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Die ehemalige Fabrik in Zwotental: "Blick ins Freie" ist Firmenname und Hausbezeichnung in einem.

Foto: Christian SchubertBild 1 / 2

Weltläufigkeit am Waldrand

Filmemacher und Fotograf René Eckert lebt in einer ehemaligen Instrumentenfabrik in Zwotental. Warum einer, der die Welt gesehen hat, sich bewusst für diesen Ort entschied.

Von Tino Beyer
erschienen am 12.05.2018

Zwotental. Alles ist offen. Ein Wohnraum komplett ohne Wände. An einem Ende stehen Betten, dazwischen Schreibtisch und Sofa. Am anderen Ende befinden sich Küche, Esstisch und das Bad, ebenfalls offen. Eine Etage tiefer gibt es eine Ferienwohnung. Ziegelwände, große Fenster, mit Blick ins Freie. Diesen Namen, den Namen seiner Firma, hat René Eckert auch seinem Zwotentaler Domizil gegeben. Hier lebt er mit Partnerin Maria und Söhnchen Kiril. Und hier lebt er sich aus. Seit vier Jahren ist die ehemalige Instrumentenfabrik das Zuhause des früheren Auerbachers.

Aus einer Brache hat René Eckert etwas Besonderes gemacht. Besonders in Bezug aufs Wohnen. Aber auch in dem, was drin steckt. Ein offenes Haus, das offene Menschen anzieht. Von weiter her, aber auch aus der Nachbarschaft. Musiker, zum Teil namhafte, die hier einmal im Monat im intimen Rahmen ein Konzert geben. Mit dabei: Bekannte, Freunde und Freundes-Freunde aus der Großstadt, die diesen inspirierenden Ort für ein paar Tage in sich aufsaugen. Nicht selten treffen sie hier auf Vogtländer. Leute, die ihre eigene Prägung haben. Coole Typen, von denen es im oberen Vogtland viele gibt. "Je länger ich hier lebe, desto mehr kriege ich von diesen Leuten mit", sagt René Eckert. "Aber das braucht Zeit." Er bringt diese Menschen zusammen. Und er bringt das mit, was beide Gruppen zusammenbringt: einen freien Geist, aber auch die notwendige Bodenhaftung, ohne die es in Zwotental nicht geht.

Die Geschichte von René Eckert ist eine, wie sie unsere Zeit gerade häufiger schreibt. Eine Geschichte von Aufbruch und Rückkehr. Von Weltläufigkeit und Heimatliebe. Geprägt von dem Gefühl, einer sich gehetzt fühlenden Generation, endlich etwas ganz tun müssen. Ganz oder gar nicht.

René Eckert, 38, stammt aus Auerbach. Einzelhandelskaufmann hat er gelernt im Rodewischer Hellweg-Baumarkt. Zuvor war er auf dem Gymnasium. "Aber ich hatte keinen Bock drauf", erinnert er sich. Aber studieren, das wollte er irgendwann. "Wegen des Studentenlebens." Eckert packte es an, machte sein Fachabitur in Rodewisch und ging 2002 schließlich nach Leipzig, um Betriebswirtschaft zu studieren. Er hat es bis 2008 durchgezogen. Auch wenn sein Interesse vor allem dem Snowboardfahren galt. "Alle zwei Wochen waren wir in den Alpen." Die Snowboardszene brachte ihn schließlich mit Filmemachern und Fotografen in Kontakt, er stieg selbst dort ein - und das erfolgreich. Von Alaska bis China war er weltweit unterwegs. Red Bull und Servus TV waren Auftraggeber in dieser Zeit, Leidenschaft, Beruf und Privates kaum noch zu trennen. "Am Ende war es Stress. Ich habe zu viel gearbeitet", sagt René Eckert rückblickend. 2012 war die Luft raus. Er verkaufte seine Technik, nahm über Monate keine Kamera mehr in die Hand.

Für den Vogtländer war es ein Wendepunkt. In ihm wuchs der Wunsch nach Abgeschiedenheit, nach Wald, ohne Angst, etwas zu verpassen, wie er sagt. Er suchte nach einem Objekt mit großen Fenstern. Wie in Leipzig sollte es sein. Als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, kam das Immobilienangebot aus Zwotental. Er griff zu und lebte ein Jahr lang karg - um es freundlich auszudrücken. "Ich habe überlegt: Will ich das? Will ich mich verschulden?" René Eckert fand ein Ja und packte an. Viele halfen mit. Mit Handwerkern habe er manchmal diskutieren müssen. Seine Ideen und Vorstellungen - nicht jedermanns Sache. Bereut hat er seinen Weg bis heute nicht. Was er auch schaffen wollte: einen Ort, der andere für das Leben auf dem Land inspiriert. "Viele brauchen ein Beispiel", sagt er.

Seinen Lebensunterhalt verdient René Eckert als Filmemacher. Seit 2008 ist er selbstständig. Firmenname von Anfang an: "Blickinsfreie". Unter anderem produziert er Werbe- und Imagefilme. Neuestes Projekt: Für die Freistaat-Kampagne "So geht Sächsisch" dreht er einen Clip übers Vogtland. Arbeiten kann er in Zwotental bestens. Denn es liegt Glasfaser. "Ich habe hier das schnellste Internet, das ich jemals irgendwo hatte." Als Künstler sieht er sich nicht. Eher als Handwerker. Pläne, etwa hier auch Workshops anzubieten, will René Eckert in Zukunft verwirklichen. Seine Freundin Maria, sie stammt aus Bulgarien, arbeitet bei GK Software. Auch ein Punkt von Weltläufigkeit am Waldrand. Fast wie bei René Eckert.

 
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