"Viele kennen das AfD-Frauenbild nicht"

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas warnt vor einer neuen ideologischen Bevormundung der Frauen in Deutschland

Von zwei Seiten sieht die 38-jährige Auerbacherin das moderne Frauenbild unter Druck gesetzt. Anlässlich des heutigen Frauentages erklärt die Politikerin im Gespräch mit Susanne Kiwitter, was sie muslimischen Männern rät und warum das 50er-Jahre-Familienbild der AfD bisher die ostdeutschen Frauen nicht aufschreien lassen hat. Außerdem will sie mit Kinderbetreuungsangeboten bei Parteitagen die vogtländischen Frauen auf den politischen Geschmack bringen.

Freie Presse: Frau Magwas, der diesjährige Internationale Frauentag ist ein besonderer: Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. In Deutschland steht seit über zwölf Jahren eine Frau an der Spitze der Regierung. Trotzdem warnen Sie aktuell in einer Ihrer Bundestagsreden vor einer drohenden ideologischen Bevormundung der Frauen - warum?

Yvonne Magwas: Unser über Jahre entstandenes modernes Frauenbild gerät gegenwärtig von zwei Seiten unter Druck: durch das patriarchalisch geprägte Familienbild von Teilen unserer muslimischen Mitbürger und neuerdings von Flüchtlingen, andererseits von denjenigen, die diese Problemlage am lautesten beklagen: die vielen Herren und wenigen Damen von der AfD. Sie sind gegen Gleichberechtigung und gegen Wahlfreiheit. Die AfD ist nicht geeignet als Fürsprecher der Frauen und Familien in unserem Land.

Während Frauen hierzulande, salopp gesagt, nur noch um ihre Daseinsberechtigung in Manager- und Führungskreisen kämpfen müssen, erinnert uns die importierte Geringschätzung von Frauen an die Urdebatte um Frauenrechte. Wie groß schätzen Sie das Problem ein? Während man im Westen Deutschlands damit schon länger lebt, ist das im Osten ja neu.

Das ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass diejenigen, die zu uns kommen und in Bezug auf unsere Frauenrechte anderer Meinung sind, unser Grundgesetz akzeptieren müssen. Wenn zu mir Asylbewerber kommen und um Unterstützung bitten, nutze ich das jeweils, darauf aufmerksam zu machen und an die Vorbildwirkung für deren Landsmänner zu appellieren. Es darf nicht zur Debatte stehen, dass eine Ärztin untersucht oder eine Lehrerin unterrichtet.

Es geht also um Integration und die konsequente Durchsetzung von Gesetzen - reicht der bestehende Rahmen dafür aus?

Ja, aus meiner Sicht schon. Gerade die Integrationskurse haben wir um diese Themen, um unsere Grundsätze massiv erweitert. Wichtig ist aber auch, dass wir das im Alltag leben und machen.

Die AfD stellt bisherige Unterstützungen für alleinerziehende und berufstätige Mütter infrage und propagiert stattdessen das Heimchen-am-Herd-Image: Durch deren Wahlerfolge ist ihr politischer Einfluss inzwischen demokratisch legitimiert. Wie konnte es dazu kommen, dass diese Partei ausgerechnet im Osten, wo berufstätige Mütter eine Selbstverständlichkeit waren und sind, auch damit Erfolg hat?

Egal welches Thema - die AfD spannt immer den Bogen zur Flüchtlingspolitik. In der öffentlichen Wahrnehmung kommt das am meisten rüber. Viele wissen nicht, welches Frauenbild diese Partei zeichnet. Deshalb thematisiere ich das auch. Die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst sprach kürzlich im Bundestag von einem Gleichstellungstotalitarismus. Das ist alarmierend und irrsinnig zugleich.

Auch in Ihren eigenen Reihen gibt es Rückschritte: Nur 49 von derzeit 247 CDU- und CSU-Abgeordneten im Bundestag sind Frauen. In der vorangegangenen Legislatur waren es noch 30 mehr ...

Durch die Stimmverluste bei der Wahl sind weniger Kandidaten über die Listen in den Bundestag gewählt worden. Die Direktmandate hatten überproportional viele Männer inne. Als CDU im Vogtland haben wir das anders gemacht. Seit 1990 hatte erstmals eine Frau das Direktmandat inne.

In Ihrer Frauentagsrede zitieren Sie Helene Weber, eine Mitschöpferin des Grundgesetzes: "Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker." Da lohnt ein Blick ins Vogtland, wo es tatsächlich Kommunalparlamente gibt, in denen keine Frau sitzt. Lediglich Adorf bringt es auf einen Anteil von rund 40 Prozent. Der Frauenanteil im Kreistag beträgt nicht mal 20 Prozent. Wo sind die vogtländischen Frauen?

Es geht nicht immer um Diskriminierung durch Männer. Wir müssen die Frauen motivieren, sich mehr zu engagieren. Denn oftmals haben sich einfach keine Frauen für die politische Mitwirkung gefunden.

Was wollen Sie konkret dagegen unternehmen?

Nach der Bundestagswahl haben wir bei der CDU Vogtland acht Neuzugänge registriert - vier Frauen und vier Männer. Zudem veranstalten wir aktuell ein vierwöchiges Nachwuchsprogramm, das verschiedene Module wie Verwaltungswissen oder Rhetorik enthält. Viele junge Frauen sind dabei. Wir zählen 20 Ortsverbände, ein Drittel davon wird von Frauen geführt. Drei Beispiele sind Bad Elster, Oelsnitz und Pausa.

Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Familie und politischem Ehrenamt aus?

Parteiveranstaltungen müssen nicht unbedingt am Sonntag stattfinden und sollten zügig durchgeführt werden. Eine Idee: Kinderbetreuung anbieten oder überhaupt die Möglichkeit einräumen, den Nachwuchs bei solchen Veranstaltungen oder auch Stadtratssitzungen mitzubringen. Beim Bundesparteitag gibt es das - warum nicht auch im Vogtland?


Zur Person

Yvonne Magwas (38) sitzt seit 2013 für die CDU im Bundestag. 2017 kandidierte sie als Nachfolgerin von Robert Hochbaum direkt für den Vogtlandkreis und gewann ihn mit 35 Prozent. Dort arbeitet sie in den Ausschüssen für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie Kultur und Medien. Seit kurzem ist sie Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Als solche setzt sie sich mit 48 Kolleginnen für Probleme von Frauen in allen Politikbereichen ein. Ebenso sitzt sie im Fraktionsvorstand. (suki)

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7Kommentare
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  • 3
    5
    Blackadder
    12.03.2018

    @994374: das stand so im Programmentwurf von 2016, wurde dann aber im Wahlprogramm 2017 wieder rausgenommen. Ersetzt wurde es durch gar nichts. Zu den Sozialversicherungen steht nun gar nichts im Programm, ebenso nicht wirklich etwas Handfestes zur Rente. Zu Krankenkassenbeiträgen steht nur drin: "Aber die Flüchtlinge kosten zu viel".

    Fazit: die ganz schlimmen Grausamkeiten wurden rausgenommen, aber durch nix ersetzt.

  • 4
    0
    994374
    11.03.2018

    @voigtsberger: "dass die AfD für die Privatisierung des Arbeitslosengeldes, der gesetzlichen KV, der gesetzlichen RV und vieler anderen sozialer Grausamkeiten steht "
    Wo steht das bitte? Ich kenne die Programme der AfD zwar nicht auswendig, aber so etwas wäre mir aufgefallen.

  • 1
    4
    Tauchsieder
    09.03.2018

    Was ich für richtig heiße geht sie erst einmal gar nichts an! Kommentieren sie doch einfach einen Artikel und versuchen sie nicht ihre Ideologie im Netz zu verbreiten. Ihre Lesermeinungen sind sehr "ausführlich" jedoch liegt in der Kürze die Würze. Kurz und prägnant und nicht langatmig und langweilig, ein pädagogisches Prinzip!

  • 2
    4
    voigtsberger
    08.03.2018

    Tauchsieder: Hier geht es eigentlich um das was Fr. Magwas in Berlin so alles macht um sich zu profilieren und was da für das Vogtland heraus kommt, denn es nützt den Vogtland nicht, wenn man sich für Kinderbetreuung bei den Parteitagen stark macht, da gibt es doch ganz andere Schwerpunkte!
    Auch werden sie mir schon erlauben, die sozialpolitischen Meinung in der AfD zu kritisieren, denn auch sie werden es doch nicht für richtig heißen, dass die AfD für die Privatisierung des Arbeitslosengeldes, der gesetzlichen KV, der gesetzlichen RV und vieler anderen sozialer Grausamkeiten steht und damit noch über den Forderungen der FDP zur Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme! Und damit kann ich mich als deutscher Bürger nicht anfreunden und auch mit den anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Lesen sie einfach meinen Kommentar noch einmal und ordnen sie dies einfach richtig ein und dann werden sie wissen "wo der Zug hingeht"!

  • 2
    1
    Tauchsieder
    08.03.2018

    Schön das wir jetzt wissen "voigt...." mit wem sie sich anfreunden können und mit wem nicht.

  • 6
    5
    voigtsberger
    08.03.2018

    Ich kann mich außer in der Flüchtlingsfrage, mit der AfD, besonders in den sozialpolitischen Ansichten nicht so richtig anfreunden. Do was da FR. Magwas so von sich gibt ist doch schon Populismus in Reinform und was wollte Fr. Magwas im Bundestag so alles für das Vogtland auf dem Weg bringen. Auf den Weg hat sie nur sich selbst gebracht und das in den CDU Vorstand als Chefin der Frauen in der Bundestagsfraktion der CDU und damit ein Mitglied des Vorstandes ihrer Partei und was hat das Vogtland davon? Auch muss doch selbst der größte Feminist/in erkennen, es können doch nicht überall Frauen den gleichen Anteil haben und da gibt es doch Gewerke, da sind andere Voraussetzungen gefragt und in den Firmen und in der Politik sollten doch Posten und Entscheidungsträger nach Fähigkeit, Ahnung und Sachverstand verteilt werden und nicht nach Geschlecht. Alles andere haben wir doch schon, da fehlt zum Chaos nur noch die erreichte Frauenquote, ein gutes Beispiel ist doch, wenn Wehrdienstverweigerer oder eine Gynäkologin zum Verteidigungsminister gemacht wird. Da sollte man lieber dafür einstehen, das unsere Parlamente das Spektrum unserer Gesellschaft widerspiegeln und nicht nur Beamte, Selbstständige und Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft das Groh der Abgeordneten bilden und natürlich auch bei Entscheidungen, sich nicht nur ihrer Partei, sondern auch ihren Klientel verpflichtet fühlen und die die das system Demokratie erst aufrechterhalten und viele Kosten stemmen, werden immer mehr abgehängt und zur Kasse gebeten mit immer mehr Einschnitte ins tägliche Leben, dafür sollten sich einmal unsere Abgeordneten einsetzen, sonst sehe ich für die Zukunft unseres Landes nichts Gutes zukommen und den Anfang wird da schon die Landtagswahl machen!

  • 12
    5
    Zahlemann
    08.03.2018

    Zahlemann: Sehr geehrte Frau Magwas,
    sie nutzen hier den Frauentag um ein großes Bashing gegen die AFD zu starten. Schauen sie sich doch in den eigenen Reihen einmal um oder nehmen sie ihre bayrische CSU , deren Frauenbild weitaus schlimmer gelebt wird als es eine AFD in irgendeinen Positionspapier stehen hat.

    Ich fühle mich, von ihnen als Frau, für unser Vogtland auch nicht vertreten, denn ich möchte von ihnen als Frau keine Abstimmungen in dem mit ihrem Abstimmverhalten für alle Kriegseinsätze mit JA stimmen aber für die Aufbesserung der ostdeutschen Altrenten für Krankenschwestern und ostdeutschen Bergleute mit NEIN.
    Machen sie eine andere Politik, dann brauchen sie auch keine Angst vor der AFD zu haben!



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