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Eine Reihe stattlicher Bäume stand bis vor kurzem in Gudrun Zehs Garten. Dann mussten sie gefällt werden. Dies findet die Plauenerin nach wie vor falsch.

Foto: Ellen Liebner

Kahlschlag in Schrebergärten: Alle Waldbäume müssen weg

Konifere, Lärche und Co. sollen aus den vogtländischen Sparten komplett verschwinden. Dagegen regt sich Widerstand. Aber es geht um viel Geld.

Von Gunter Niehus
erschienen am 14.06.2017

Plauen. Manchmal berührt Gudrun Zeh die Holzstümpfe in ihrem Garten - selbst wenn es sie schmerzt. "Es waren fünf große, stattliche Bäume", sagte die Plauenerin. "Ihr Durchmesser betrug bis zu 40 Zentimetern." Gudrun Zeh musste eine Lärche, eine Kiefer und drei Fichten aus ihrem Garten in der Sparte "Seehaus" fällen lassen. So wie alle anderen Schrebergärtner in der Anlage.

Dieser Kahlschlag wurde zwar 2014 von der Mitgliederversammlung abgesegnet. Besser macht es das aus Sicht von Gudrun Zeh aber nicht. "Nadelbäume erfüllen eine wichtige Aufgabe", betonte sie. "Je kleiner das Grünzeug - also Nadeln oder Blätter - um einen Zweig verteilt ist, desto größer ist die Gesamtoberfläche. Und desto mehr Sauerstoff wird produziert." Dass in Zeiten von Erderwärmung und Luftverschmutzung ausgerechnet diese natürlichen Luftreiniger der Kettensäge zum Opfer fallen, findet sie frevelhaft. "Die Bäume sind weg und nichts kann sie wiederbringen", so die Plauenerin. "Aber ich hoffe, dass Vernunft einkehrt. Und nicht andernorts weiter gefällt wird."

Im Moment sieht es aber nicht nach einem Stopp für die Säge aus. Sowohl "Seehaus"-Vorsitzender Ralf Müller als auch Gerd Steffen, Geschäftsführer des Regionalverbands Vogtländischer Kleingärtner, stehen hinter dem Beschluss, Konifere, Lärche und Co. zu fällen. "Das ist kein böser Wille, aber wir sind nun mal an die gesetzlichen Vorgaben gebunden", sagte Ralf Müller gestern. "Waldbäume sind in Kleingärten einfach mal nicht zugelassen."

In der Vergangenheit habe man oft alle Fünfe gerade sein lassen, aber das ist ihm mittlerweile zu heikel. "Daran hängt nämlich unter anderem die Gemeinnützigkeit unseres Vereins." Werde diese aberkannt, steige die Pacht pro Quadratmeter von 10 Cent auf 2,10 Euro. "So etwas ist in Sachsen durchaus schon vorgekommen", sagte Müller. "Das kann sich bei uns aber nicht jeder leisten. Demnächst haben wir eine Begehung durch das Landratsamt. Da wird auch auf Waldbäume kontrolliert."

Die entsprechenden Paragrafen gelten nicht nur für das "Seehaus". "Wir sind dabei, die Waldbäume in all unseren Sparten fällen zu lassen", sagte Regionalverbands-Geschäftsführer Steffen. Zum einen natürlich, um die Gemeinnützigkeit zu behalten. Doch es gebe noch einen zweiten Aspekt: "Wenn so ein Waldbaum umfällt und jemanden verletzt oder etwas kaputt macht, zahlt das keine Versicherung", so Gerd Steffen. "Weil der Baum dort ja eigentlich gar nicht hätte stehen dürfen. Auch so ein Fall ist durchaus schon vorgekommen."

All diese Argumente kennt Gudrun Zeh zur Genüge. Aber überzeugt ist sie nicht. "Es kann doch nicht darum gehen, ein Gesetz um seiner selbst Willen durchzusetzen", ist sie überzeugt. "Gesunde Bäume zu fällen, hat einfach nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
8
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 18.06.2017
    08:23 Uhr

    uwe1963: Ich verstehe die Betroffenheit der Medien nicht, wenn es um Einhaltung eines Gesetzes geht, das seit 1990 auch für Kleingartenanlagen der EX-DDR gilt. Vielleicht sollten sich die FP und auch der MDR einmal mit dem Bundeskleingartengesetz auseinandersetzen. Schon der gesunde Menschenverstand verbietet übrigens Bäume, die oft eine Größe erreichen, die den gesamten Bereich eines Kleingartens überschatten. Im Übrigen profitieren die betroffenen Kleingärtner von einem niedrigen Pachtpreis, den es nur in den Kleingartenanlagen gibt. Für ein Erholungsgrundstück, in dem auch Bäume erlaubt sind, ist der Pachtpreis erheblich teuerer.
    Davon mal abgesehen, wo bleibt eigentlich der Aufschrei in den Medien über die vielen Bäume in Sachsen, die an Straßenrändern, in Hausgärten und in den Städten gefällt werden und nicht wieder neu gepflanzt werden ?

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  • 15.06.2017
    17:08 Uhr

    voigtsberger: bicicleta: Was denken sie seit wann Nadelbäume mit 40 cm Stammdurchmesser wohl schon in den Kleingärten stehen und das Anpflanzen von Nadelgehölzen war auch schon vor der Wende in den Anlagen nicht erlaubt. Doch einige konnten sich schon damals alles erlauben und sind nach der Wende schnell in ein Eigenheim gewechselt, doch keiner hat sich bei der meist "alten Garde", bei Aufgabe der Gärten, um die Entfernung
    der Gehölze gekümmert und war froh neue Pächter gefunden zu haben, auf die jetzt alles abgewälzt wird und das meist von den Mitgliedern, die damals "alle Augen zugedrückt "haben.
    1212178: Wie viel Gartenfreund kümmern heute noch um Bodenwerte, das sind meist ältere Gartenfreunde, die auch noch auf Ernte und Ertrag, für sich und ihre Familien den Garten nutzen. Doch die meisten geben doch in absehbarer Zeit ihren Garten aus Altersgründen auf oder wegen der neuen Nachbarschaft, wo es nur darum geht die Kinder sicher zu verwahren, sich selber mit Alkohol zu zudröhnen und die Frauen sich ein ein Sonnenbad gönnen oder doch Kleinigkeiten im Garten erledigen. Aber wer da eine Hecke bei seinen Nachbarn als Zwischenabgrenzung hat, der kann schon einpacken, die verwahrlost zusehens und geschnitten wird nur das notwendigste, aber nicht auf Nachbars-Seite. Auch Lärm und wöchentliche Partys sind da der Sinn im Kleingarten und da kümmert sich kein Vorstand, um Satzung oder Gartenordnung, denn die Störenfriede sind meist Familienangehörige oder "Gute Freunde" der Meinungsmacher in den Vereinen und da sind die die auf Einhaltung der Gartenordnung drängen für die Vorstände die Quertreiber und da ist der saure Boden das kleinste Übel!

    3 3
     
  • 15.06.2017
    02:01 Uhr

    bicicleta: Wenn ich in einem Kleingartenverein einen Garten pachte, muss ich die Regeln des Vereins einhalten. Wenn ich ohne Reglementierung pflanzen will, muss uch mir ein eigenes Grundstück kaufen. Ich verstehe das Geschrei hier überhaupt nicht.

    2 6
     
  • 14.06.2017
    22:41 Uhr

    1212178: Ja, es gibt sie noch, die Kleingärtner, die noch Obst und Gemüse, meist optisch ok, für den Eigenbedarf anbauen. Und die stört es schon, wenn durch Nadelgehölze der Boden versauert und Krankheiten auch die Bäume in Nachbars Garten befallen- die Konifere ist einer der Überträger.

    1 2
     
  • 14.06.2017
    21:37 Uhr

    voigtsberger: Da stellt sich doch für die Kleingärtner und da vor allem dessen Regionalvorstand die Frage, es werden immer mehr Gärten als Freizeitoasen für Familien genutzt und da spielt die gärtnerische
    Nutzung nur eine untergeordnete Rolle, so das pflegeleichte Schattenspender und grüner Sichtschutz mit Koniferen, vor Obstbäume und Beerensträucher steht. Weil mit solchen Maßnahmen, lässt sich der Leerstand in den meisten der Anlagen nicht beikommen oder sollen da Anlagen mit Gewalt vernichtet werden, da diese meist Bestandsschutz haben und die Städte nicht so einfach diese Gartenvereine auflösen können, um die Grundstücke finanziell zu vermarkten. Denn nur die Nadelbäume und Koniferen können es nicht sein und wer hat sich bisher daran gestört, wo es jetzt jedes Obst im Supermarkt gibt und Kinder sowieso nur optisch einwandfreies Obst und Gemüse konsumieren, da steht bei den jetzigen Generationen der Geschmack an zweiter Stelle (Ausnahmen gibt es natürlich).
    Auch das Kleingartenwesen hat sich verändert und da sollte doch auch eine neue Bundeskleingartensatzung u. -ordnung auf der Agenda stehen und nicht das Fällen von nicht gärtnerisch genutzten Bäumen!

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