Integration bei der Tafel: Iraker findet einen festen Job

Bei der Plauener Tafel ist jeder fünfte Mitarbeiter ein Flüchtling. "Sie empfangen nicht nur, sie müssen auch arbeiten", sagt die Chefin. Gestern war Sachsens SPD-Integrationsministerin dort, um von ihr zu lernen.

Plauen.

Die Debatte um Ausländer bei der Essener Tafel ist verebbt, da kommt die nächste, ganz leise Diskussion. Diesmal in Plauen. Es geht nicht darum, keine weiteren Ausländer als Neukunden aufzunehmen. Es geht um Flüchtlinge hinter dem Tresen.

Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt die Arbeitsloseninitiative Ali Sachsen, die die Tafel betreibt, Asylbewerber. Den Anstoß gab das Jobcenter, sagt Ali-Chefin Konstanze Schumann: "Es gab viele Flüchtlinge und kaum Arbeitsgelegenheiten für diese Leute. Da kamen wir ins Spiel." Die Tafel-Leute waren die Ersten im Vogtland, die sozial Schwache verschiedener Nationen an einen Tisch brachten.

Von Sachsens SPD-Integrationsministerin Petra Köpping hätte Konstanze Schumann jetzt gerne eine Stelle finanziert bekommen. Es geht um den Iraker Ahmed Alkatabi, der gerade als Bundesfreiwilligendienstler bei der Tafel Gemüse putzt. Der 50-Jährige ist Dolmetscher, spricht fünf Sprachen, und deshalb will Schumann ihn als Lotsen behalten. Er soll Lebensmittel-Tüten packen und übersetzen, sobald es klemmt zwischen den Kulturen. Die Stelle sollte über das Ministerium laufen und über die Sächsische Aufbaubank finanziert werden, war aber abgelehnt worden. Schumann organisierte Geld über die Otto-Brenner-Stiftung und sichert Alkatabis Job für die nächsten zwei Jahre. Viele der Tafel-Jobs werden über die Stiftung finanziert.

Als sich die Integrationsministerin gestern die Integrationsarbeit der Tafel erklären ließ, erfuhr sie, wie gut so ein Lotse sei. Köpping wollte die praktische Arbeit vor Ort sehen, und die läuft bei der Tafel so: Etwa jeder fünfte Kunde und etwa jeder fünfte Mitarbeiter ist ein Flüchtling. Über die Akzeptanz auf beiden Seiten will Konstanze Schumann nicht klagen: "Ein paar Dumme hat man immer."

Probleme wie in Essen, wo es bei der Tafel zu Neid-Debatten unter hungrigen Deutschen und hungrigen Asylbewerbern gekommen war, gebe es aber nicht in Plauen. "Wir haben genügend Lebensmittel. Wir holen viel und bekommen viel", sagt sie. Ihre Kühltransporter fahren bis nach Dresden ins Zentrallager der sächsischen Tafeln, sie fahren bis Schmölln zum Wurst-Wolf und tauschen mit der Hofer Tafel Essen aus.

Unter den deutschen Tafel-Kunden macht Schumann zwei Gruppen aus: Ältere mit niedriger Rente und Alleinerziehende. Bei den Ausländern versorgt die Tafel unter anderem Großfamilien. Für sie lässt die Arbeitsloseninitiative in der Kleiderkammer, die sie ebenfalls an der Schlossstraße betreibt, im Sommer die langärmeligen Sachen hängen. Den Hinweis habe der Kulturen-Lotse Alkatabi gegeben, den nun die Brenner-Stiftung statt des Freistaats finanziert.

Die Sprachbarrieren seien hoch. Auch bei Lebensmitteln übersetze der Lotse zwischen Tafel und Kunden, welche Dinge sie suchen. Konstanze Schumann bleiben durch ihren Lotsen lange Debatten erspart. Auch Debatten mit den ausländischen Kollegen. Für manche sei es schwer zu verstehen, dass es in Deutschland Arbeitsverträge gibt, die man unterschreiben muss. "Vor Unterschriften schrecken viele zurück", sagt Schumann.

Das Jobcenter des Vogtlandkreises betreut 797 Asylbewerber, die laut Geschäftsführerin Martina Kober sofort integriert werden könnten. Mehr als jeder vierte Geflüchtete habe einen Job. "Wir haben sachsenweit die beste Integrationsquote", sagt Martina Kober. Die Integrationsministerin hat die langjährige Jobcenter-Chefin gestern für ein Gespräch in den Haushaltsausschuss des Landtages eingeladen.

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1Kommentare
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    aussaugerges
    21.06.2018

    Das ist ja die Krux.
    Hier fühlen sich die Neubürger noch am wohlsten.
    Denn in der DDR wurden die reingeholten Arbeitskräfte auch oft am Anfang am Händchen geführt.
    Und haben es der Gesellschaft für 2 bis 5 Jahre es wieder vielfach zurück gegeben.
    Oft sind sie dann auch da geblieben.


    Und sie haben heute noch eine sehr gute Erinnerung in ihren Heimatländern.

    Das ist aber in dieser Ellenbogengesellschaft, leider nicht mehr möglich.



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