Flüchtlings-WG eingeweiht

In der neuen Wohngemeinschaft Syratal mit zwölf jugendlichen Bewohnern geht es auch darum, das Zusammenleben in der Demokratie zu üben.

Kauschwitz.

Ein Gast hält einen Fußball in der Hand, ein Geschenk für die Jugendlichen. "Was für Sport macht ihr?" fragt die Spenderin Anneliese Ring. "Basketball", sagt ein junger Inder. Alle lachen. Den Fußball nimmt er trotzdem gerne an.

Die Jugend-Wohngemeinschaft (WG) Syratal in Kauschwitz ist gestern durch die Gesellschaft für Senioren- und Behindertenwohnstätten (SBW) eingeweiht worden. Seit dem ersten Januar leben dort zwölf unbegleitete minderjährige Jugendliche aus dem Ausland. Die SBW ist ein Tochterunternehmen des Vogtlandkreises.

"Integration ist das Problem der nächsten Jahre", sagt Landrat Rolf Keil (CDU) in seiner Eröffnungsrede. Er dankt Annett Weidner, Geschäftsführerin der SBW, und ihren Mitarbeitern für das Engagement in der Flüchtlingsarbeit. "Wir wollen Jugendliche fordern und fördern, um sozialen Frieden zu haben", sagt Keil. Er freut sich, dass zwölf junge Männer nun ein Zuhause auf Zeit in Kauschwitz gefunden haben.

Die Jugendlichen kommen auch selber zu Wort und berichten von ihrer Flucht nach Deutschland. Zum Beispiel Abdishukri aus Äthiopien. Um nicht für die Rebellen im Bürgerkrieg kämpfen zu müssen, floh er in den Sudan und schlug sich bis ans Mittelmeer durch, gelangte dann in einem überfüllten Boot nach Italien. "Der Motor ging kaputt und wir trieben auf dem Meer. Doch wir hatten Glück. Ein Containerschiff rettete uns", sagt der 17-Jährige. Jetzt kann er eine Schule besuchen. Er liebt es, Fußball zu spielen und möchte einmal Kindergärtner werden.

Alle zwei Wochen gibt es einen Bewohnerrat in der WG, wie Heimleiterin Anja Leipold erklärt. Da werden aktuelle Probleme besprochen, zum Beispiel, wenn ein Fliegengitter fehlt oder das W-Lan nicht funktioniert. Insgesamt sieben Mitarbeiter kümmern sich um die Jugendlichen. 24 Stunden am Tag ist jemand zugegen.


Die Wohngemeinschaft in Kauschwitz

In der neuen Wohngemeinschaft in der Wohnstätte Syratal im Plauener Ortsteil Kauschwitz leben seit Jahresbeginn unbegleitete minderjährige Ausländer. In der Einrichtung finden Jugendliche ab 14 Jahren bis zur Volljährigkeit und mit entsprechender Genehmigung auch über das 18. Lebensjahr hinaus einen neuen Lebensmittelpunkt.

Annett Weidner, Geschäftsführerin der SBW-Vogtlandkreis, leitet sowohl die WG als auch die Inobhutnahmestelle in Rodewisch. In Kauschwitz erhalten traumatisierte Flüchtlinge eine 24-Stunden-Betreuung. Die Unterkunft ist zudem auf Bewohner mit körperlicher Behinderung eingestellt. Die WG ist damit bisher einmalig im Vogtlandkreis. (em)

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