Stuttgarter wecken Traditions-Gasthof aus Dornröschenschlaf

Der Gasthof Tauscher in Erlbach hat seit gestern wieder geöffnet. Er wird von zwei Stuttgartern als Flammkuchenhaus geführt und hat vorerst am Wochenende geöffnet. Ob mehr draus wird?

Erlbach.

Als Stragan Benko am dritten Oktober-Wochenende letzten Jahres in Erlbach war, sah er nicht viel vom Ort: Die Kirwe tobte. Aber gerade deswegen bekam er doch mehr als nur eine kleine Ahnung davon, was ihn und seine Frau Slavica erwartet. Am Rand des Trubels, fast unbeachtet, weil geschlossen - der Gasthof Tauscher. Von Einheimischen erfuhr der 46-Jährige, welch eine Institution das Haus in und für Erlbach einst war. Wäre er bis zum Frühschoppen-Montag geblieben, hätte er es selbst hautnah spüren können: dass dieser Tag im Tauscher begründet wurde und zum Kult geworden ist, mittlerweile bis zur Neige ausgelebt im Alten Schloss.

Stragan Benko und seine Frau Slavica (42) - sie wurde in Kroatien geboren und kam vor 18 Jahren nach Deutschland - können die Vergangenheit nicht wieder aufleben lassen und sie wollen es auch nicht. Aber sie haben den Gasthof Tauscher nach langem Dornröschenschlaf seit der Schließung wieder zum Leben erweckt. Allein das nötigt Achtung ab. Warum gerade sie und er, die Heilpraktikerin und der Podologe aus Stuttgart? "Wir sind Abenteurer und wollen immer etwas Neues versuchen, immer wieder etwas bewegen. Mein Mann hat im Internet herausgefunden, dass der Gasthof Tauscher zum Verkauf steht. Er interessiert sich sehr für Immobilien. Im August letzten Jahres haben wir alles geregelt", erzählt Slavica Benko und betont gleichzeitig, dass diese Entscheidung wohlüberlegt war. "Wir haben schon Erfahrungen in der Gastronomie und mit Hotels. Das ist unser Hobby. Wir wollen etwas in Schwung bringen, dafür sind wir da. Uns hat Erlbach gereizt." Nicht nur deshalb gereizt, weil hier im Gegensatz zu Stuttgart Feinstaubbelastung ein Fremdwort ist. Nicht nur wegen der schönen Landschaft. Nicht nur wegen der günstigen Lage.

Über der Tür steht immer noch Tauscher. Das knüpft vom Namen her ans einstige Image an. Aber aus dem Gasthof ist ein Flammkuchenhaus, eine Flammerie geworden. Warum? Slavica Benko: "Wir essen Flammkuchen selbst gern und so etwas gibt es hier in der Region noch nicht." Auf der Speisekarte stehen also nicht herkömmliche Gerichte wie Sauerbraten, gebackene Klöße oder Schnitzel, sondern die Spezialität aus dem Elsass in verschiedenen Variationen. Als Referenz an die Region: "Vogtländer" - mit Zwiebeln, Kochschinken und Pilzen, und "Erlbacher" - mit Roastbeef und Pilzen. "Wir sind erst am Anfang", sagt Küchenchef Stragan Benko, "und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann auch Haxe oder Schweinebraten anbieten. Mal sehen, wie sich hier alles entwickelt."

Seit August vergangenen Jahres ist schon eine ganze Menge passiert. Die Gaststube wurde renoviert mit Hilfe einheimischer Firmen und auch moralischer Unterstützung von Einwohnern. "Wir sind in Erlbach freundlich aufgenommen worden. Das können wir gar nicht anders sagen." Ein guter Anfang.

Vorerst wird die Flammerie nur am Wochenende geöffnet sein, Samstag von 15 bis 21.30 Uhr und Sonntag von 11.30 bis 21 Uhr. Mehr Zeit bleibt Slavica und Stragan Benko nicht, denn dann müssen sie zurück nach Stuttgart - "zu unseren Geschäften". Viereinhalb Autostunden nehmen sie für ihre Flammerie gerne in Kauf, und was die Zukunft bringen wird, das steht in den Sternen.

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