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Max Hoelz' (hinten, Mitte, mit Schirmmütze) politischer Kampf in Öl auf Hartfaserplatte gebannt: Ohne Gram, aber kritisch blickt Textildesigner und Künstler Siegfried Henze auf die Zensur, der sein von der SED in Auftrag gegebenes Gemälde zum Opfer gefallen ist.

Foto: David Rötzschke

Museum Falkenstein zeigt verfemtes Kunstwerk

Eine Max-Hoelz-Szenerie in Öl auf Hartfaser: Siegfried Henze hatte das Gemälde kurz vor der Wende im Auftrag der SED gefertigt. Wenige Monate später war es von der Bildfläche verschwunden - bis jetzt.

Von Susanne Kiwitter
erschienen am 11.04.2018

Falkenstein. Ein Kunstwerk im Strudel politischer Umwälzungen: Siegfried Henze beteuert, dass ihm der Umgang mit seinem Hoelz-Gemälde nicht nahe geht. Nachdem das zwei mal anderthalb Meter große Werk Jahrzehnte auf dem Dachboden des Falkensteiner Rathauses verstaubte, hat es der lokale Museumsverein nun wieder zugänglich gemacht. Seit Ende März ist es im Rahmen der Ausstellung "Boden-Schätze" im Falkensteiner Heimatmuseum zu sehen. Die Schau präsentiert bis Ende April Exponate, die sonst ihr Dasein im Depot fristen.

Für Museumsleiter Andreas Rößler "die Gelegenheit, das Hoelz-Bild wieder einmal zu zeigen". Siegfried Henze ist dankbar, denn bisher habe sich dafür niemand interessiert. Der Grund: Das Bild gilt als politisches Propaganda-Relikt aus DDR-Zeiten und Max Hoelz in Falkenstein noch heute als derjenige, der einst das angesehene Bürgertum terrorisierte.

Der ultralinke Revolutionär (1889-1933) hatte unter anderem 1919/20 im Zuge der Arbeitslosenunruhen und als Reaktion auf den Kapp-Putsch in der Region hohe Summen erpresst, um sie an Arme zu verteilen. Dabei ließ er in Falkenstein fünf Villen niederbrennen. Hoelz war Anarchist und legte sich immer wieder auch mit Parteifunktionären in seinen Kreisen an - sein Tod geht höchstwahrscheinlich auf das Konto des sowjetischen Geheimdienstes.

Eine geglättete Biografie machte ihn in späten DDR-Zeiten offiziell wieder salonfähig, was in Falkenstein unter anderem in den Auftrag an Siegfried Henze mündete. Dabei sei das angesichts des gespaltenen Verhältnisses der Falkensteiner zum "Zündelmax" auch damals heikel gewesen. So richtig habe den Auftrag niemand übernehmen wollen. Auch er, 1933 geboren, später Designer bei der Falgard, habe zuerst überlegt, es sich dann aber doch zugetraut. 1988 sei das gewesen, erinnert sich Henze. Die damalige SED-Partei-Kreisleitung in Auerbach war der Auftraggeber, der bevorstehende 100. Geburtstag von Max Hoelz am 14. Oktober 1989 der Anlass.

Feierlich wurde damals auch eine Max-Hoelz-Büste vor dem Schloss beziehungsweise Museum eingeweiht. Einen knappen Monat später fiel die Mauer. Im Frühjahr 1990 seien daraufhin das Denkmal entfernt und das Bild im Foyer mit einem Schrank zugestellt worden, erinnern sich Rößler und Henze.

Unabhängig davon, dass ihn diese Geschehnisse an andere Bilderstürmereien in der Geschichte und an das Kriegsende 1945 erinnerten, als die Hakenkreuzfahnen in Falkenstein gegen weiße ausgetauscht wurden, plädiert Siegfried Henze für eine differenziertere Betrachtung der historischen Figur Max Hoelz. Hoelz sei aus ärmlichsten Verhältnissen gekommen und habe angesichts der Schrecken des Ersten Weltkrieges seinen Glauben verloren. Dass er zum Rebell wurde, sei den damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen und der großen Not geschuldet, erklärt der 84-Jährige. Das habe er in seiner Bildkomposition auch dargestellt.

Seiner Heimatstadt rät er: Statt an der einseitigen Betrachtung Hoelz' festzuhalten, solle man ihn besser vermarkten.

 
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