Edelsauna-Bauer kauft Ruine

Bernd Erdmann lässt in seinen Saunen Sportler, Schauspieler und Scheichs schwitzen. Mit seinen Kindern hat er das Rittergut Geilsdorf gekauft, eine der bekanntesten Ruinen des Vogtlands. Die bringt ihn nun selbst ins Schwitzen.

Weischlitz/Geilsdorf.

Es liegt im Vogtland wie ein Schandfleck, den keiner weggeputzt bekommt. Zu kaputt, um das Altersheim dort zu lassen, das drinnen war. Zu uncharmant als Projekt für den Landkreis. Nun kam Bernd Erdmann. Der Unternehmer, der Saunen baut, hat das Rittergut Geilsdorf zusammen mit seinen Kindern gekauft. Schon vor drei Jahren hat er die Ruine am Ortseingang des Dorfes vom Landkreis übernommen. Der Preis sei fair gewesen.

Er hat schon einige Ruinen saniert, sagt Erdmann. Die alte Stickerei von Weischlitz zum Beispiel, in der seine Saunabau-Firma sitzt. Und sein Wohnhaus. Eigentlich ist er Holzbildhauer mit einer Schwäche für alte Gebäude. Das Rittergut bringt ihn ins Schwitzen. "Das ist wie beim Domino: Du greifst etwas an, und links und rechts davon stürzt etwas ein", sagt er.

Zum ersten Mal spricht der Saunabauer über seine Rittergutspläne. Das Anwesen sei rund 70.000 Quadratmeter groß. "Wir wollten Ferienwohnungen ausbauen", sagt Erdmann. Das habe die Familie inzwischen verworfen. Aktuell arbeite er an einem neuen Konzept und führe bereits Gespräche mit Investoren, Banken und dem Bürgermeister. Konkretes gibt Erdmann noch nicht bekannt. Fakt sei aber, dass er das Grundstück nutzen will.

Aktuell sieht es nach Abriss und Neubau aus. Das Gebäude sei nicht mehr denkmalgeschützt. "Der Landkreis hatte schon die Abrissgenehmigung. Wir wollten wenigstens versuchen, etwas davon zu erhalten", sagt der Unternehmer. Das geplante Wachküssen aus dem Dornröschenschlaf führte bisher zum kollektiven Seufzer bei den Erdmanns. Die Decken und Fußböden sind weggefault, an manchen Stellen fällt das lange Gebäude zusammen. Ein Zwischenbau ist bereits abgerissen worden. "Die Realität holt uns immer wieder ein", sagt Erdmann. Den Versuch, das Haus zu entkernen, habe er deshalb vorerst auf Eis gelegt: "Wir reißen immer neue Löcher."

In der Nachbarschaft hat sich herumgesprochen, wem das Grundstück gehört. Der "Freien Presse" liegen Beschwerden vor. Unter anderem über mangelnde Sicherheit. Erdmann zufolge ist das Gebäude verriegelt. Mehrmals pro Woche sei jemand zum Kontrollieren vor Ort. Auf dem parkähnlichen Gelände stehen "Betreten verboten"-Schilder. Zugänglich ist es trotzdem.

Der Sauna-Bauer ist gelernter Holzbildhauer und interessiert sich für Kunstgeschichte: "Ohne diese Leidenschaft hätten wir das Rittergut nicht gekauft." Vor der Wende sei er mit seiner Familie häufig zum Gut spaziert, das damals ein Altersheim war. Hinter dem Gut lag ein Park mit Rehen und Fasanen und einer Gaststätte, in die sie eingekehrt waren.

Das Gut gehörte zur Geilsdorfer Wasserburg. Die soll aus dem 12. Jahrhundert stammen und steht auf der Liste der sächsischen Kulturdenkmale. Heute stehen nur noch Reste eines Eckturms, der 2003 notgesichert wurde.

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