Rentnerin sauer: Gebühr frisst Guthaben auf

149 Euro Gebühr verlangte eine Bank von einer Rützengrünerin, die ein Konto mit knapp 700 Euro aufgelöst hat. Inzwischen lenkt das Geldinstitut ein und spricht von einem Fehler. Unklar ist, ob es weitere Betroffene gibt.

Auerbach/Rodewisch.

17 Jahre lang war Edda Obst (78) treue Kundin der Merkur Bank in Auerbach: "Ich war immer willkommen, wenn ich dort Geld angelegt habe", sagt die Rützengrünerin. 2017 begann ihr Vertrauensverhältnis zum Institut zu bröckeln - sie war mit dem Service nicht mehr zufrieden, entschloss sich zum Wechsel.

Doch dann kam der große Schreck: Nach Auflösung ihres Tagesgeld-Kontos mit einem Guthaben von 695 Euro und 7 Cent berechnete ihr die Bank ein "Kontoführungs-Entgelt" von 149 Euro. Das empfand die Rentnerin als Schlag ins Gesicht. Und als nicht nachvollziehbar: "Die hatten mit dem Konto doch gar keine Arbeit, da gab es das ganze Jahr über keine Bewegung!" Sie beschwerte sich umgehend, doch ohne Erfolg.

Im Antwortschreiben verwies ein Berater auf "faire und mehrfach ausgezeichnete Konditionen" der Merkur Bank. Und darauf, dass man in einem Schreiben vom Oktober 2016 doch auf die Änderung beim Angebot "Tagesgeld Plus" hingewiesen habe: Schon vom ersten Cent an werde das Geld dort mit 0,65 Prozent verzinst, dafür berechne man ab 1. Januar 2017 einen Kontoführungspreis von 149 Euro. Edda Obst hatte für ihr Konto 2,47 Euro Zinsen erhalten, was die ehemalige Lehrerin aber nicht wirklich trösten konnte - sie fühlte sich einfach geprellt von der einstigen Bank ihres Vertrauens.

Tatsächlich hatte sie früher eine wesentlich höhere Summe auf dem Tagesgeld-Konto geparkt, doch das Geld war längst in ihr Haus investiert worden. Als besonders frech empfand die Rützengrünerin die Tatsache, dass die Gebühr nicht einmal anteilig berechnet wurde - immerhin hatte sie im August gekündigt. "Selbst wenn ich das Konto am 2. Januar aufgelöst hätte, müsste ich 149 Euro Jahresgebühr zahlen", sagt sie kopfschüttelnd.

Trotz allen Grolls: Um ein Haar hätte sich Edda Obst mit dem Ganzen abgefunden - doch dann las sie in der "Freien Presse" von einem "Etappensieg gegen Strafzins" und machte ihr Problem daraufhin öffentlich. Auf Anfrage der "Freien Presse" versprach Regionaldirektor Wolfgang Genczler umgehend: "Die Kundin bekommt ihr Geld zurück." Man habe einen Fehler gemacht, für den er sich auch noch persönlich entschuldigen werde: "Die Dame hatte nicht das Produkt, das für sie richtig war. Wir haben es versäumt, mit der Kundin darüber zu sprechen." Denn es gebe bei seinem Institut auch einen Typ von Tagesgeld-Konto, der komplett ohne Gebühren laufe, dafür aber auch nicht verzinst werde.

Das Tagesgeld Plus sei ein "Premium-Produkt" der Merkur Bank mit Zinsen, die ihresgleichen suchten - es rechne sich jedoch erst ab einem Guthaben von 25.000 Euro. Allerdings müssten sich durchaus auch die Kunden die Zeit nehmen, sich mit den verschiedenen Produkten zu befassen, meint Genczler.

Nach seinen Worten will er nun mit seinen Beratern "in medias res gehen" und überprüfen, ob es weitere Kunden gibt, die ein Tagesgeld-Plus-Konto haben, obwohl es für sie nicht das richtige ist. Die neue Jahresgebühr ist erstmals im Januar 2018 abgebucht worden.

Edda Obst freut sich natürlich über die angekündigte Rückzahlung des Geldes. Ihr Ärger ist aber nicht verraucht: "Bei meiner Beschwerde ging kein Weg rein, man hat mich herablassend behandelt. Wäre ich nicht zur Zeitung gegangen, hätte man mich eiskalt abgezockt."

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