Geigenbau steht vor Jubiläum

Klingenthal bereitet das 300-jährige Gründungsjubiläum der Innung im neuen Jahr vor - und plant viele Veranstaltungen.

Klingenthal.

2013 erhielt der Katalane Jordi Savall den Echo-Klassik für die Kammermusik-Einspielung des Jahres. "Was bei uns kaum jemand weiß: Er spielt auch auf einer Gambe, die Andreas Dörfel 1757 in Klingenthal gebaut hat", sagt Xenia Brunner vom Musik- und Wintersportmuseum. Ein Fakt, auf den man kurz vor dem 300-jährigen Gründungsjubiläum der Klingenthaler Geigenmacherinnung mit besonderem Stolz blickt.

"Wir freuen uns, dass wir Ministerpräsident Stanislav Tillich als Schirmherrn für die Veranstaltungen gewinnen konnten. Vielleicht klappt es sogar mit einem Besuch von ihm bei der Festveranstaltung am 23. Januar", so Bürgermeister Thomas Hennig (CDU).

Der 23. Januar ist dabei nicht zufällig gewählt, wie Xenia Brunner deutlich macht: "Es ist der Tag vor dem 1. Konvent, zu dem sich 1716 die Klingenthaler Geigenmacher versammelt hatten."

Fachtagung in Klingenthal

Das Programm für das Jubiläumsjahr ist über mehrere Monate verteilt. Am 14. und 15. April findet in der Berufs- und Berufsfachschule Klingenthal eine Fachtagung statt, mit Vorträgen über die Instrumente, ihre Lackierung, aber auch über die historischen Handelswege. Ab dem 14. April wird außerdem im Klingenthaler Museum eine Sonderausstellung mit etwa 20 Instrumenten zu sehen sein, die durchweg vor 1850 gefertigt wurden. Dahinter stehen Namen wie Hopf, Hoyer und Dörfel. Die meisten Stücke sind Leihgaben anderer Museen und wurden aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Klingenthaler Meistergeigen, so Xenia Brunner, sind auf Museen in ganz Europa verteilt: "Das ist auch ein Spiegelbild der alten Handelswege."

Eröffnen wird die Sonderausstellung Ekkhard Seidl. Der Geigenbaumeister aus Markneukirchen konnte neben dem Lehrer und Musikwissenschaftler Dr. Enrico Weller als Partner für die Veranstaltungen gefunden werden. Bereits 2011 hatte es erste Gespräche zur Vorbereitung des Jubiläums gegeben. In den vergangenen Monaten wurde die Arbeit intensiviert. "Wir hatten inzwischen fünf oder sechs sehr konstruktive Beratungen", schaut Bürgermeister Hennig zurück.

Den musikalischen Abschluss des Jubiläum soll nach seinen Worten ein Konzert im Rahmen des Festivals Mitte Europa bilden. "Dazu gab es erste Gespräche, die Planungen laufen aber noch. Als Veranstaltungsort haben wir unter anderem die Rundkirche im Blick. Der Termin steht aber noch nicht fest."

Museum erweitert Sammlung

Mit Blick auf das anstehende Jubiläum hofft das Museum, noch zwei weitere in Klingenthal gefertigte Instrumente erwerben zu können, finanziert aus dem Erbe von Malermeister Kern. "Es handelt sich um Instrumente aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und zwar von Carl Gottlieb Goram und dessen Sohn Christian Friedrich", zeigte Xenia Brunner auf. Christian Friedrich Goram gilt dabei nach ihren Worten auch als der Begründer des Gitarrenbaus im Musikwinkel, und er wird zudem mit dem Beginn der Fertigung von Holzkämmen in Verbindung gebracht. Dieses heute fast vergessene Gewerbe war von 1829 bis in die 1860er Jahre ebenfalls ein wichtiges Standbein für die Klingenthaler Wirtschaft.

Das Jubiläum der Geigenmacher- innung soll auch eine Nachhaltigkeit besitzen. Das Stadtmagazin "Aschberger Land" wird sich dem Thema widmen, von der Fachtagung wird ein Band mit den Vorträgen erscheinen. Eine Woche vor der Fachtagung in Klingenthal findet in Frankfurt am Main die Internationale Musikmesse statt. Das soll mit als Werbung genutzt werden. Bürgermeister Hennig: "Die Klingenthaler Firma Herold Musikinstrumente handelt auch mit Geigen - mit einem großen Kundenkreis in Russland und China."

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