Wofür Tagestouristen Geld ausgeben

Ihr Budget ist begrenzt, ihre Zeit auch. Trotzdem spülen Tagestouristen eine hohe Summe ins Vogtland. Eine neue Studie verrät Einzelheiten.

Oelsnitz/Klingenthal.

Er gibt im Schnitt 20,50 Euro im Vogtland aus, shoppt gern, dafür lässt er weniger Geld in Restaurants: der Tagestourist. Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) an der Universität München ist der Tagestourist für das Vogtland ein unverzichtbarer Gast. Mehr als die Hälfte der auf eine halbe Milliarde Euro berechneten Gesamt-Umsätze durch den Fremdenverkehr werden in der Region mit Gästen gemacht, die nicht über Nacht bleiben wollen oder können. 12 Millionen Tagestouristen sind es laut der neuen Berechnung pro Jahr. Zuletzt wurden vor acht Jahren Daten dazu ausgewertet.

"Der Tagestourist ist damit ihr wichtigstes Segment", betonte Moritz Sporer, Berater des Instituts dwif, vor Vertretern der Branche zum Tourismustag am Dienstag in Plauen. "Es geht um einen ganzen Batzen Geld." Dabei zeigt sich: Tagesgäste geben im Vogtland fast die Hälfte ihres Budgets für Einkäufe aus - Lebensmittel, Souvenirs, Shopping. Der Einzelhandel ist damit ein großer Profiteur dieser Zielgruppe. Denn Übernachtungsgäste wenden laut Analyse nur einen kleinen Bruchteil ihrer Tagesausgaben in Geschäften auf. Dafür geben sie durchschnittlich mehr für Restaurantbesuche und Dienstleistungen aus - von der Massage bis zum Museumsbesuch. Im Schnitt verweilen sie vier Tage in der Region. Gäste, die nur einen Tag bleiben, setzen nicht einmal ein Drittel ihres zur Verfügung stehenden Geldes in Restaurants und Cafés um. Für Eintrittspreise, Tickets für Kulturveranstaltungen und andere Dienstleistungen haben sie nur etwa ein Fünftel ihres Budgets übrig. Das ist ausbaufähig. Gäste sollen mehr Geld in der Region ausgeben. Das Ziel hat sich der Tourismusverband als Aufgabe für die nächsten Jahre gesetzt, wie Geschäftsführer Andreas Kraus im Gespräch mit der "Freien Presse" schon zu Jahresbeginn sagte. Sein Ansatz: vorhandene Angebote besser verbinden, Pakete schnüren, um Besucher länger im Vogtland zu halten oder für einen Wiederbesuch zu interessieren.

Seit 2015 wird das Vogtland länderübergreifend mit dem Landkreis Greiz vermarktet. Auch die Studie zur Wirtschaftskraft betrachtet die gesamte Region bis nach Schleiz und Gera.


Wer zahlt wie viel?

Hotelgäste geben laut Studie etwa 117 Euro pro Tag im Vogtland aus. Anspruchsvolle teilweise auch über 200 Euro, während Gäste in einfacheren Quartieren unter 100 Euro bleiben.

Pensionsgäste wenden im Schnitt rund 77 Euro pro Kopf und Tag für Unterkunft, Verpflegung, Einkäufe und Dienstleistungen auf.

Campinggäste wollen nicht so viel ausgeben. Ihre Tagesausgaben belaufen sich im Schnitt auf knapp 26 Euro.

Die Studie des dwif ist im Netz einsehbar.

www.vogtland-tourismus.de


Wo kommen Tagesgäste her und was zieht sie in die Region?

Umfrage: Verantwortliche von touristischen Anziehungspunkten im Vogtland und ihre Erfahrungen

 

"Gäste wollen was erleben"

Lutz Müller, Geschäftsführer im Freizeitpark Plohn: "Gäste nehmen bis zu drei Stunden Anfahrt für den Besuch des Parks in Kauf. Die Bereitschaft, Geld auszugeben, ist da, die Leute verbringen ja den ganzen Tag bei uns. Wer zu uns kommt, will was erleben - fragt für einen längeren Aufenthalt nach Spaßbädern oder besucht die Vogtland-Arena." (nij)

"Manche sind auf Rundfahrt"

Heidrun Bauer, Leiterin der Drachenhöhle Syrau: "Tagestouristen sind für uns sehr wichtig. Sie kommen aus Leipzig, Dresden oder Nürnberg. Viele sind ehemalige Vogtländer, die die Drachenhöhle ihren Kindern oder Enkeln zeigen wollen. Manche sind auf Rundfahrt, schauen sich dann noch Plauen oder die Göltzschtalbrücke an." (nij)

"Oft sind es Großeltern mit Enkeln"

Olaf Graf, Leiter der Sternwarte in Rodewisch: "Aus Hof, dem Raum Zwickau oder dem Erzgebirge kommen Tagestouristen zu uns. Oft sind es Großeltern mit ihren Enkeln, die sich eine Kindervorführung anschauen. Die sind beliebt. Die Kombination mit der Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz wird auch gern gewählt." (nij)

"Viele fragen nach Wanderwegen"

Christa Trommer, Chefin des Fremdenverkehrsvereins Nördliches Vogtland: "Viele unserer Gäste sind auf der Durchfahrt, wenn sie sich die Göltzschtalbrücke anschauen. Im Gespräch empfehlen wir ihnen weitere Ausflugsziele für einen Wiederbesuch. 30.000 Besucher versorgten wir 2017 mit Infos. Viele fragen nach Wanderwegen." (nij)

"Zunehmend Gäste aus Tschechien"

Michael Hecht, Marketingleiter Ski- und Bikewelt Schöneck: "Unsere Tagesgäste fahren meist bis eineinhalb Stunden an. Zwickau, Chemnitz, Leipzig, Gera und Oberfranken, das ist unser Haupteinzugsgebiet. Verstärkt kommen aber auch Gäste aus dem grenznahen Gebiet Tschechiens zum Wandern, Mountainbiken oder Skifahren." (tb)

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