Schulname ist Verpflichtung

Heute jährt sich die Ermordung der Geschwister Scholl zum 75. Mal. An der gleichnamigen Auerbacher Oberschule bleibt das Gedenken ganzjährig präsent.

Auerbach.

Am Erinnern kommt in der Auerbacher Geschwister-Scholl-Schule niemand vorbei. Porträts ihrer Namensgeber finden sich hinter der Eingangstür und im Schulleiter-Zimmer: Tafeln, Bilder, einprägsame Fotos und Sätze. Auch 75 Jahre nach Auslöschung der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" mit den Geschwistern Hans und Sophie Scholl als Hauptakteuren bleibt Gewesenes im Bewusstsein. Der Name verpflichtet.

380 Mädchen und Jungen lernen an der Schule. Keiner geht nach seinem Abschluss ohne tieferes Wissen über die Namensgeber aus dem Haus. In Klasse 8 ist der Nationalsozialismus Thema. "Da stellen wir die einzelnen Widerstandsgruppen vor", sagt Klaus Batsch, Schulleiter und Geschichtslehrer. Im Unterricht erzählt er von den Scholl-Geschwistern und der "Weißen Rose", bringt eine Kopie jener Flugblätter mit, die ihnen letztendlich zum Verhängnis wurden. Sequenzen aus Filmen helfen beim Einprägen. "So haben es die Schüler ein bisschen fassbarer vor Augen", sagt Batsch. Und trotzdem macht Klaus Batsch immer wieder die Erfahrung, dass der Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg bei seinen Schülern mehr Interesse hervorruft als die Weiße Rose. 1944 entkam Hitler einem Attentat durch Stauffenberg nur knapp. Das Identifizieren mit den Studenten und ihren Handlungen fällt den Schülern schwer. Weil es schwierig sei, so Batsch. "Das Umfeld ist heute ein anderes. Man kann sich schlecht hineinversetzen", sagt er. "Die Schüler sind schon betroffen. Aber wenn ich in der Stunde, nachdem ich die Weiße Rose thematisiert habe, Stauffenberg beleuchte, merke ich: Er ist mehr verankert."

Schon vor der Wende trug die Schule den Namen "Geschwister Scholl". Zum 100-jährigen Bestehen der Schule vor acht Jahren gab es eine Projektwoche. Damals reiste eine Schülergruppe nach München und begab sich an Orten, wo die Geschwister wirkten, auf Spurensuche.

Klaus Batsch will bei jedem Schülerjahrgang erreichen, dass "der Knoten gelöst wird". Dass die Jugendlichen erkennen, welche Gefahr mit dem Flugblätter-Verteilen verbunden war. Jener Schriften, die sich gegen das NS-Regime richteten. Darauf stand die Todesstrafe. Mit Achtklässlern fahren Klaus Bartsch und seine Lehrerkollegen jedes Jahr nach Buchenwald. "Man muss das als Gesamtpaket sehen", sagt er. "Die Erziehung, dass so etwas nicht wieder passiert."


Hinrichtung am 22. Februar

Nach dem Verteilen von Flugblättern in einem Gebäude der Münchner Universität am 18. Februar 1943 waren Hans und Sophie Scholl denunziert und verhaftet worden. Vier Tage später wurden die Widerständler zusammen mit ihrem engsten Vertrauten Christoph Probst hingerichtet. In den folgenden Monaten fielen weitere Mitglieder der Weißen Rose dem Schafott zum Opfer. (dien)

www.weisse-rose-stiftung.de

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