Spezialkleidung simuliert schnelles Altern

Um junge Leute für Pflegeberufe warb am Mittwoch die Diakonie Auerbach. Dabei ging sie ungewöhnliche Wege.

Auerbach.

"Langsamer bewegen, sonst schwitze ich noch mehr." Das denke ich, als ich im Pflegezentrum der Diakonie Auerbach an der Lindenallee durch einen Gang gehe. Außerdem schränkt eine Spezialbrille meine Sicht stark ein. Es sieht so aus, als würde dichter Dunst über den Flur wabern. Die Treppe, die ich für das Foto hochsteigen soll, ist kaum zu erkennen. Ich ertaste das Geländer mehr, als dass ich es sehe. Die Stufen erkenne ich nur als eine graue Masse. Kein Wunder, denn die Brille soll das Gefühl vermitteln, das man an Grünem Star, einer Augenkrankheit, erkrankt ist. Beim Treppensteigen merke ich, wie mich die Gewichte am Bein behindern.

Nach einem kurzen Testlauf bin ich froh, dass ich Spezialbrille, Weste, Manschette und Schuhe wieder abnehmen kann. So soll es sich anfühlen, wenn man 70, 80 Jahre alt ist. Den Eindruck vermittelt eine insgesamt etwa 20 Kilogramm schwere Spezialkleidung, die Anka Ficker vom Gemeinnützigen Schulungszentrum Auerbach an einem Stand im Pflegezentrum bereithielt. Sie gehörte zu mehreren Angeboten, die die Diakonie anlässlich des "Aktionstages Pflege" am Mittwoch in dem Seniorenheim unterbreitet hat. "Unsere Umschüler sollen wissen, auf was sie sich bei der Ausbildung zum Aktenpfleger einlassen", so Anka Ficker. Und genau darauf kommt es der Diakonie an: Jugendliche für Pflegeberufe zu interessieren. "Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass sich immer weniger junge Leute für eine Ausbildung im Pflegebereich bewerben", sagt Franziska Pietschmann. Sie ist Fachbereichsleiterin Pflege bei der Diakonie und hatte den Aktionstag vorbereitet. Hatte der Wohlfahrtsverband vor zehn Jahren noch 20, 30 Bewerber pro Lehrstelle, sind es jetzt noch vier, fünf. In den drei Heimen der Diakonie Auerbach werden insgesamt neun Jugendliche in der Altenpflege ausgebildet. Für das im Spätsommer beginnende Ausbildungsjahr gebe es noch freie Lehrstellen, so Franziska Pietschmann. Jugendliche und Schüler, die sich für eine Arbeit bei der Diakonie interessieren, können sich in den Sommerferien eine Woche in einer deren sozialen Einrichtung informieren. Bisher sei es der Diakonie gelungen, frei werdende Stellen zu besetzen. Damit das auch in Zukunft so bleibt, hatte der Wohlfahrtsverband für gestern Auerbacher Schulen eingeladen. Außerdem präsentiert sich die Diakonie bei Ausbildungsmessen.

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