Retter üben am Simulator den Ernstfall

Sie simulieren Herz-Kreislauf-Zusammenbrüche und schwere allergische Schocks. Etwa 500 Lebensretter aus der Region trainieren den Ernstfall. Mal ein Anfang, sagt der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes.

Plauen/Zwickau.

Ein Triebwerk, das ausfällt. Piloten müssen in den Flugsimulator, um seltene Ereignisse zu trainieren. Feuerwehrleute gehen mit Atemschutzmasken in den Rauchcontainer. Ebenfalls Vorschrift. "Ich vermisse solche Vorschriften für den Rettungsdienst", sagt Dr. Bernd Krämer, Chef-Notarzt der Region. Im Alltag würden die Retter selten mit Schwerstverletzten und schweren Allergie-Schocks konfrontiert.

Krämer ist Ärztlicher Leiter des Rettungszweckverbandes. Zum ersten Mal schickt der Verband dieses Jahr die Rettungsassistenten und Notfallsanitäter der Region zum Training. Fast 500 Frauen und Männer aus dem Vogtland und Zwickau fahren dazu grüppchenweise in die Rettungsdienstschule nach Werdau. An einer Puppe, die reagiert wie ein Mensch, üben sie lebensbedrohliche Situationen. Angestellt sind sie nicht beim Rettungszweckverband, sondern bei sogenannten Leistungserbringern wie dem Deutschen Roten Kreuz, den Johannitern und der Falck-Gruppe. Doch für diese gibt es eben keine Vorschriften, dass sie ihre Leute zum Simulator schicken müssen. Manche tun es, manche nicht, sagt Krämer: "Fatal."

Die Schulung kostet rund 60.000 Euro und wird von den Krankenkassen bezahlt. Der Rettungszweckverband hatte ein entsprechendes Pilotprojekt beantragt. Krämer schildert ein Problem, was den privaten Rettungsdienst-Firmen solche Weiterbildungen erschwere: Wer die Rettungswachen in einer Region besetzt, wird europaweit ausgeschrieben. "Die Firmen kalkulieren ihre Preise so, dass sie den Auftrag bekommen. Da bleibt nicht viel Spielraum für Extras", sagt Krämer.

Seit wenigen Jahren sitzen in den Rettungswagen zunehmend Notfallsanitäter. Ein neues Berufsbild. Auch die Rettungsassistenten, die bislang Chef im Wagen waren, bilden sich zu Notfallsanitätern weiter. Die Notfallsanitäter sollen die Patienten intensiver behandeln und damit den Notarzt entlasten. "Was sie in der Ausbildung lernen, müssen sie regelmäßig trainieren. Nur so macht das Sinn", sagt Krämer und fordert gesetzlich verankerte Weiterbildungen. Zudem kritisiert er die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Demnach lernen die Notfallsanitäter zum Beispiel, wie man stark wirksame Schmerzmittel wie Morphine verabreicht. "Aber nach dem Betäubungsmittelgesetz dürfen sie keine Morphine spritzen", so Krämer und nennt als Beispiel den Herzinfarkt.

Den Infarkt dürften sie behandeln, aber nicht die Schmerzen, die er verursache.

Für die Notfallsanitäter plant der Rettungszweckverband Südwestsachsen ein eigenes Simulationszentrum. Das Konzept sei bereits dem Landrat vorgestellt worden. Nächste Instanz sei der Verband der gesetzlichen Krankenkassen, so Krämer. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts ist der Verband an die Landkreisverwaltung angebunden. Er hofft auf eine Umsetzung in zwei bis drei Jahren.

Immer häufiger müssen Rettungswagen in der Region ausrücken. 2014 registrierte des Rettungszweckverband in den Landkreisen Zwickau und Vogtland 47.756 Einsätze. Drei Jahre später waren es 54.377 Einsätze - 14 Prozent mehr. Fast 150 Blaulicht-Fahrten pro Tag. Etwa jeder dritte davon sei kein echter Notfall.

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