Geschlossenes Waldgut: Hotel-Plätze fehlen nur im Mai

Tourismus in Klingenthal: Zum für die Stadt erhofften wirtschaftlichen Standbein scheint es noch ein weiter Weg zu sein.

Klingenthal.

Mit Blick auf den Internationalen Akkordeonwettbewerb im Mai werden die Betten des Hotels Waldgut am Aschberg fehlen. Das sagt Michael Grimm von der Tourist-Info. Mit dem Hotel am Aschberg hat ein weiteres Klingenthaler Traditionshaus geschlossen - wie auch das Hotel Pyratal in Morgenröthe-Rautenkranz oder die Lindenhöhe in Erlbach. Abgesehen vom Weltcup-Wochenende der Skispringer im November und der anstehenden Musikwoche im Mai fällt das Fehlen der Klingenthaler Einrichtung allerdings kaum auf.

Zahlen nur Schätzwerte

Rund 24.600 Gäste hatte die Stadt im vergangenen Jahr, ein Plus gegenüber 2014 von 9,7 Prozent. Sie blieben im Durchschnitt drei Tage. Das Statistische Landesamt Kamenz erfasst aber nur die Zahlen von Übernachtungseinrichtungen mit mehr als acht Betten. Von den knapp 60 Beherbergungsstätten zwischen den Ortsteilen Oberzwota und Mühlleithen werden demnach nur von 15 die Zahlen erfasst. Klingenthals Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) sprach deshalb schon vor zwei Jahren von der Notwendigkeit, die touristischen Strukturen zu überarbeiten: "Mit dem jetzigen System kann niemand sagen, wie viele Gäste wir wirklich haben. Es sind letztlich alles nur Schätzungen".

Der Winter 2015/16 war der dritte in Folge, der nicht hielt, was sich die Urlaubsbranche von ihm erhofft hatte. "Wir hatten aber trotz des fehlenden Schnees über Silvester und auch in den Februarferien nur wenige Stornierungen", schaut Grimm auf die Wintersaison zurück. Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Im vergangenen Jahren erbrachten laut dem Statistischen Landesamt 2015 die Monate Januar und Februar mit rund 6160 Gästen ein Viertel der Klingenthaler Jahresbilanz!

An die 500 Betten brauchte der VSC Klingenthal Ende November für den Weltcupauftakt der Skispringer. "Allein die Mindestzahl, die wir als Veranstalter buchen, garantiert 2000 Übernachtungen - und das in einer Zeit, in der die sauren Gurken im Vogtland nicht saurer sein könnten", hatte dazu Markus Stark gesagt, der Vizepräsident des VSC Klingenthal.

Für das Finale des zweitklassigen Continentalcups der Skispringer am 3. und 4. Oktober in der Vogtland-Arena waren insgesamt rund 120 Betten gebraucht worden. Für den Anfang Januar geplant gewesenen Weltcup in der Nordischen Kombination waren im Vorfeld rund 320 Betten reserviert.

Als im Februar die Winterferien begannen, hatte der Winter sein kurzes Zwischenspiel im Aschberggebiet rasch wieder beendet. Der Loipenbus entlang der Kammloipe, der erstmals von Johanngeorgenstadt über Klingenthal bis Schöneck fuhr, wurde zu einem Flopp. Ob der Bus in der kommenden Winter- saison noch einmal fahren wird, steht noch nicht fest.

Klingenthal hat im Winter kaum Alternativen zum Skilauf, was bei fehlendem Schnee zum Problem wird. Der Klingenthaler Stadtrat Klaus Grimm (Freie Wähler) hat kürzlich zum wiederholten Mal das Thema einer Eishalle ins Gespräch gebracht. Die 1997 eingeweihte Kunsteisbahn war nach einem Brand 2008 im Maschinenraum stillgelegt worden. Im vergangenen Jahr wurde sie als Outdoor-Spielplatz eingeweiht.

Inzwischen gibt es für das Areal nach den Informationen von Bürgermeister Hennig einen Interessenten, der Kaufabsichten habe und bis April ein Konzept vorlegen wolle. Sollte eine neue Nutzung als Kunsteisbahn Realität werden, würde die Stadt im Gegenzug auf das Projekt einer mobilen Eisbahn auf dem Marktplatz verzichten. Hennig hatte diese Idee entwickelt, um das Stadtzentrum zu beleben.

In der Regel gefragte Reisetermine für die Klingenthaler Region seien auch Ostern und Pfingsten. Das sagte Carsten Förster aus seiner Erfahrung als Vorsitzender des Handel-, Gewerbe- und Tourismusvereins Klingenthal/Zwota.

Gefragtes Einsteigerpaket

Ein Renner für Klingenthal ist weiter die Musik, wie Michael Grimm zu berichten weiß. Verkaufsschlager in der Tourist-Information ist ein Mundharmonika-Einsteigerpaket mit Instrument, Noten und einer CD. Die Idee dazu hatte der Klingenthaler Mundharmonikasolist Jürgen Just. "Das Paket ist absolut gefragt", sagt Grimm.


Kommentar: Die Zeit wäre reif

Als Klingenthal 2013 Gastgeber für den 5. Sächsischen Wandertag war, hatte man einen Impuls für die Wanderszene erhofft, zumal es mit dem Höhensteig und dem Vogtland-Panoramaweg zertifizierte Routen gibt, die seit Jahren überregional beworben werden. Aber 2014 war für die Stadt ein touristisch schwaches Jahr. 2015 brachte einen kleinen Zuwachs, wie es 2016 wird, lässt sich schwer abschätzen. Die Entwicklung des Tourismus als wirtschaftliches Standbein war eines der Themen, die 2013 in Zusammenhang mit der Fusion von Klingenthal und Zwota angegangen werden sollten. Vorschläge liegen teilweise schon seit Jahren auf dem Tisch. Ein Konzept ist daraus noch nicht entstanden. Die Zeit dafür wäre aber reif.

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1Kommentare
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  • 0
    0
    aussaugerges
    27.11.2016

    Ohne Worte!!,



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