstag wiederholte er die Kritik im Stadtrat. Dort wies Michael Lienemann den Vorwurf in Sachen Bildauswahl scharf zurück: "Diese Unterstellung verbitte ich mir!" Annett Zoglauer-Schmider bekräftigte, es gebe in Falkenstein eben nicht nur ein schönes Straßenfest, sondern auch Probleme.

Auch Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) fand es "als Falkensteiner nicht so schön", dass im Bericht ausgerechnet "die ruinösesten Gebäude der Stadt" zu sehen waren, erläuterte er auf Nachfrage. "Das empfinden andere Falkensteiner vielleicht auch so. Aber wir sind da natürlich bissel subjektiv." Auf jeden Fall sei es gut, dass sich das ZDF mit dem Problem des Ausblutens des ländlichen Raumes befasst habe: "Inzwischen hat die Politik ja angefangen, diesen ländlichen Raum stärker zu unterstützen." Und inzwischen ziehe man mit allen Beteiligten im Vogtland an einem Strang. Deshalb sehe es für die Berufsschule Falkenstein jetzt "sehr gut" aus.

Dies bestätigt der neue Schulleiter Uwe Flader in der Facebook-Diskussion: "Es spricht im Moment im Kultusministerium niemand von einer Schließung des Beruflichen Schulzentrums in Falkenstein", versichert er. "Im Moment haben wir 18 Anmeldungen bei den Restaurant- und Hotelfachleuten im ersten Lehrjahr." Benötigt werden 16. Es wäre eine bemerkenswerte Steigerung: Noch vor zwei Monaten hatte Flader von Anmeldungen "im einstelligen Bereich" berichtet.

Das ZDF hatte im April in Falkenstein gefilmt. Laut Lienemann hatten sich die TV-Leute bei ihm und Annett Zoglauer-Schmider gemeldet, weil sie von der Demo für die Berufsschule im Herbst 2017 erfuhren. "Wir haben sie in Falkenstein extra zu den schönen Plätzen geführt - es hat nichts genützt", so Lienemann, der die Aufnahmen aus seiner Heimatstadt selbst "gräßlich" fand.

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2Kommentare
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  • 2
    2
    aussaugerges
    10.06.2018

    Es ist eigentlich sinnlos darüber was zuschreiben.
    Was für ein Leben war das vor der Wende.
    Überall hat es gewuselt,in den Geschäften.
    Auch die Grünanlagen waren schön in Ordnung.

    Was nützen die die schönsten Fassaden wenn keine Arbeit da ist.

  • 10
    0
    DerKuckuck
    09.06.2018

    Ja aber nur die 2-3 schönsten Plätze zeigen spiegelt genauso wenig wieder. Und wenn man sich aufregt, dass ein Bild der Innenstadt, die Stadt schlecht aussehen lässt, dann sollte man mal im Rathaus ins Nachdenken kommen. Die Innenstadt sollte der schönste Ort sein nicht 2-3 Sehenswürdigkeiten die man vielleicht hat. Der Beitrag soll eine Region zeigen, die Hilfe braucht, keine die sich künstlich aufregt. Denkt mal da drüber nach.



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