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Klavier spielen gehört zu den Dingen, die Dr. Holger Männel sich für seinen Ruhestand vorgenommen hat.

Foto: Eckhard Sommer

"An Pensionierungsbankrott werde ich nicht leiden"

Er hat zu DDR-Zeiten Ausreisantragssteller betreut und er beherrschte die Hypnosetherapie: Als Fachmann für psychische Erkrankungen war Dr. Holger Männel eine Instanz in der Region. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Von Eckhard Sommer
erschienen am 11.01.2018

Bad Elster/Adorf. Das neue Jahr 2018: Für Dr. Holger Männel bedeutet das nicht nur einen Kalenderwechsel, denn der 74-Jährige tritt in einen neuen Lebensabschnitt, den Ruhestand. Damit schließen sich die Pforten einer im Oberen Vogtland zur Instanz gewordenen ärztlichen Anlaufstelle für nerval und psychisch erkrankte Patienten.

Dr. Holger Männel ist ein Vogtländer. Er stammt aus Oelsnitz, studierte, diplomierte und promovierte in Halle, war anschließend an der Universitätsklinik tätig. "1981 kam ich mit der Familie zurück ins Vogtland, nach Bad Elster. Bis 1990 praktizierte ich in der im Karl-Marx-Hof gelegenen neuropsychiatrischen Außenstelle des Elsteraner Stadtambulatoriums. Nach der Wende ließ ich mich im Goethehaus in eigener Praxis nieder und war seit 2010 als ärztlicher Psychotherapeut im Medizinischen Versorgungszentrum der Paracelsusklinik Adorf tätig."

Als ehemaliger Leiter der universitären sozialpsychiatrischen Tag- und Nachtklinik in Halle galt sein besonderes Augenmerk in Bad Elster unter anderem problembeladenen depressiven Patienten, durch Leistungsdruck psychosomatisch Erkrankten und Patienten, die durch Erleichterungstrinken oder konfliktverdrängenden Medikamentenmissbrauch in Abhängigkeit geraten waren. Für Letztere entwickelte der Mediziner in Zusammenarbeit mit dem Bad Elsteraner Krankenhaus ein Drei-Stufen-Programm zur Entwöhnung und gründete für die kontinuierliche Nachbehandlung zusammen mit seinem Kollegen Joachim Heil im Kurort einen Therapeutischen Club. "Dort wurde in wöchentlichen Gruppentherapien eine psychosoziale Stabilisierung ermöglicht, nicht zuletzt auch durch zwischenmenschliches Engagement der Patienten untereinander im Alltag. Der Club und seine auch öffentlichen Aktivitäten wurden in der Vorwendezeit seitens des Staates beargwöhnt, bespitzelt und sogar verleugnet. Die Patientengruppe passte nicht in das Bild des proklamierten problemfreien, des glücklichen sozialistischen Menschen." Trotz der Widerstände existierte der Club weiter und ist seit der Wende eine Selbsthilfegruppe. In der DDR-Zeit ergab sich für ihn als Psychiater noch eine andere, besonders vertrauensvolle Aufgabe: "Das war die Therapie für depressive, angsterkrankte repressiv Benachteiligte, die staatlich diskriminierte Gruppe der Ausreiseantragsteller. Sie fanden nur bei vertrauenswürdigen und verschwiegenen Psychotherapeuten, Pfarrern und Ärzten Gehör und psychologische Hilfe."

In seinem letzten, rein psychotherapeutischen Berufsabschnitt jenseits des 65. Lebensjahres konnten Patienten vor allem von Dr. Männels psychoanalytischer therapeutischer Erfahrung und seiner Hypnosetherapie profitieren. Für viele bedeutet es deshalb einen großen Verlust, dass er den Ruhestand antritt. "Ich scheide auch mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits hätte ich die Therapiestelle in Adorf durchaus noch gerne weiter ausgefüllt, zumal es bislang keinen Nachfolger gibt. Andererseits freue ich mich auf den Ruhestand. Jetzt habe ich mehr Zeit für die Kinder und Enkel, für das Musizieren und Singen im Chor, für intensive Kontakte mit Freunden und ausgiebige Spaziergänge in der Natur, auch für die Gartenarbeit. Eines steht fest: An Pensionierungsbankrott werde ich nicht leiden."

 
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