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Die Mitglieder des Trägervereins des Deutschen Harmonikamuseums Trossingen mit Museumsleiter Martin Häffner (hinten rechts) waren gestern zu Gast bei Klingenthals Bürgermeister Thomas Hennig (hinten, zweiter von rechts).Thomas Böhm (ganz hinten) zeigte den Gästen aus Baden-Württemberg danach die Stadt.

Foto: Thorald Meisel

Harmonika-Geschichte als Brücke für gemeinsame Projekte

Über viele Jahrzehnte waren Klingenthal und Trossingen auf dem Musikmarkt knallharte Konkurrenten. Aber es gibt auch Möglichkeiten einer Zusammenarbeit.

Von Thorald Meisel
erschienen am 14.06.2018

Klingenthal. Als Klingenthals Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) gestern im Ratssaal Gäste aus Trossingen empfing, geschah das an einem Ort, auf den einst die Harmonikabranche beider Städte schaute. Im Frühjahr 1929 war im Vogtland der Versuch unternommen worden, mit der Rauner-Seydel-Böhm AG dem damals schier übermächtigen Marktführer Hohner in Trossingen ernsthaft Konkurrenz zu machen. Der Gründungsvertrag wurde im Klingenthaler Ratssaal unterzeichnet. Die Idee blieb ein Wunsch, die AG bestand nur knapp vier Jahre.

Dass man in Trossingen schon immer ein Auge ein Auge auf Klingenthal hatte, weiß Martin Häffner vom Deutschen Harmonikamuseum zu erzählen. Als Bürgermeister Hennig darauf zu sprechen kam, dass Klingenthal 2019 auf 100 Jahre Stadtrecht blicken kann, ergänzte Häffner, dass als Reaktion darauf auch Trossingen 1927 zur Stadt erhoben wurde: "Das war nur unter Hinweis auf die Konkurrenz in Klingenthal möglich. Von der Einwohnerzahl her erfüllte man die Vorgaben seinerzeit nämlich nicht."

Der wirtschaftliche Konkurrenzkampf beider Städte ist heute weitgehend Geschichte, aber Klingenthal wie Trossingen bemühen sich, ihre musikalischen Traditionen touristisch zu nutzen. Das Deutsche Harmonikamuseum öffnete 1991, fünf Jahre nach dem Harmonika- museum Zwota. 1995 kam in Klingenthal das Musik- und Wintersportmuseum Dr. Giers-Haus hinzu.

Möglichkeiten einer Zusammenarbeit wurden wiederholt ausprobiert. Im Oktober 2000 präsentierten die Trossinger in Klingenthal ihre damals neue Mundharmonika-Wanderausstellung. Im Mai 2003 stellte Martin Häffner im Dr. Giers-Haus das Mundharmonika-Buch "Hohner, Seydel, Köstler, Koch und die vielen and'ren noch" vor, das er gemeinsam mit Lars Lindenmüller verfasste. Von den über 250 im Buch erwähnten Firmen stammen allein 174 aus dem Musikwinkel und aus Westböhmen, 34 davon ist ein größeres Porträt gewidmet. Die Autoren konnten dabei auch Zuarbeiten aus Klingenthal nutzen. 2011 schließlich, als das Deutsche Harmonikamuseum 20 Jahre alt wurde, erhielt Trossingen aus Klingenthal eine Tafel mit Namen, Standorten und Firmenlogos der jeweils elf ältesten Mundharmonika- und Akkordeonhersteller in Klingenthal und Zwota. Es ist ein gemeinsames Geschenk der Stadt und des Vereins "Mundharmonika live". Horst Meinel hatte die dazu nötigen Recherchen betrieben, gestaltet wurde die Tafel von Maik Körner.

Seit Dienstag und noch bis morgen sind nun erstmals Mitglieder des Trägervereins des Deutschen Harmonikamuseums zu Besuch - zum einen, um sich über die Traditionen des Musikwinkels zu informieren, zum anderen, um neue Kontakte für weitere gemeinsame Projekte zu knüpfen, wie Martin Häffner erklärte. Auch eine Neuauflage des Mundharmonika-Buches ist im Gespräch.

Mit Thomas Böhm, einem Nachfahren von Friedrich August Böhm, der in Untersachsenberg 1850 die Firma F. A. Böhm gründete, hatten die Gäste gestern einen sachkundigen Führer durch Klingenthal und die Musikgeschichte an der Seite. Einen Abstecher gab es natürlich auch in die Rundkirche "Zum Friedefürsten", wo Hans-Joachim Tittmann viel Interessantes über den 1737 eingeweihten Bau erzählen konnte.

 
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