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Karl Heinz Meyer - Ornithologe

Foto: Joachim Thoß

Vogelkundler: Bodenbrütern geht es ganz schlecht

Vogelstimmenwanderung mit Rekordteilnahme - Bauer in der Region vernichtet Feldlerchenbrut

erschienen am 22.05.2018

Oberlauterbach. Zwei Stunden hat Ornithologe Karl Heinz Meyer am Freitag 52 Naturfreunde durch die Teichlandschaft am Oberlauterbacher Natur- und Umweltzentrum Vogtland geführt. So viele wie nie zuvor. Seit etwa zehn Jahren werden dort Vogelstimmenwanderungen angeboten. Die Zahl gehörter Gesänge geht jedoch drastisch zurück, so der Fachmann aus Schönau. Über die Ursachen hat sich Sylvia Dienel mit ihm unterhalten.

Freie Presse: Herr Meyer, es heißt, der heimische Vogelbestand nimmt stetig ab. Bekommen Sie diesen Schwund auch während Ihrer Wanderungen zu spüren? Hören Sie weniger Stimmen?

Karl Heinz Meyer: Auf alle Fälle - wenn man über die Art geht. Wir hatten zum Beispiel keinen Zilpzalp dabei, auch nur zwei Fitisse, eine Goldammer und drei Rauchschwalben. Das ist für so ein Gebiet eigentlich eine Katastrophe und tatsächlich auf Nahrungsmangel zurückzuführen. Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, dauert es nicht lange, bis es nichts mehr gibt - weder Vögel noch Insekten. Trotz Anregungen unsererseits ändert sich nichts.

Welche Arten haben in den vergangenen Jahren viele Federn gelassen, welche kaum oder gar nicht?

Generell geht es den Bodenbrütern ganz schlecht, vor allem durch die Entfernung von Hecken. Rebhühner gibt es im Vogtland keine mehr. Ein landwirtschaftlicher Betrieb in der Nähe hat seine Wiesen abgeerntet, obwohl noch drei Feldlerchen gefüttert haben. Vor etwa zehn Jahren gab es dort neun Bruten. Von denen kam keine hoch, weil die Wiesen ausgemäht wurden. Das Gleiche ist mit der Nachbrut passiert. Körnerfresser haben da weniger Probleme. Vielleicht aufgrund der zunehmenden Winterfütterung. Schlimm ist aber, wenn Kohlmeisen ihre Jungen mit Körnern füttern müssen. Die brauchen Insekten.

Wie hat sich das Besucheraufkommen seit Beginn der Vogelstimmenwanderungen entwickelt?

Es war immer schwankend, aber jedes Mal zweistellig. Die 52 Leute von heute sind der absolute Rekord. Es ist auch erfreulich, dass sieben Kinder dabei waren.

Woher kommen die Leute?

Das Einzugsgebiet ist differenziert. Viele kommen von hier, aber auch aus Plauen, Reuth und Rotschau. Ich habe sogar schon mal eine Greizer Autonummer gesehen.

Was interessiert ihre "Mitläufer" besonders?

Ich muss feststellen, dass ein gewisser Wissensdurst da ist. Es gibt viele Fragen, vor allem praktische. Zum Beispiel, ab wann Nistkästen ausgeräumt werden sollen. Andere wollten wissen, warum es bei uns keine Pirole gibt. Dafür liegen wir zu hoch. Der nächste Brutplatz ist am Waschteich bei Reuth. Viele stellen Fragen zu Insekten. Die Leute wollen sich aber auch was erzählen lassen.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
3
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 24.05.2018
    01:33 Uhr

    aussaugerges: Man kann auch sagen sie holen sich durch den hohe Verkaufspreis die Flächen an den Grünstreifen und Hecken wieder zurück.

    Die abgehörten Funksprüche der Taktorristen bestätgen das.
    ,,Zieh tiefe Furche oder geh an die Kante usw''.

    0 0
     
  • 23.05.2018
    16:52 Uhr

    aussaugerges: Seit in Lauterbach eine riesige Halle für die Bitumen Produktion gebaut wird,werden überrall letzte Grünflächen und Hecken eliminiert

    1 0
     
  • 22.05.2018
    09:00 Uhr

    Tauchsieder: Zur Information für Hr. Meyer. Die Stadt Plauen wird bei der Erweiterung des Gewerbegebietes Oberlosa nicht nur die Feldlerchen beim brüten stören. Dort werden die Brutplätze einiger Lerchen völlig und dauerhaft vernichtet. Wo bleibt der Aufschrei des örtlichen NABU, oder des BUND?
    Bekannt ist nur, dass sich die "Grüne Liga", der Naturschutzverband Sachsen(NaSa) und Plauener Ornithologen in Stellungnahmen dagegen ausgesprochen haben.

    0 1
     

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