Ministerium prüft: Wie lange gibt es in Skigebieten genug Schnee?

Die Folgen des Klimawandels sind in der Region spürbar. Die Tourismusbranche kann das hart treffen. Eine Studie soll zeigen, wie lang es in den Wintersportorten in Sachsen noch Ski und Rodel gut heißt.

Klingenthal/Schöneck.

Es ist kein Wintermärchen: Zum Beginn der Winterferien sind im oberen Vogtland die meisten Loipen geschlossen. Es liegt zu wenig Schnee. Die Lifte an den Abfahrten in Schöneck und Erlbach laufen dank Schnee- kanonen - eine Schneedecke von bis zu 30 Zentimetern konnte aufgeschichtet werden. Auch am Skilift Mühlleiten kommt die Hälfte des Zaubers aus Schneekanonen. Nur deshalb sind die Bedingungen am Hang gut. Der Tourismusverband Vogtland betont, dass die Vor- buchungen für die Ferien gut liefen. "Punktuell kann man ja durchaus Wintersport betreiben", sagt Geschäftsführer Andreas Kraus.

Doch wie lange trägt die Schneedecke noch? Die Folgen der welt- weiten Klimaerwärmung sind in der Region spürbar. Wetterextreme wie Stürme der Kategorie "Herwart" treten häufiger auf. Die Auswirkungen auf die Skigebiete in den nächsten Jahrzehnten beschäftigt aktuell das sächsische Umweltministerium. Das ergab eine Anfrage von "Freie Presse". Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden erarbeitet eine Studie zur Schneeklimatologie. "Ziel ist dabei die Erstellung von klimatologischen Aussagen zur Entwicklung der natürlichen Schneedecke in Sachsen", sagt Pressesprecher Frank Meyer.

Im Fokus stehen die 20 großen und kleinen Skigebiete im Freistaat, es werden aber auch Daten zu den Schneemengen bis ins Flachland modelliert. Die Prognosen führen bis ins Jahr 2050. Die Ergebnisse sollen Ende September vorliegen. Geprüft wird auch, ob künftig die meteorologischen Bedingungen für das Herstellen von Kunstschnee hierzulande noch gegeben sind - denn für die Präparierung der Pisten mit technischem Schnee sind länger andauernde Frostperioden nötig.

Haben die kleineren Skigebiete im Vogtland künftig gegenüber höherer Lagen im Erzgebirge das Nachsehen? Oder ist der Wintersport gar selbst am Fichtelberg gefährdet? Vorerst soll das nur aus meteorologischer Sicht geklärt werden. "Nicht Gegenstand dieser Studie sind wirtschaftliche Betrachtungen darüber, ob, inwieweit und wo sich der Wintersport in Sachsen als touristisches Angebot auch künftig noch lohnt", heißt es aus dem Umweltministerium. Aber auch: "Dies kann dann nach Vorliegen der Ergebnisse Gegenstand weiterer Überlegungen sein." Die Studie soll ab Herbst den Kollegen im Wirtschaftsministerium zur Verfügung stehen - dann wird gerechnet.

Bereits 2009 hatten Aachener Klimaforscher ein Modell erstellt, das auch die Mittelgebirgslagen mit einbezog. Schon vor knapp zehn Jahren gingen Forscher davon aus, dass sich die Zahl der Schneetage mit einer Mindestschneehöhe von zehn Zentimetern in diesen Breiten drastisch reduziert und sich ab Mitte des Jahrhunderts touristische Investitionen in diesen Höhenlagen nicht mehr rechnen. Allerdings fußten die Untersuchungen allein auf Daten aus dem Schwarzwald, dem Thüringer Wald und dem Sauerland. Auch ein sächsisches Klimamodell aus der Zeit besagte, dass Schneetage weniger werden. Die Entwicklung vollziehe sich im Erzgebirge allerdings langsamer als etwa im Schwarzwald, hieß es damals. Ob die Prognose gehalten werden kann, wird sich im Herbst zeigen.

Landrat Rolf Keil (CDU) betonte zuletzt auf Nachfrage, dass auf den Wintersport als wichtiges Standbein des Tourismus künftig nicht verzichtet werden könne - notfalls für den Preis von mehr Kunstschnee. "Bei der Technik hat sich viel getan, das ist vertretbar", sagte er. "Solange in Dresden die Elbwiesen beschneit werden, können wir das auch an unseren Hängen im Gebirge machen." Der im Vogtland über den Tourismus branchenübergreifend erzielte Bruttoumsatz liegt nach neuester Erhebung des Tourismusverbandes bei jährlich mehr als 500 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil wird im oberen Vogtland im Winterhalbjahr erwirtschaftet - aber nur, wenn Schnee liegt.


Drei aktuelle Schnee-Probleme aus dem Oberland

Absagen: Wegen Schneemangels abgesagt werden musste der für vergangenes Wochenende in Hammerbrücke geplante 34. Winter-Berglandlauf. Auch 2013 und 2014 hatte er ausfallen müssen. Der für den 7. Januar am Erlbacher Kegelberg angekündigte Skitty-Cup musste auf Grund von Tauwetter verlegt werden. Am 20. Januar wurde er bei genug Schneeauflage nachgeholt. Dass am Kegelberg der Lift regelmäßig läuft, ist dem Erlbacher Wintersportverein zu verdanken. Ehrenamtliche Helfer holen auch bei wenig Schnee das Maximale heraus.

Hoffnung passé: Das 1989 ins Leben gerufene Schlittenhunderennen am kommenden Samstag in Hammerbrücke ist gestern abgesagt worden. Es fehlt Schnee. Einen Ersatztermin gibt es nicht, teilten die Veranstalter mit. Ihre Hoffnung: mehr Schnee im nächsten Winter. Absagen der Veranstaltung gab es zuletzt in den Jahren 2011 und 2016.

Künstliche Beschneiung: Ein Einstieg in Schöneck in die 34 Kilometer lange Kammloipe nach Johanngeorgenstadt ist aktuell nicht möglich. Erst ab Mühlleithen ist sie mit kleinen Einschränkungen gut befahrbar. Bereits seit 2015 verfolgt der VSC Klingenthal ein Projekt, um in Mühlleithen die Rundloipe im Winter künstlich beschneien zu können. Im April will die Stadt Klingenthal dazu eine Arbeitsgruppe bilden. (tm)

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12Kommentare
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  • 5
    1
    BlackSheep
    13.02.2018

    Gebts doch einfach zu, wisst nicht was passiert!

  • 2
    4
    SimpleMan
    12.02.2018

    Nur mal so erwähnt ... aber das ist natürlich die Folge von Nichts, ist von Niemanden verursacht und wenn, kann man es auch nicht ändern. Also warten wir einfach ab und tun Nichts, weil wir so unheimlich schlau sind.
    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-02/klimawandel-meeresspiegel-anstieg-doppelt-schnell-prognosen-satellitendaten

  • 1
    3
    Hinterfragt
    12.02.2018

    Da gehen doch tatsächlich zum Rosenmontag einige zum Lachen in den Keller.
    An die "roten" ein Tipp:
    "Don't eat yellow snow!" ...

  • 5
    3
    Tauchsieder
    12.02.2018

    Die Sache ist doch die "Maresch", die können weder das Wetter eine Woche im Voraus genau ansagen, noch das zu erwartende Klima bis zum Ende des Jahunderts!
    Deshalb ist es völlig egal, ob du Wetter und Klima in einen Topf wirfst. Für Frankreich, die Schweiz, Italien, aber auch für Norwegen oder Russland und die USA ein kalter und schneereicher Winter dieses Jahr.
    Der Stecknadelkopf Deutschland ist nicht der Nabel der Welt!

  • 4
    5
    61charly
    12.02.2018

    Maresch, gibs auf, der "Tauchsieder" hat von Physik der Atmospäre Null Ahnung. Der leugnet den Anstieg des CO2, den Treibhauseffekt von C02 und damit eine Klimaveränderung komplett.
    Ich glaube, der weiß nicht mal, wie ein Tauchsieder funktioniert.

  • 3
    4
    Maresch
    12.02.2018

    @Tauchsieder. Wenn Ihnen 30 Jahre klar gewesen sein sollte, was ich bezweifle, dann hätten Sie ja auch selbst darauf kommen können, dass man kurzfristige Wettervorhersagen nicht mit einer Prognose zur Klimaentwicklung vergleichen oder gar gleichsetzen kann.

  • 3
    3
    Tauchsieder
    12.02.2018

    Doch "Maresch", 30 (in Worten dreißig) Jahre !

  • 4
    4
    1953866
    12.02.2018

    @Maresch, ich glaube Sie verwechseln Tauchsieder mit dem Wissenschaftler Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie, der schon 2000 behauptete, "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben". Nun kann ich mich an einige saukalte und schneereiche Winter seit 2000 erinnern und sollte zu "unseren Breiten" auch die Schweiz zählen, die ja soo weit nicht weg ist, dann weiß ich nicht, was der Herr mit "nicht mehr viel Schnee" meinte. Mittlerweile wird sogar das Gegenteil, behaupte, nämlich das die Klimaerwärmung hier kältere Winter verursacht.
    http://www.kaltesonne.de/deutschland-ein-wintermarchen/
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/klimaforschung-eisige-kaelte-und-klimawandel-sind-kein-widerspruch-1.3332322
    Soviel zu Wetter, Klima und Klimaforschung.

  • 6
    2
    Hinterfragt
    12.02.2018

    "...ob das zu schaffende Schneeministerium schwarz oder rot "regiert"..."

    eher Gelb ;-)

  • 7
    8
    Maresch
    12.02.2018

    @Tauchsieder. Sie sollten sich vielleicht erst einmal mit der Thematik beschäftigen. Ihr Kommentar zeigt sehr deutlich, dass Sie überhaupt nicht wissen, was Wetter und Klima voneinander unterscheidet.

  • 8
    3
    Zeitungss
    12.02.2018

    Ein millionenteueres Gutachten würde ich noch vorschlagen, Fr. Holle ist zu unzuverlässig und zu billig. Ein weiterer Streitpunkt wird sein, ob das zu schaffende Schneeministerium schwarz oder rot "regiert" wird. Es kommen spannende Zeiten auf uns zu.

  • 9
    6
    Tauchsieder
    12.02.2018

    Das ist dann wohl das Schneeministerium das da prüft, geleitet von Ministerin Fr. Holle.
    Sie können das Wetter keine Woche im Voraus genau ansagen, aber wollen bis in die Mitte des Jahrhunderts Aussagen treffen. Was haben die bloß für eine Glaskugel?



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