Selbstgebaute Winde bringt Segler in die Luft

Zum Saisonende steht beim Fliegerklub Auerbach ein umfangreiches Bau- projekt vor dem Abschluss. Nächstes Jahr soll die neue Schleppwinde zwei alte ersetzen.

Auerbach.

Aufatmen beim Fliegerklub Auerbach: Es ist fast vollbracht. Nach elf Jahren Teilebeschaffung, Tüfteln und Bauen hat die neue Segelflug-Schleppwinde Gestalt angenommen. Ein erster erfolgreicher Test liegt hinter ihr. Jetzt wird zu letzten Handgriffen und Detailarbeiten übergegangen. "Es sind auch noch ein paar Modifikationen notwendig, damit sich die Winde besser bedienen lässt", erklärt Ausbildungsleiter und Windenprüfer Kai Müller. Daran schließt sich das Zulassungsprozedere an. "Es gibt relativ umfangreiche Bauvorschriften", sagt er. "Schließlich hängen da Flugzeuge mit Menschen dran."

Bis es so weit ist und die Seilwinde auf dem "Rücken" eines alten, aber fitten Robur-Lkw ihren Dienst verrichten kann, vergeht noch über ein halbes Jahr. Dann ist die nächste Segelflug-Saison in vollem Gange. Zeigt sich das Wetter von seiner kooperativen Seite, wird die fünf Tonnen schwere Konstruktion jedes Wochenende im Einsatz sein. Vor allem für den Fliegernachwuchs hat sich das Bauteam ins Zeug gelegt und etwa 3500 Stunden seiner Freizeit von der Berechnung bis zur Konstruktion investiert. Wer den Spezial-Robur bedienen will, braucht zudem eine Extra-Qualifikation. "Die Windenfahrerberechtigung erwerben die meisten Leute, wenn sie den Segelflugschein machen", sagt Kai Müller.

Seilwinden ermöglichen nichtmotorisierten Seglern das Abheben. Ist eine Höhe erreicht, in der sich das Flugzeug gefahrlos selbständig am Himmel bewegen kann, wird es ausgeklinkt. Bisher dienten auf dem Flugplatz Auerbach zwei Winden aus den 1960er- und 70er-Jahren als Starthilfe. Ihre Benzinmotoren sind veraltet. "Der Spritverbrauch ist ziemlich hoch, und sie eignen sich von der Kraft her auch nicht mehr für heutige Segelflugzeuge", erklärt Kai Müller. Die wiegen mittlerweile bis zu 750 Kilogramm.

Eine neue Winde zu kaufen, hätte das Vereinsbudget überstiegen. Die Kosten beginnen bei 80.000 Euro. Weil ein Bauplan fehlte, orientierte sich das Team am Aufbau der Vorgänger. Dabei leisteten Kenntnisse aus technischen Berufen gute Dienste. Bauteile wurden entweder zusammengesucht oder gespendet. Dazu gehören der Robur und ein Dieselmotor als Winden-Herzstück. Tief in die Tasche greifen musste der Verein trotzdem: Das Getriebe schlägt mit 3500 Euro zu Buche.

Beim Achsen-Umbau wurden die Freizeit-Piloten besonders gefordert. "Die Seiltrommeln sitzen an den Lkw-Achsen und sind so angeschlossen, dass sich beide drehen", erzählt Projektleiter Andreas Hoppe. "Wir wollen aber, dass sie sich einzeln drehen, weil wir nur einen Segler dranhängen."


Lehrgangsstart im Winter

Der Fliegerklub Auerbach hat 130 Mitglieder. Im Winter beginnen die Segelflug-Lehrgänge mit einem theoretischen Teil, gefolgt von der praktischen Ausbildung ab dem Frühjahr. Lizenz-Interessenten müssen mindestens 13 Jahre alt sein. Zu den jährlichen Vereinshöhepunkten zählen neben öffentlichen Veranstaltungen zwei Fliegerlager. Eines davon findet jeweils in Auerbach statt.(dien)

www.fliegerklub-auerbach.de

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