Weiter Handarbeit in Hammerbrücke

Ab 2019 wollte der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen mit dem Wernesgrüner Schienen-Express durchgehend von Muldenberg bis Schönheide-Ost verkehren. Aber nicht nur aus dem Anschluss in Muldenberg wird scheinbar wieder nichts.

Muldenberg.

Marco Drosdeck ist sauer. Vor den Mitgliedern des Fördervereins Historische Westsächsische Eisenbahnen (FHWE) liegt bei der Betreibung des Wernesgrüner Schienen-Express am Bahnhof Hammerbrücke weiter kräftezehrende Handarbeit beim Rangieren. Der Antrag des Vereins auf einen Zuschuss aus dem sogenannten Mauerfonds für den Bau einer Weiche in Hammerbrücke wurde durch das sächsische Finanzministerium abgelehnt. Über den Mauerfonds können in den neuen Bundesländern wirtschaftliche, soziale und kulturelle Projekte unterstützt werden. Vorangegangen war bereits die Ablehnung eines Antrags für eine Anbindung an Muldenberg durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), abgestimmt mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium.

Dabei liegt eigentlich ein erfolgreiches Jahr hinter der FHWE. Im Juni war Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch gemeinsam mit Landrat Rolf Keil (CDU) gekommen, um am Bahnhof Hammerbrücke der Übergabe eines barrierefreien Motor-Draisinen-Waggons und eines barrierefreien Bahnsteigs beizuwohnen. Der Bahnhof Schönheide-Ost kann mit 150.000 Euro aus dem Leader-Programm für ländliche Entwicklung saniert werden.

Ziel des FHWE ist es, den seit 2008 zwischen Schönheide-Süd und Hammerbrücke verkehrenden Wernesgrüner Schienen-Express bis Schönheide-Ost zu verlängern - und in Muldenberg mit dem Wiedereinbau einer Weiche direkten Anschluss an das Netz der Vogtlandbahn zu bekommen. Verbunden werden sollte das Bahnprojekt zudem mit dem Radtourismus, und zwar über den Muldetalradweg, der inzwischen von Aue bis Schöneck ausgeschildert ist.

Als der Verein dann auch noch nach jahrelangen Bemühungen von der Deutschen Bahn das rund 18 Kilometer lange Teilstück zwischen Schönheide-Ost und Muldenberg samt 458.000 Quadratmeter Grundstücksflächen erwerben konnte, schien man dem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.

"Der Streckenkauf sichert den Fortbestand des Vereins und seines touristischen Angebotes, des Wernesgrüner Schienenexpresses", sagte Drosdeck damals. Der Vereinsvorsitzende staunt dabei selbst, wie viel Geld in den vergangenen 17 Jahren in die Strecke, ihre Anlagen und Gebäude geflossen ist. Darunter fallen der Kauf und die Sanierung des Bahnhofs Schönheide-Süd (Wilzschhaus), die Sanierung des Güterschuppens in Carlsfeld und der Erwerb des Bahnhofsgebäudes Schönheide-Ost 2009.

Der FHWE ist inzwischen Eigentümer einer Fläche von fast einer halben Million Quadratmetern in Vereinseigentum. Drosdeck: "Wir haben zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Wir sind aus dem ungünstigen Mietverhältnis raus, Eigentümer von Grund und Boden und haben damit die Grundlage gelegt, in die Strecke investieren zu können."

Die Freude währte nicht lange. Die Wiederanbindung der Bahnstrecke an Muldenberg, die sich der Freistaat Sachsen - unterlegt mit dem Aufstellen einer entsprechenden Tafel - schon 2009 auf die Fahnen geschrieben hatte, wurde wieder abgelehnt. In der Begründung durch das Lasuv heißt es unter anderem, dass dem Vorhaben ein schlüssiges Gesamtverkehrskonzept fehle.

In einem Schreiben an die vogtländischen Landtagsabgeordneten verwies nun Drosdeck darauf, dass Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mehrfach zu Gast war und dem touristischen Bahnprojekt Investitionen in Millionenhöhe angekündigt hatte, von denen nichts angekommen sei. Für ihn als Vereinsvorsitzenden stelle sich daher die Frage nach der Glaubwürdigkeit sächsischer Politik.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...