Merlin hat Horn an den Knien

Weil der Blondschopf bei der Geburt zu wenig Sauerstoff abbekam, kann er nicht laufen, sitzt im Rollstuhl. Er und seine Eltern wünschen sich einen Autolift und hoffen auf die Aktion "Leser helfen".

Plauen.

Zumindest auf dem Fußboden kann der Jößnitzer Merlin mithalten. "Sein Becken ist dann stabil, und er kann die Balance halten, wenn er sich auf den Knien befindet", erklärt Mama Regina Höhne. Sie ist selbst von Beruf Krankengymnastin und weitergebildete Osteopathin. "Ich kann mit Merlins Physiotherapeuten fachsimpeln", sagt sie. Dass sie sich auskennt, ist für sie ein Glück, denn Höhnes achtjähriger Sohn ist infolge einer Mangeldurchblutung des Mutterkuchens mehrfach behindert.

Frühchen Merlin leidet unter einer Krankheit, die sich PVL nennt: Das ist die Abkürzung für Periventrikuläre Leukomalazie. Vor allem die Motorik ist betroffen, und das bei weitem größte Problem sind Merlins Beine. Zwei Mal in der Woche bringen Therapeuten behutsam Schwung hinein. Laufen kann der spastisch Gelähmte deshalb noch lange nicht richtig. Er krabbelt wie ein Kleinkind. Auf den Knien hat er Hornhaut. Knieschützer lehnt er ab.

"Es wäre toll, wenn Merlin im Haus mit Unterstützung laufen könnte - draußen wird er wohl immer einen Rollstuhl brauchen", sagt Regina Höhne. Dafür dass der Zweitklässler selbstständiger wird, könnte ein Autolift sorgen, den sich die Familie ersehnt. Denn für seine Eltern wird Merlin langsam zu schwer. Im Frühjahr soll der Blondschopf einen barrierefreien Zugang zu seinem Zimmer erhalten. Von dort könnte er über die Wiese zum Fahrzeug rollen. Für den Jungen ein Grund, stolz zu sein, etwas allein erreicht zu haben.

Mit dieser Option denken Höhnes auch an später. Sie sprechen öfters darüber, was werden soll, wenn Merlin älter wird - und mit ihm Mama und Papa. Denn ihr kleines Haus befindet sich in Jößnitz - die Lage ist reizvoll, aber durchaus weitab vom Schuss. "Erst einmal leben wir im Hier und Jetzt, planen Schritt für Schritt", so Vater Jens Höhne. Sein Junior gehört zu den fünf bis 15 Prozent der Frühgeborenen unter 1500 Gramm, bei denen die Krankheit diagnostiziert wird. Zum Glück sind Merlins kognitiven Fähigkeiten normal ausgeprägt. Er ist interessiert, kann sich wortgewandt ausdrücken und hat gute Noten.

In der Schule nutzt er neben seinem Rollstuhl und einem speziellen Therapiestuhl einen Lauftrainer. Diesen muss man sich wie einen Rollator für gehbehinderte, ältere Menschen vorstellen, in dem Merlin aber entgegengesetzt drinnen steht und angeschnallt ist. Wenn der Schüler damit unterwegs ist, sind oft Merlins Kumpel Mika Ostermeier und Elijah Bobila an seiner Seite. Sie kümmern sich, besuchen ihn auch zu Hause. Dann wird das Spiel schnell zur Toberei, bei welcher der "Titanic"-Fan Oberwasser hat: zumindest auf dem Boden.

Infos über die Spendenprojekte von "Leser helfen":

freiepresse.de/leserhelfen

 

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