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Freunde fürs Leben: Bianca Eilenberger und ihr mongolischer Gastbruder Nymka. Sieben Jahre liegen zwischen beiden Bildern.

Foto: privatBild 1 / 3

Freundschaft um die halbe Welt: Ein Wiedersehen nach Jahren

Bianca Eilenberger aus Taltitz lebte vor sieben Jahren für vier Wochen in der Mongolei und hat ihren "Gastbruder" Nymka unlängst im Vogtland wiedergesehen. Eine Begegnung voller Emotionen.

Von Eckhard Sommer
erschienen am 13.10.2017

Taltitz. Seit sieben Jahren trägt Bianca Eilenberger (31) keine Armbanduhr mehr. Damals verlor sie das Gefühl für Zeit. Damals, als sie für vier Wochen in der Mongolei lebte, wo Stunden wenig zählen, der Tagesablauf bestimmt wird von Schafen, Ziegen und Pferden. Warum der ferne Osten, die Steppe, die fremde Kultur? "Freiheit, Fernweh und Abenteuer - das hat mich getrieben. Ich wollte einfach mal etwas anderes Machen, weg aus dem Alltag in Deutschland", sagt die Taltitzerin. Sie suchte im Internet eine Organisation, die verschiedene Projekte anbietet, und stieß auf Projects Abroad. "Bei Nomaden in der Mongolei zu leben, das hat mich sofort gereizt."

Als Bianca Hoyer - so hieß sie noch - machte sie sich also auf die lange Reise ins Ungewisse. Kam an in der Provinz Altanbulag, dreieinhalb Autostunden entfernt von der Hauptstadt Ulan Bator. Hier - inmitten der Steppe, der nächste Nachbar vier Kilometer entfernt, ohne Dusche, keine Toilette, statt Fernseher nur ein batteriebetriebenes Radio - lebte sie auf engstem Raum mit fremden Menschen in einer Jurte, waren "Gastbruder" Nymka, seine Frau Uulen und die Kinder Anungoo und Armjin für vier Wochen ihre Familie. "Sie konnten nur Mongolisch, ich Englisch - aber mit Händen und Füßen haben wir uns irgendwie doch verständigt." Bianca musste sich an die andere Esskultur gewöhnen: Schlürfen, Finger als Besteck, Rülpsen und andere Laute, die daheim in Taltitz unschicklich sind. Sie lernte reiten, half bei den Tieren, knatterte mit dem Motorrad durch die Steppe. Trotzdem oder gerade deswegen war Bianca glücklich, denn so abenteuerlich, wild und urwüchsig hatte sie es erleben wollen.

Daheim schrieb Bianca ein Buch über die vier Wochen. Mit "Freiheit, Fernweh, Abenteuer" hätte eigentlich ein Schlussstrich unter diesen "Urlaub" gezogen sein können. Wenn nicht der heimliche Wunsch, sogar Traum, geblieben wäre, Nymka und seine Familie irgendwann doch noch einmal wiederzusehen, den Kontakt nicht nur aufrecht zu erhalten über Facebook. Und unverhofft erfüllte sich der Wunsch vor wenigen Wochen: "Ich habe ein Bild von Nymka gesehen, auf dem er auf dem Wenzelsplatz in Prag steht. Dort lebt er seit Oktober 2016 und arbeitet in Tschechien für fünf Jahre bei einem Autozulieferer. Im Sommer schrieb er mir, dass er zwei Wochen Urlaub hat und ob er mich nicht besuchen könnte."

Nach sieben Jahren kam es zu einem Wiedersehen. Für Bianca war es, als sei die Zeit stehen geblieben. "Schon in der Mongolei war Nymka anders als seine Eltern und Brüder: weltoffen, aufgeschlossen, modern eingestellt. Wir hatten damals gleich einen guten Draht zueinander. Der ist in der Zwischenzeit nicht gerissen. Es war für uns beide ein sehr emotionaler Moment, als wir uns in Taltitz wiedersahen. Unsere Herzen haben gesprochen und Gesten sagen oft mehr gesagt als alle Worte. Das kann man einfach nicht beschreiben."

Bianca vier Wochen in der Mongolei, Nymka und seine Familie drei Tage in Taltitz - ob irgendwann und irgendwo ein drittes Kapitel der Freundschaft geschrieben wird, steht in den Sternen.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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