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Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund (45) auf dem Schlossfelsen in seiner Stadt. Im Hintergrund der eingerüstete Turm des Rathauses.

Foto: David Rötzschke

"Ich sehe Schettler heute anders"

Kommunen im Fokus: Falkensteins Bürgermeister räumt Fehler in der Debatte um den Mediziner ein

erschienen am 07.02.2018

Falkenstein. Was steht 2018 an? "Freie Presse" hat zum Jahresbeginn in den Rathäusern nachgehakt. Heute: Susanne Kiwitter im Gespräch mit Marco Siegemund (CDU), Ortschef von Falkenstein.

Freie Presse: Die umstrittene öffentliche Würdigung Gotthard Schettlers (1917-1996) hat Sie die letzten zwei Monate von 2017 stark beschäftigt. Zum Schluss ließen Sie den Namenszug an der Turnhalle wieder entfernen. Im Gegenzug wollten Sie eigene Recherchen zur Nazivergangenheit des Mediziners anstellen - waren Sie wie angekündigt schon in Berlin und haben sich Schettlers NSDAP-Akte angeschaut?

Marco Siegemund: Wir haben die Unterlagen schriftlich beantragt und warten auf Zusendung.

Und darüber hinaus?

Es ist schwierig, jemand Neues zu finden, der Schettler kannte und objektiv Auskunft geben kann. Ich habe mich bei Christian Pross belesen und über den Holocaust-Überlebenden Horst Selbiger informiert. Meine Recherchen haben nichts anderes ergeben als die der "Freien Presse".

Das heißt, Sie sagen heute nicht mehr, dass es sich bei den Forschungen von Pross zu Schettler und dem durch die antisemitische Haltung des Internisten beeinflussten Schicksal Selbigers um subjektive Meinungsäußerungen handelt? Immerhin hatten Sie das gemeinsam mit dem Stadtrat in einem offiziellen Papier festgehalten ...

Heute sehe ich das anders. Am Anfang stand der Wille, Schettlers 100. mit etwas Positivem für die Stadt zu verbinden. Es war eine schwierige, aber auch lehrreiche Debatte.

... eine, bei der die Schettler-Kritiker beschimpft und bedroht wurden.

Das ist schade und offensichtlich ein Merkmal unserer Zeit. Es gehört zur Demokratie, dass man sich mit solchen Themen im offenen Diskurs und sachlich auseinandersetzt.

Welche Rolle spielte der Verein Falkart? Der Hauptinitiator der Ehrung, ein Verwandter Schettlers, darf als befangen gelten ...

Auch Falkart wollte etwas Positives für die Region schaffen.

Aber die Entscheidungsträger hätten prüfen müssen ...

Das ist richtig.

Den Blick wieder nach vorn: Falkenstein steht vor einer Rieseninvestition: Für rund sechs Millionen Euro soll Ihr historischer Amtssitz bis Ende 2020 rundum wieder schick gemacht werden. Dafür muss die Verwaltung vorübergehend ins Haus der Lehrer umziehen. Wird das dieses Jahr noch passieren?

Voraussichtlich nicht. Bis Ende März läuft die Kostenerstellung, danach prüft das Sächsische Immobilien und Baumanagement etwa vier Monate, bevor der Bauantrag gestellt werden kann. Unabhängig von der vorgezogenen Turmsanierung werden wir vor Herbst nicht zu den ersten Vergaben kommen. Vielleicht lassen sich 2018 noch Arbeiten an der Fassade realisieren. Was den Umzug betrifft: So wollen wir die Kosten niedrig halten, momentan beschäftigen uns in dem ehemaligen Bankhaus am Rudertplatz/ Ecke Hauptstraße die Brandschutzbestimmungen.

Was steht noch an?

Straßenbau zum Beispiel, aktuell wegen der Baumfällungen Thema gewesen: die Sanierung der Heine-Straße. Die Kosten sind noch offen.

Thema Innenstadtentwicklung: Wie hoch ist der Ladenleerstand in Falkenstein?

Er liegt bei 35 Prozent. Konkret heißt das, wir haben 95 Geschäfte, die belegt sind, und 52, die leer sind.

Das sind empfindliche Lücken im Stadtbild. Die Läden lassen sich ja nicht einfach zusammenziehen - was wollen Sie dagegen tun?

Viele Städte haben die gleiche Struktur wie wir, es ist schwierig, dagegen anzukämpfen. Wir brauchen ein Leerstandsmanagement.

In Auerbach übernimmt der Citymanager diese Aufgabe. Und nachdem es nun im Städteverbund ein gemeinsames Einzelhandelskonzept gibt - wäre da ein nächster Schritt ein gemeinsamer Citymanager?

Das ist ein Gedanke und das Thema Synergieeffekte ist groß.

Wie progressiv denken Sie diesbezüglich?

Als Bürgermeister ist man dazu da, das Beste für seine Stadt zu wählen. Eine Göltzschtalstadt lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Das größte Problem dabei ist die Wahrnehmung in der Bevölkerung.

Dieses Jahr soll im Berufungsverfahren die Entscheidung fallen, ob Bergen mit Falkenstein fusionieren darf - welche Vorteile hätte Falkenstein davon?

Es ist alles offen. Aber vielleicht bringt uns das wieder Schlüsselzuweisungen ein, die wir seit zwei Jahren nicht mehr haben.

Szenenwechsel: Wie geht es mit dem Bahnhofsgebäude weiter?

Es ist so gut wie in kommunalem Besitz. Das heißt aber nicht, dass wir morgen schon investieren können. Ziel ist, die Immobilie mit einem privaten Investor zu entwickeln. Das Gebäude gilt als Eingangstor zur Stadt und macht als solches momentan einen schlechten Eindruck. Zuerst müssen wir es sichern und die Sauberkeit wieder herzustellen.

Weiteres Thema: Binnen kurzer Zeit steht die zweite Kitaerweiterung an. So viel Nachwuchs?

Ja, wir haben eine hohe Geburtenrate. Nach der Erweiterung des Knirp- senlandes um zehn Krippenplätze kommen nun 20 weitere an der Albert-Schweitzer-Kita hinzu. Was wir zurzeit registrieren: Eine Tendenz, dass einige, die vor zehn, 15 Jahren weggegangen sind, jetzt mit Familie wieder kommen.

Und gibt es etwas Neues zum Thema Berufsschulstandort?

Bis jetzt nicht, außer der Aussage der neuen Landesregierung, dass es keine Schließungen mehr geben soll. Vorausgesetzt, dass die Zahl der Auszubildenden stimmt.

 
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"Ich sehe Schettler heute anders"
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