Malzhaus: Disko-Verbot für Asylbewerber

Flüchtlinge lässt das Kommunikations- und Kulturzentrum nur noch wenige zur Mittwochsdisko rein. Die Integration ins Nachtleben endete oft mit Polizeieinsätzen.

Plauen.

Mittwochs kommt nur noch ins Haus, wer Ausweis oder Aufenthaltstitel hat. Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft und die keinen Pass und keinen Ausweis haben, müssen draußen bleiben. Sein Verein habe lange überlegt, sagt Malzhaus-Sprecher Tommy Ziegenhagen: "Bis es keinen Mittwoch mehr ohne Polizei ging."

Das Kulturzentrum Malzhaus ist aufgrund seiner Geschichte zur DDR-Zeit so etwas wie eine moralische Instanz im Vogtland: tolerant und offen. Ein Verein betreibt heute das Malzhaus, fördert Kunst und Kultur, bekommt dafür Zuschüsse.


Mittwochs ist Disko. Die Diskotheker, die auflegen, wollen sich ausprobieren. Manche sind Neulinge. Auch deshalb ist der Eintritt kostenlos. Nun dürfen nur noch wenige Flüchtlinge mittanzen. Es gab Stress. In manchen Nächten habe die Polizei zweimal eingreifen müssen, sagt Sprecher Tommy Ziegenhagen: "Die Sicherheit geht vor."

Als zunehmend junge Asylbewerber mitfeierten, hätten sich Schwierigkeiten gehäuft. Jacken und Taschen seien gestohlen worden, Portemonnaies verschwanden. Die Männer hätten Frauen bedrängt und begrapscht. Eine Besucherin sei auf der Toilette überwältigt und beinahe vergewaltigt worden. Und manchmal hätten die jungen Männer Flaschenhälse abgeschlagen und sich gegenseitig mit diesen Bierflaschen attackiert. Nachbarn beschwerten sich über Lärm.

Irgendwann seien die Stammgäste weggeblieben, weil es jeden Mittwoch geknallt habe. Tommy Ziegenhagen und seine Kollegen entschieden, dass sie reagieren müssen. Der Sicherheitsdienst, der sonst nur an besucherstarken Disko-Abenden kam, stand nun jede Woche an der Tür. Man habe Hausverbote ausgesprochen und verschickt. Viele davon seien postwendend zurückgekommen, weil der Briefträger, der sie persönlich zustellen sollte, niemanden angetroffen habe. Es gebe auch Deutsche mit Hausverbot. Aber die seien für die Briefträger erreichbar.

"Wir haben gesagt: Wer auffällig ist, fliegt raus. Das hat nicht funktioniert", sagt Mitarbeiterin Ines Männel. Die Vorfälle passierten mittwochs zur kostenlosen Disko-Nacht. Die Malzhaus-Leute überlegten, Eintritt zu nehmen. Dann wäre niemand mehr gekommen, befürchtet Ziegenhagen. Sie überlegten, die Mittwochsdisko sterben zu lassen. Aber nach fast 20 Jahren Tradition?

Den Aufenthaltstitel, den der Sicherheitsdienst jetzt am Einlass sehen will, haben nur wenige Flüchtlinge. Die Polizei sei seit der neuen Regel nicht wieder im Malzhaus gewesen. Die Atmosphäre sei entspannter. "Wir konnten die Sicherheit nicht mehr gewährleisten", sagt Ziegenhagen. Ihm sei klar, dass sich einige hämisch die Hände reiben, wenn ein Zentrum wie das Malzhaus nun Selektion am Einlass betreibe. Viele Flüchtlinge seien mit einem anderen Frauenbild aufgewachsen. Dazu komme der Alkohol, den sie in Deutschland testen.

Die Regel gelte nur mittwochs. An anderen Tagen kämen die jungen Männer zum Kickern und zum Tischtennisspielen vorbei. Der Verein beruft sich auf sein Hausrecht. Für die Disko gebe es keine Finanzzuschüsse, sodass der Verein ohne seine Förderer entschieden habe.

Conne Island heißt ein Club in Leipzig, der als Zentrum der linken Szene gilt. Im Herbst gab es dort ähnliche Probleme. Der Club verschärfte seine Einlasspolitik. Er verstärkte seine Security und verlangt, dass sich Flüchtlinge vorher anmelden. Dafür zahlen sie nur 50 Cent Eintritt. Alle anderen zahlen voll. An der Tür rede der Sicherheitsdienst mit den Club-Gästen - auch mit den Einheimischen. "Wer Stress macht, weiß, da ist jemand", sagt ein Mitarbeiter. Damit sei man der Sache Herr geworden. Gerade habe man einen Flüchtling gefunden, der sich mit an den Einlass stellt. Größere Männergruppen dürfen nicht mehr zum Tanz, die Herkunft spiele dabei keine Rolle. Man mache Tanzveranstaltungen, bei denen sich Frauen wohlfühlen sollen. "Andere Clubs sind eingeknickt und haben den Tanz abgeschafft. Ich kann jeden Club verstehen, der auf gewisse Art und Weise agieren muss", sagt der Mitarbeiter. Ein Problem sei, dass Geflüchtete in vielen Diskotheken keinen Zutritt bekämen. "Deshalb kommen sie gerne in die linken Schuppen. Da gibt es nicht die rassistische Tür." Seinen Namen nennt der Mitarbeiter nicht: "Nee, wir haben nicht miteinander telefoniert." - Schwierigkeiten, die auch die Kaffeerösterei in Plauen kennt. Das Jugendzentrum spricht Verwarnungen und Hausverbote aus, sagt Mitarbeiter Benjamin Gimpel: "Es nimmt sich wenig, ob ein Deutscher oder ein Araber im Alkoholrausch ist", sagt er.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    13
    AntifaschistischerKrautsalat
    20.08.2017

    Einsicht ist der erste Weg zur Besserung @ Pelz. ;)

    Klar sind solche Vergehen scheiße. Klauen ist daneben. Pöbeln genauso. Grabschen & Schlägereien sind ebenfalls scharf zu verurteilen.

    Hier nun aber wieder Meinungsmache zu betreiben vonwegen "Ich sehe mich in meiner "Meinung" über den großen Anteil der Ausländer..."

    finde ich daneben.

    Es geht hier konkret um Straftaten - wie sie von Menschen aller Hautfarben, Herkunftsländer & Glaubensrichtungen gibt.

    Hier nun gehäuft von jungen Asylsuchenden. - Die Frage sollte lauten: Welche Maßnahmen könnte man ergreifen um a.) die hier herrschenden Umgangsregeln mit Frauen b.) Wie werden Konflikte sinnvoll gelöst ? c.) Welche Konsequenzen gibt es, wenn sich regelwidrig verhalten wird? d.) Wo kann man schnell derartige Vorfälle melden um Hilfe zu bekommen & die Täter aus der Deckung zu holen.

    Es nützt hier gar nichts "Meinung" zu haben. Denn der BILD Slogan "Bild dir deine Meinung" - beinhaltet zwar auch das Meinungsbilden - aber ob diese fundiert, sachlich, weise oder gar reflektiert ist - spielt scheinbar keine Rolle mehr.

    Ich denke die Vogtländer zeichnen aber auch intelligente Lösungen aus, wider inhaltsleerer Phrasendreschereien.

    Welche stumpfen Auswürfe das bilden kann sieht man ja an der Spaßpartei "der dritte Weg" - immer eifrig am Hetzen gegen "de beeisn Asülanten!" - Dass mehrere der Neonazis die in Plauen aktiv sind selbst Haftstrafen wegen u.A. schwerer Körperverletzung, Landfriedensfruch und der Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen absaßen verschweigt man dann eben gern. ;)

    Ich würde mir wünschen, dass sinnvolle & ertragreiche Lösungsansätze gebildet werden um solche Vorkommnisse zu verhindern - mit "Meinung" kommt man da aber halt nicht weit... in meinen Augen.

  • 19
    8
    gelöschter Nutzer
    19.08.2017

    @ PELZ, bisher hat sich nahezu alles bestätigt, was die "dummen und besorgten" bereits 2015 prophezeiten. Aber auch dafür wird man immer noch feste diffamiert und mundtot gemacht, diskreditiert und beschimpft....
    Es muss den mehrheitlich linken Betreibern sehr schwer gefallen sein, diese Zustände zuzugeben. Ein Offenbarungseid des Gutmenschentums sozusagen. Schadenfreude ist dann doch die schönste Freude

  • 21
    1
    Steuerzahler
    19.08.2017

    Es ist erschreckend, welche rechtsfreien Räume eingetreten sind, die nicht mit dem Machtmonopol des Staates beseitigt werden. Vielmehr überlässt man die Zustände, die vorhersehbar waren, wenn man es denn gewollt hätte, den privaten Initiativen, die sich dann oftmals noch rechtfertigen müssen, wenn sie für Recht und Gesetz, Moral und Anstand eintreten. Welche Rolle werden diese Zustände bei der nächsten Wahl spielen?? Wie lange werden diese Auswirkungen auf die ehemalige Lebensqualität in vielen Bereichen noch hingenommen?

  • 26
    8
    Pelz
    19.08.2017

    Also ich sehe mich in meiner Meinung über einen sehr grossen Anteil der Ausländer von 2015/ 2016 bestätigt.... Aber ich bin ja nur ein dummer besorgter Bürger.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...