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Gar nicht so einfach: Lauren Fischer (im Rollstuhl) und Lukas Möckel absolvieren den Parcours in der Tiefgarage der Lebenshilfe-Begegnungsstätte "Zebra". Im Rahmen des Religionsunterrichts ging es darum, Verständnis für die Situation von Behinderten zu entwickeln. Für das Gymnasium war das Ganze eine Premiere. Foto: David Rötzschke

Foto: David RötzschkeBild 1 / 2

Für ein paar Minuten behindert

Wie fühlt es sich an, wenn man im Rollstuhl sitzt, kaum sieht oder schlecht hört? Dies haben Auerbacher Gymnasiasten gestern bei der Lebenshilfe getestet. Die Lehrer hoffen auf bleibende Erkenntnis.

Von Bernd Appel
erschienen am 14.06.2018

Auerbach. Der Rollstuhl-Parcours durch die Lebenshilfe-Tiefgarage ist in ein paar Minuten bewältigt - und natürlich wird dabei viel gelacht, schließlich sind hier Teenager unterwegs. Doch hinterher ist Gymnasiastin Alida Menda (13) ganz schön nachdenklich: "Es ist bestimmt anstrengend, wenn man ständig nur sitzen muss - und wenn man vor Hindernissen steht und sich allein nicht helfen kann." Und ihre Freundin Luisa Becker (12) findet: "Manchmal ist es für den, der schiebt, sogar schwerer als für den im Rollstuhl." Paarweise hatten die Siebtklässler aus dem Auerbacher Goethe-Gymnasium die Strecke absolviert, immer einer im Rollstuhl, einer dahinter. Denn an manchen Stellen drohte die Kippgefahr - ohne Helfer ging es da gar nicht. Ben Schmiedel (13) fand das Fahren am Ende gar nicht so schwer: "Aber dann musste ich dran denken, wie das wohl ist, wenn man den Bordstein doch nicht schafft, und es kommt gerade ein Auto ..."

Dieses Einfühlen in die Lage von behinderten Menschen war natürlich das große Ziel von Religionslehrerin Susan Polster, die gemeinsam mit Referendarin Elena Quehl die ausgesprochen disziplinierte Klasse in die Lebenshilfe-Begegnungsstätte "Zebra" begleitet hatte. "Vielleicht helfen die Jugendlichen dann doch mal einer blinden Oma über die Straße", hofft die Lehrerin. Mit entsprechenden Brillen und Kopfhörern konnten die Schüler auch simulieren, wie es ist, wenn man nur noch verschwommen sieht und nur gewisse Töne hört. "Nicht gut", so das einhellige Urteil.

Lebenshilfe-Sprecher Bernd Schädlich hielt einen kurzen Vortrag über die historische Entwicklung des Umgangs mit Behinderten. Sein Fazit: Die UN-Behinderten-Konvention sei zwar ratifiziert, aber in Deutschland längst nicht umgesetzt. Hierzulande würden beispielsweise nur 30 Prozent der behinderten Kinder in Regelschulen unterrichtet, in Skandinavien 90 Prozent. "Und wer als Rollstuhlfahrer Bus fahren will, der muss sich im Göltzschtal 24 Stunden vorher anmelden." Behinderte brauchten kein Mitleid, sondern Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: "Es ist normal, verschieden oder anders zu sein."

 
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