Werbung/Ads
Menü
Ein seltenes Bild: Der Überlauf der Talsperre Pirk während des Juni-Hochwassers 2013. Viele Schaulustige gingen noch zum Höchststand auf dem Damm spazieren. Das soll es so nicht wieder geben. Beim nächsten Ernstfall wollen die Verantwortlichen aus Sicherheitsgründen alles absperren.

Foto: LTV

Hochwasser: Neue Gefahrenkarte kommt

Das Vogtland soll vor Flut-Ereignissen besser geschützt werden. Die Behörden wollen deshalb Daten neu aufbereiten. Auch eine besonders aufwendige Maßnahme ist für nächstes Jahr durch die Landestalsperrenverwaltung in Planung.

Von Nicole Jähn
erschienen am 16.04.2018

Plauen. Es rauscht mehr Wasser die Göltzsch und die Weiße Elster hinunter - auch ohne Starkregen oder extreme Wetterereignisse. "In manchen Bereichen sind die Abflüsse in den vergangenen Jahren um zehn oder mehr Prozent gestiegen. Das ist eine erhebliche Nummer", sagt Gerd Zobel, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV) für den Bereich Zwickauer Mulde/Obere Weiße Elster. Anderswo im Vogtland ist der Wasserstand aber auch zurückgegangen, weniger fließt in die Gewässer ein.

Für den Ernstfall müssen neue Gefahrenkarten her. 2019 soll die Weiße Elster dafür aufwendig vermessen werden, von der deutsch-tschechischen bis zur Grenze nach Thüringen. Drohnen und modernste Technik kommen zum Einsatz. Die letzte Vermessung fand 2005 statt, lange vor dem auch in der Region kritischen Juni-Hochwasser 2013. Sind die Daten erfasst, werden im Modell Extremsituationen simuliert. Bei einem Jahrhunderthochwasser (HQ 100) ist das Plauener Stadtbad noch da, bei HQ 200 wäre alles zu spät. "Wir geben die Karten und neue Erkenntnisse an die Kommunen weiter", sagt Zobel. Dass in der Folge weitere Hochwasserschutzmaßnahmen seitens des Freistaats für das Vogtland beschlossen und auch bezahlt werden, glaubt er nicht. "Es gibt Städte wie Pirna oder Meißen, wo in Sachen Hochwasserschutz noch nichts passiert ist", sagt Zobel. "Da gilt es abzuwägen."

Im Vogtland ist schon etwas passiert. Mehr als 15 Millionen Euro sind seit 2011 laut Angabe der LTV in den Hochwasserschutz an Göltzsch und Weißer Elster geflossen, sowie fürs Instandhalten der Talsperren. Einige Arbeiten laufen aktuell, wie die Beseitigung der Hochwasserschäden an der Göltzsch in Ellefeld und Rodewisch. Weitere 2,5 Millionen Euro sollen in Mylau verbaut werden. Dort beginnt noch dieses Jahr der Ersatzneubau der Brücke am Karl-Marx-Ring, im Anschluss werden Böschungen und Ufermauern neu angelegt. Alternativen zum konventionellen Hochwasserschutz, der in der Kritik steht, das Problem nur flussabwärts zu verlagern und Fließgeschwindigkeiten zu erhöhen, seien in der Region kaum umsetzbar. "Das Göltzschtal und auch die Elsteraue sind in weiten Teilen dicht bebaut", sagt Zobel. "Überflutungsflächen machen erst ab einer Größe von 50 Hektar wirklich Sinn."

Auch die Talsperren sind für den Hochwasserschutz in der Region maßgeblich. Ein Beispiel: Ohne Pirk wären zum Juni-Hochwasser 100 Kubikmeter pro Sekunde mehr Richtung Greiz geflossen. Die Mitarbeiter zögerten den Überlauf so lange als möglich hinaus. "Die Pirk ist klein, unsere Möglichkeiten sind leider schnell erschöpft", sagt Anja Lorenz. Sie ist im Betrieb für die sechs Talsperren im Vogtland verantwortlich. "Wir müssten die Pirk das ganze Jahr fast trocken liegen lassen, wenn wir sie nur als Reservoir für den Hochwasserschutz begreifen. Das ist aber mit dem Tourismus nicht vereinbar, an den wir auch denken." In Pöhl konnte der Überlauf dank Steuerung verhindert werden. Es hätten nur zwei Zentimeter gefehlt. Vorheriges Entlasten sei oft nicht möglich, reißende Wassermassen durchs Triebtal zu gefährlich. Funktionsproben verlegen die Ingenieure deshalb - in die Nacht.

 
Seite 1 von 2
Hochwasser: Neue Gefahrenkarte kommt
Ausgewählte Maßnahmen
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
6
Kommentare
6
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 16.04.2018
    22:15 Uhr

    2drea5: Den Flüssen mehr Raum geben, sollte die Aufgabe sein. Die Bebauung der Auen engt Flüsse ein und bringt die bekannten Gefahren.

    0 2
     
  • 16.04.2018
    18:13 Uhr

    WilhelmTell: Das kann man schon unter einen Hut bringen. Der Forggensee bei Füssen und dahinter folgende Staustufen sind z. Z. fast leer. Die Frühjahrshochwässer füllen sie auf - ausreichend Reststauraum für Sommerhochwässer muss erhalten bleiben. Bis die Touristen kommen ist genug Wasser drin um sie als Freizeitseen zu nutzen.

    1 1
     
  • 16.04.2018
    16:29 Uhr

    Tauchsieder: Richtig "W.T.", beide Nutzungen sind nicht unter einen Hut zu bringen. Da gibt es Forderungen des Tourismus den Staupegel hoch zu halten um dem Freizeitspaß genüge zu tun. Auf der anderen Seite steht der Hochwasserschutz für die Unterlieger angeblich auf der Prioritätenliste ganz oben. Wie will die LTV diesen Spagat hinbekommen.
    Wer diese Kostenfresser erhalten will, um z.B. Schwimmen, Segeln oder Angeln zu gehen, soll auch entsprechend dafür bezahlen. Das Gescheiteste wäre ein Hochwasserrückhaltebecken. Damit würden die Freizeitler aber auf dem trockenen sitzen.

    1 3
     
  • 16.04.2018
    13:53 Uhr

    WilhelmTell: In unserer Informationsgesellschaft haben behördliche Lügen gaaanz kurze Beine und die Lügner erkennbar laaange Nasen.
    Die Talsperren wären nur dann für den HW-Schutz nützlich, wenn man wie z. B. beim Allgäuer Forggensee und dem folgenden Dutzend Lechstaustufen den Wasserspiegel vor der HW-Zeit soweit absenkt, dass auch große HW-Ereignisse in der Stauraumreserve aufgefangen werden können. Dass das für die Freizeitnutzung nicht optimal ist nimmt man hin, weil der HW-.Schutz der Anliegerkommunen am Lech und dann Donauabwärts Priorität hat. Das einzusehen bracht man nicht Wasserbau studiert zu haben odert Politiker sein, dafür sollte der gesunde Menschenverstand jedes Normalbürgers genügen. Ob er in den "Fachbehörden" ausreichend angewandt werden darf bezweifle ich allerdings manchmal.

    0 4
     
  • 16.04.2018
    13:44 Uhr

    WilhelmTell: Wozu eigentlich der erneute Aufwand, wenn das LRA die Schutzziele ignoriert? Es gibt schon eine nach dem HW 2002 erstellte Gefahrenkarte für Reichenbach.
    Das LRA ließ zu, dass ein 1995 rechtswidrig errichtetes Wehr bestehen bleiben durfte und genehmigte es rechtsfehlerhaft 1996 rückwirkend.
    2008 stellte das RPC fest, dass diese Wehr die Hochwassersituation verschärft und empfahl den Rückbau (lies: Abriss)
    2013 erließ das SMUL nach den Sommer-HW eine Weisung, dass unrechtmäßige, rechtsstreitige Stauanlagen oder solche die den HW-Abfluss beeinträchtigen aufzulassen sind, beseitigt werden sollen.
    2016 genehmigte das LRA - im Widerspruch zu den §§ 6 und 12 WHG - klammheimlich ohne Öffentlichkeitsbeteiligung - an diesem Risikowehr im ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet einen Aufstau um 60 cm
    > obwohl aus der schon bestehenden Gefahrenkarte Reichenbach bekannt war: Schutzziel HQ 25, Abflussleistung ohne Stauwehr HQ 20, Überschwemmung durch Wehr schon ab HQ < 2. = Zunahme der statistischen Überschwemmungshäufigkeit um den Faktor 10 (i. W. zehn) - wer soll das verstehen?
    Eine behördliche Fehlleistung die für mich leider nur mit Totalignoranz, Begünstigung oder präventivem Gehorsam zu politisch gewollter Wasserrechtsanarchie erklärbar erscheint. Ich bin trotzdem für jede plausible, rechtsstaatlich haltbare Erklärung offen.

    0 3
     

Lesen Sie auch

Bildergalerien
  • 22.04.2018
Andre März
Oelsnitz/Erzgebirge: Auto landet in Vorgarten

Ein betrunkener Dacia-Fahrer hat am späten Samstagabend gegen 23.00 Uhr auf der Bahnhofstraße in Oelsnitz in Richtung Stadtzentrum die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und ist in einem Vorgarten gelandet ... Galerie anschauen

 
  • 13.04.2018
Henning Kaiser
Wie viel Tracking ist gesund?

Köln (dpa/tmn) - Auf dem Bildschirm flackern bunte Kreise auf. Sportler eins kommt nicht so richtig hinterher. Dafür tritt Nummer sechs heute richtig in die Pedale. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 10.04.2018
Noodlecake Studios
Neue mobile Spiele: Große Titel auf kleinen Bildschirme

Berlin (dpa/tmn) - Tekken, das Weltall und Geschichten am Lagerfeuer - das gibt es in den Spiele-Neuheiten für Smartphones. Fünf Titel im Überblick: zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 04.04.2018
Bodo Rickassl
Trend aus Japan: Wellness mit Waldbaden

Garmisch-Partenkirchen (dpa/tmn) - Professor Iwao Uehara schickt seine Patienten in den Wald. Der Forstwissenschaftler von der Universität Tokio lässt Menschen mit Burn-out zum Beispiel gefällte Bäume schleppen und nur das essen und trinken, was der Wald so hergibt. zum Artikel ... Galerie anschauen


 
 
 
Wetteraussichten für Plauen
Di

20 °C
Mi

20 °C
Do

14 °C
Fr

19 °C
Sa

19 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Plauen und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Plauen

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen

Großer Räumungsverkauf im MediMax Plauen.

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08523 Plauen
Postplatz 7
Telefon: 03741 408-0
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 18.00 Uhr
Sa. 9.00 - 12.00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm