Ehrenbürgerschaft krönt Schupfen-Sause

40 Jahre Tanz im Schupfen wurde am Samstag in Bärendorf gefeiert. Ein denkwürdiger Tag - besonders für einen Mann.

Bärendorf.

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass Josef Jobst verlegen ist um einen flotten Spruch. In diesem Fall allerdings verschlug es ihm dann doch fast die Sprache: Am Samstag wurde ihm von Bürgermeister Helmut Wolfram (CDU) die Ehrenbürgerschaft von Bad Brambach verliehen, womit der 79-Jährige nicht im Geringsten gerechnet hätte. Nach Gustav Ploß ist Josef Jobst erst der Zweite, dessen jahrelange Verdienste um das musikalische Leben in der Gemeinde auf diese Weise gewürdigt wurden.

Passender als das Jubiläum 40 Jahre "Tanz im Schupfen" hätte der Anlass und Zeitpunkt nicht sein können. Die Bärendorfer Musikanten legten ihre Instrumente aus der Hand, die Besucher ließen die Kaffeetasse Kaffeetasse, den Kuchen Kuchen oder das Bierglas Bierglas sein und dankten dem "Sepp" auf ihre Art: mit viel Beifall.

40 Jahre "Tanz im Schupfen" - es war wie immer bei den vier oder fünf Terminen zwischen Himmelfahrt und September, wenn die Bärendorfer Musikanten dazu einladen: Parkplatznot, Kfz-Kennzeichen von L und PIR über HO und ERZ bis hin zu PL und V, im Schupfen und unter dem Sonnenzelt davor blieb kein Plätzchen frei. Für Stimmung mit satten Egerländer Melodien sorgten natürlich die Bärendorfer Musikanten, dazu als Gäste das Vogtlandecho und das Gesangsensemble Femina Musica. Und als Überraschung für alle: Vor sechs Jahren hatte sich der Bärendorfer Chor aufgelöst, fand sich aber zur Feier des Tages nochmals zusammen, sang gemeinsam mit dem Bad Brambacher Chor unter anderem "So ein Tag, so wunderschön wie heute" - ein Volltreffer. Der Wunsch aus dem Publikum, diese "Ehe" möge nicht das letzte Mal eingegangen worden sein, erwiderte Josef Jobst auf seine unnachahmliche Weise: "Bleibt uns so lange treu, bis die Würmer den Schupfen zusammengefressen haben." Ein Blick ins Gebälk macht Hoffnung: Das wird nicht morgen oder übermorgen der Fall sein.


"Die Bärendorfer sind wie Medizin"

Ulrich Sachsenweger, Netzschkau: Seit zehn Jahren komme ich zum Schupfen. Das muss einfach sein. Mir gefällt, wie heimatlich es hier zugeht, und ich mag die Egerländer Musik. Damals habe ich vom Schupfen durch Mundpropaganda erfahren. Die Bärendorfer sah ich dann auch mal in der Wernesgrüner Musikantenschänke. Sie gefallen mir so gut, dass ich sie gebeten habe, zu meinem 70. Geburtstag zu spielen.

Annemarie Hofmann, Schönberg: Ich kann mich noch sehr gut an das Unwetter vor 40 Jahren erinnern, als der Schupfen unter Schlamm stand. Wenn die Bärendorfer hier spielen, dann bin ich immer dabei. Sie machen schöne Musik. Das wird nie langweilig. Als ich noch in Arbeit war, habe ich meine Schicht getauscht, damit ich das Konzert nicht verpasse. Hier trifft man viele nette Menschen.

Martin Schwager, Treppendorf bei Rudolstadt: Meine Frau war vor 16 Jahren zur Kur in Bad Elster. Als ich sie mal besuchte, erzählte sie mir, dass ganz in der Nähe wunderbare Blasmusik gespielt wird. Wir sind zum Schupfen gefahren und kommen seitdem immer wieder hierher. Himmelfahrt geht es los. Ich lasse mir schon jetzt die Termine für das nächste Jahr geben, damit wir das einplanen können.

Dieter Seifert, Pirna: Vor zehn Jahren war ich das erste Mal zum Urlaub hier. Dann gehört natürlich auch dazu, dass wir den Schupfen besuchen, wenn da was los ist. Ich möchte das nicht mehr missen. Jugend, Mittelalter, Alter - hier treffen sich alle Altersgruppen. Zu Anfang war ich noch überrascht, wie die Leute auf die Tanzfläche gestürmt sind. Bei uns zu Hause ist das nicht so. Die Bärendorfer sind wie Medizin. (eso)

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