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Eingetreten: Der Zaun ist kaputt. Hexe Margitta Schier und ihre Kolleginnen ließen Bauzäune aufstellen.

Foto: Ellen LiebnerBild 1 / 3

Diebstahl und Zerstörungswut: Die Hexen schieben Frust

Die Weberhäuser gehören zu den romantischsten Orten Plauens. Allerdings nur für die Besucher: Kleinkriminelle stören die Mitarbeiter bei der Arbeit. Manche randalieren.

Von Manuela Müller und Ellen Liebner (Fotos)
erschienen am 15.11.2017

Plauen. Die übelste Geschichte liegt ein paar Wochen zurück. Jemand hatte Margitta Schiers Handtasche mit Papier vollgestopft. Das Portmonee war weg, das Handy auch. Damit die Tasche nicht in sich zusammenfällt, hatte jemand Papier hineingepresst.

Die Hexen werden immer wieder beklaut. Die Frauen um Margitta Schier, die die Weberhäuser am Mühlgraben bewirtschaften, bezeichnen sich selbst als Hexen. Sie halten die alten Häuser vor der Stadtmauer in Schuss und verzaubern Kinder mit Handwerkskunst. "Wir sind wie ein Museum. Wenn wir uns einriegeln, können wir nicht arbeiten", sagt Margitta Schier.

Die Sache mit den Diebstählen schaukle sich seit einem Jahr hoch. Die Frauen des Unikat-Vereins zählen nicht mehr, sie zählen nur noch auf: mehrere Handys, Handtaschen, Schlüssel, Uhren, Pflanzen. Vor wenigen Tagen hat jemand die Spendenbox aus der Wand gerissen. Das ist ein alter gelber Briefkasten, in den man Geld für den Verein stecken kann. Margitta Schier hatte ihn vor ein paar Jahren über Umwege zurückbekommen. Als sich damals jemand an der Spendenbox vergriffen hatte, war sie samt Inhalt verschwunden. Margitta Schier fand sie bei einem Trödler wieder.

Der Schaden ist meist so gering, dass weder die Öffentlichkeit noch die Polizei groß Notiz nehmen. "Ich habe einen ganzen Stapel Briefe, in denen steht, dass die Ermittlungen eingestellt wurden", sagt Kerstin Rüffer vom Unikat-Verein. Sie rufe nicht jedes Mal die Polizei.

Keine Woche vergehe ohne Ärger. Manchmal werde randaliert. Bei einem der Häuschen hat jemand eine Scheibe eingeschlagen, und am Fußweg hinter dem Garten steht ein kaputter Zaun. Mehrere Latten fehlen. Mit Bauzäunen versuchen die Hexen, ihr Gelände zu schützen. Vergangenes Weihnachten hatte ein Einbrecher eine Tür aus den Angeln gerissen, um ins Büro einzusteigen.

Die Frauen haben ihre Theorie zu den Tätern. Es könnten Drogensüchtige sein, sagen sie. "Plauen hat ja ein Drogenproblem. Vielleicht wird das Areal für Geschäfte genutzt, von denen wir nichts ahnen", sagt Kerstin Rüffer. Auch die Polizei gibt an, dass viele Diebstähle und Einbrüche in der Stadt der Beschaffungskriminalität zuzuordnen sind. Manchmal spüle der Mühlgraben das Diebesgut an, Schlüssel, Geldkarten aus Portmonees. Kerstin Rüffer klauten die Diebe einen Lederrucksack samt Inhalt, Margitta Schier drei Handys und die Handtasche.

Die Hexen sperren jetzt alles ab. Das ist ein bisschen, als sei ihr Weltbild zerstört: "Wir wollten immer ein offenes Haus sein", sagt Kerstin Rüffer. Sie haben Überwachungskameras versteckt. Die Polizei habe empfohlen, einen Scheinwerfer mit Bewegungsmelder aufzustellen. Dafür fehle ihnen aber das Geld.

Die Stadt und der Kulturraum bezuschussen die Arbeit in der ältesten Häuserzeile Plauens. Geld für besseres Licht haben die Frauen noch nicht beantragt bei der Stadt. Aber der Zeitpunkt sei ungünstig, so Stadtsprecherin Silvia Weck. Gerade laufen die Haushaltsgespräche für das nächste Jahr. Danach müsse man sehen, von welcher Größenordnung man bei den Weberhäusern spreche.

"Uns wäre geholfen, wenn die Leute, die uns besuchen, aufmerksamer sind", sagt Margitta Schier. Sie hat neuerdings eine Gürteltasche mit ihren Wertsachen umhängen. Manchmal steht sie vor ihren Gästen, fällt in Gedanken und fragt sich, ob sie die Tür vorhin abgeschlossen habe. "Die Leichtigkeit ist weg. Man fällt von einer Panikattacke in die nächste."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 15.11.2017
    14:13 Uhr

    voigtsberger: Na so was und da werden Drogensüchtige als Hauptverdächtigte ins Spiel gebracht und die gibt es nicht erst, wie die Straftaten, erst vor seit einen Jahr. Wem wird es wohl seit ein paar Jahren in unseren Land und in Plauen geben, die besonders fast täglich mit Problemen und Straftaten in Erscheinung treten (Tunnel)?

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