Punktlandung: Klingenthal bekommt wieder eine Oberschule

Buchstäblich bis zur letzten Minute wurde am Dienstag in Klingenthal um jeden Schüler gekämpft. Am Ende waren es genau die geforderten 40. Damit schreibt die Stadt Geschichte.

Klingenthal.

Für die Wiedereinrichtung einer Oberschule in Klingenthal wurde am Dienstag die entscheidende Hürde genommen. Bis zum Abend hatten sich genau 40 Schüler für zwei fünfte Klassen angemeldet. Damit wurde die vom Kultusministerium vorgegebene Mindestzahl erreicht.

Vorausgegangen war eine Zitterpartie. Noch am Dienstagnachmittag war alles andere als klar, ob das Ziel 40 geschafft werden kann. 16 Uhr gab es nochmals eine Elternversammlung im Klingenthaler Ratssaal. Drei Eltern seien dort "überzeugt und überredet" worden, sagte Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) am Abend. Hennig hatte in den Tagen davor immer wieder Elterngespräche geführt, weil das Projekt auf Messers Schneide stand, obwohl anfänglich 52 Willensbekundungen bei der Stadt für die neue Oberschule vorlagen. Doch am Ende zählen die Anmeldungen. Und da entschieden manche Eltern doch noch anders. Der Stadtchef spürte das - und ackerte in den vergangenen Tagen bis zur Erschöpfung. So richtig freuen konnte sich Thomas Hennig am Dienstagabend deshalb noch nicht. "Ich bin völlig leer im Kopf", gestand er. Noch am Abend rauschte er bereits wieder zu Terminen in Richtung Dresden.

Für den Stadtchef und seinen Stadtrat heißt es jetzt, das Projekt Oberschule umzusetzen. Auf dem Amtsberg soll ein Anbau mit zwölf Klassenzimmern her. 2,5 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Geht es nach Hennig, soll bereits zum Jahresende, spätestens aber im nächsten Frühjahr der Rohbau stehen. "Wir wollen eine qualitativ hochwertige Schule mit kleinen überschaubaren Klassen", sagte er. Er sei sich bewusst, jetzt liefern zu müssen. "Der Druck ist enorm."

Glückwünsche zur Klingenthaler Punktlandung kamen am Dienstag vom Landtagsabgeordneten Sören Voigt (CDU): "Eine tolle Leistung von allen Beteiligten. Das ist eine einmalige Chance zur Stärkung des ländlichen Raums."

Kommentar: Jahrhundert-Chance

Klingenthal bekommt wieder eine Oberschule. Das ist eine historisch gute Nachricht für die Stadt - und in Sachsen bislang beispiellos.

Nach Jahren der Schulschließungen entsteht eine staatliche Schule neu. Klingenthals Bürgermeister Thomas Hennig hatte die Vision - und das Projekt zum genau richtigen Zeitpunkt mit Mut und Entschlossenheit angefasst. Vieles ist in Bewegung in Sachsen. In Dresden gibt es eine Bereitschaft, Fehler zu korrigieren, gerade im Bereich der Schullandschaft. Das kommt den Klingenthalern entgegen und wird helfen, das Vorhaben zum Erfolg zu führen.

Am Ende musste um jeden Schüler gekämpft werden. Es gab Eltern, denen war der Druck zu viel. Auch deshalb gab es etwas Gegenwind. Doch ohne diese massive Entschlossenheit von Bürgermeister, Stadtrat und vielen Bürgern der Stadt hätte Klingenthal womöglich eine Jahrhundert-Chance verpasst. Jetzt kann sie ergriffen werden. Gut so - und Glückwunsch nach Klingenthal!

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