Hausarztsuche in Plauen: Praxen weisen Patienten ab

Immer wieder werden erkrankte Plauener aus den Vorräumen von Allgemeinmedizinern weggeschickt. Zwei konkrete Fälle - und eine Probe aufs Exempel.

Plauen.

Dietmar Habermann fasst sich an den Kopf: "Das kann doch nicht sein!" Elf Allgemeinmediziner in Plauen klapperte er mit seiner Tochter ab, als die eine schwere Angina erwischt hatte: "Nirgends gab es eine Behandlung oder wenigstens ein Rezept. Nichts!", so Habermann. "Kein Wunder, dass die Rettungsstellen der Krankenhäuser überfüllt und überlastet sind", fügt der Oelsnitzer hinzu.

Für die Berufsausbildung ist seine 18-jährige Tochter nach Plauen gezogen. Bisher ging sie in Thüringen zur Schule. In einer Praxis sei ihr deshalb sogar geraten worden, doch wieder zu ihrem alten Hausarzt zu fahren, schüttelt Habermann den Kopf. Die Begründung war überall gleich: Es würden zurzeit keine neuen Patienten aufgenommen. Dabei sei seiner fiebrigen Tochter wirklich anzusehen gewesen, dass es ihr schlecht geht, so Habermann.

Was ist los in Hausarztpraxen der Spitzenstadt? Vor allem neu nach Plauen Gezogene scheint die Suche nach einem Doktor auf die Geduldsprobe zu stellen. Davon berichtet jedenfalls auch Pascal von Knoche. Nach mehreren vergeblichen Anläufen habe er in dieser Woche erst im Ärztehaus an der Neundorfer Straße einen Termin erhalten, aber auch "nur widerwillig". Nach mehreren vergeblichen Anläufen zuvor hatte er sich an die "Freie Presse" gewandt. Ins Krankenhaus ging er mit seinen akuten Beschwerden nicht: "Für die alltäglichen Sachen ist der Hausarzt da. Nicht die Rettungsstelle", sagt von Knoche.

Vater Dietmar Habermann wusste sich am zweiten Tag der vergeblichen Arztsuche jedoch keinen anderen Rat mehr - und fuhr mit seiner Tochter schließlich in die Rettungsstelle des Helios Vogtland- Klinikums. Dort erhielten sie einen Termin bei einer Allgemeinmedizinerin des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) vermittelt. Die gute Nachricht: Die junge Frau darf nun weiterhin Patientin der Praxis bleiben.

Das Problem der schwierigen Hausarztsuche ist verantwortlichen Stellen bekannt: "Die Versorgungsprobleme in Plauen unterscheiden sich nicht grundlegend von Problemen in anderen Regionen", sagt Carmen Baumgart, Geschäftsführerin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Der statistisch ermittelte Versorgungsgrad mit 60 Hausärzten in Plauen und Umgebung zur Anzahl der Versicherten liege bei 120,5 Prozent. Erst bei einem Versorgungsgrad unter 75 Prozent spricht die Kassenärztliche Vereinigung, die über Neuzulassungen niedergelassener Ärzte entscheidet, von einer Unterversorgung. Bisher sei das im Vogtland nur in Reichenbach und Umgebung der Fall, so Baumgart.

Die Kassenärztliche Vereinigung räumt ein, dass sich das Hausarzt-Problem in Plauen zuletzt verschärft hat: In den Jahren 2015 und 2016 mussten drei Praxen schließen, nachdem sich für sie kein Nachfolger gefunden hat. Nur eine Praxis wurde von einem neuen Arzt übernommen.

Die Vereinigung bemüht sich nach eigenem Bekunden um eine verstärkte Förderung von Berufsnachwuchs: "Obwohl das Interesse am Medizinstudium groß ist, reichen die Ausbildungskapazitäten in Deutschland nicht", heißt es auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Sie fördert Studenten, die in Ungarn studieren - wenn die sich im Gegenzug zum Allgemeinmediziner verpflichten und später fünf Jahre in einer ländlichen Region Sachsens praktizieren.

Um in Plauen kurzfristig einen Hausarzttermin zu erhalten, hilft das wenig. Anonym machte die "Freie Presse" die Probe aufs Exempel: Als gesunde, frisch nach Plauen gezogene Auszubildende wurden zwölf Hausärzte kontaktiert: Vier davon persönlich, acht telefonisch. Ergebnis: Drei Praxen waren bereit, die Patientin aufnehmen. Absagen gab es neun. Vor allem am Telefon wurde eher abgewimmelt. Und: Die Zu- und Absagen wichen von denen ab, die Habermann und von Knoche gemacht hatten.


Was die Krankenkasse rät

Die AOK Plus gibt an Versicherte, die einen neuen Hausarzt suchen, Arztlisten aus. Die Praxen dürfen die Neuaufnahme von Patienten verweigern, wenn sie schon voll ausgelastet sind. Dies gewährleiste die Betreuung jener Patienten, die bereits in Behandlung sind, räumt die AOK Plus ein.

"Ausgenommen davon sind akute Notfälle. Kein Patient mit gesundheitlichen Problemen muss befürchten, von einem Hausarzt abgewiesen zu werden", sagt Pressesprecherin Hannelore Strobel. Ist der Notfall überstanden, können Ärzte eine Weiterbehandlung verweigern.

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