Schüler lernen per Live-Schaltung nach Texas

Bei einem zweitägigen Lerncamp der Gymnasien Auerbach und Markneukirchen haben sich besonders Begabte Projekten jenseits des alltäglichen Unterrichtsstoffes gewidmet.

Grünheide.

Eine halbe Stunde müssen sich Schüler und Lehrer gedulden. Dann kann die Videokonferenz per Computer im Waldpark Grünheide beginnen. Zwischen den Teilnehmern des 7. Lerncamps für besonders leistungsstarke Schüler des Auerbacher Goethe- und des Markneukirchner Gymnasiums auf der einen Seite und Tobias Höfig auf der anderen liegen etwa 7000 Kilometer. Der promovierte Geologe ist an einem Ozean-Forschungsprogramm der Texas A&M University beteiligt und schildert den Lerncamp-Teilnehmern, wie seine Arbeit aussieht.

Eine Liveübertragung zu Forschenden in anderen Teilen der Welt gab es bei den Lerncamps noch nie. Entsprechend still ist es im Raum, als Tobias Höfig von Forschungsreisen berichtet. Im Frühjahr machte "sein" Bohrschiff im Südchinesischen Meer halt. Das Forschungsteam untersuchte den Meeresboden, um Aufschlüsse über Klimaentwicklungen, Erdboden- und Vulkanaktivitäten zu gewinnen.

Seit November 2016 arbeitet Tobias Höfig an der texanischen Universität in College Station. Das liegt etwa anderthalb Autostunden von Houston entfernt. Die Auswirkungen von Hurrikan Harvey bekam auch er zu spüren. Das neue Semester habe zwei Tage später begonnen, erklärt Höfig.

Für die vogtländischen Schüler ist er kein Unbekannter. Als Wissenschaftler am Institut für Mineralogie der Technischen Universität Bergakademie Freiberg war er bereits bei fünf Lerncamps in Grünheide zu Gast. Mitte nächsten Jahres wird Höfig wieder zu einer Forschungsreise aufbrechen und Live-Schaltungen zum Unterricht der Gymnasiasten herstellen.

In 18 Lernangeboten erkundeten 45 besonders leistungsstarke Sechst- bis Zwölftklässler gestern und vorgestern Neuland. Denn das Gelehrte geht über den regulären Schulstoff hinaus. Obendrein werden jedes Jahr Referenten und Workshop-Leiter von Universitäten, Fachhochschulen, Firmen, Kunst- und Kultureinrichtungen verpflichtet. Diesmal drehten die Schüler einen Lerncamp-Dokufilm, bauten unter anderem einen funktionstüchtigen Feinstaubsensor und beschäftigten sich mit Gedächtnisschulung und Roboter-Programmierung.

Cedric Groß vom Auerbacher Gymnasium war zum siebten Mal dabei. "Es gibt immer etwas Neues, an dem man sich mit Freude beteiligen kann", erzählt der Zwölftklässler. "Und die Informationen sind hier aktueller als im Unterricht." Was er außerdem schätzt, sind Dozenten-Kontakte. "Man bekommt zum Beispiel Einladungen zu Hochschultagen und Informationen", sagt er. "Uns werden hier viele Möglichkeiten eröffnet."

Für das Lerncamp können sich die Schüler bewerben. Manche werden auch von Mitschülern oder Lehrern vorgeschlagen. "Dritte Säule sind die Leistungsdurchschnitte", erklärte Dietmar Schneider vom Kompetenzteam zur Begabtenförderung am Goethe-Gymnasium. 28 Plätze waren an seiner Schule zu haben. Ihnen standen 72 Bewerbungen gegenüber. Wer nicht dabei sein konnte, hat möglicherweise nächstes Jahr eine Chance. "Es werden immer wieder Plätze frei, wenn die zwölften Klassen rausgehen."

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