Merlin hoch zu Pferde: Reiten hilft beim Sitzenlernen

Zwanzig Minuten auf dem Rücken von Quickie - und Merlins Spasmen lösen sich für kurze Zeit. Das Herz des smarten Jungen, für den bei der Aktion "Leser helfen" gespendet wird, gehört aber nicht nur der freundlichen Stute.

Bobenneukirchen.

Hoch oben auf Quickies Rücken strahlt Merlin wie das berühmte Honigkuchenpferd. Der Achtjährige geht schon sein halbes Leben zur Reittherapie bei Constanze Seidel vom Pferdeosteopathiezentrum-Vogtland. Der Erfolg lässt sich sehen, wie die Plauenerin sagt: "Er sitzt gerader." Freie Sitzen - das soll Merlin lernen bei den wöchentlichen Einheiten, die von März bis Ende Oktober in einer Bobenneukirchener Reithalle stattfinden.

"Wir versuchen über das Pferd auf den Bewegungsapparat einzuwirken", erklärt Seidel, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Hippotherapie Mingo: Geht das Pferd im Schritt, überträgt es dreidimensionale Bewegungen auf den Patienten. "Die sind normalem Gehen ähnlich", erläutert die Therapeutin, die neben Merlin noch zwölf weitere Kinder betreut.

Meistens sitzt Merlin auf der 13-jährigen Quickie, ab und zu kommt Azubi-Therapiepferd Bobby dran. Dann führt Seidel ihn durch die Halle, während sie ihn mit einer Hand sichert und Merlin sich am Gurt festhält. Das Reiten soll irgendwann auch ohne Festhalten klappen.

"Anstrengend!", findet der Achtjährige das schon. Aber er gibt zu: Spaß macht es auch. Seine Mutter, Regina Höhne, stellt nach seinen Reit-Sessions immer wieder fest: "Seine Muskulatur ist weicher, er sitzt aufrechter und sein Spasmus löst sich." Den hat Merlin, seit er auf die Welt kam. Deshalb ist er sonst auf seinen Rollstuhl angewiesen.

Ist der Grundschüler nach dem Training über eine spezielle Rampe abgestiegen, verwöhnt er das geduldige Ross manchmal noch: mit einem Apfel, Hagebutten oder Eichenblättern. Wichtig: Die Hand muss der Grundschüler dabei flach halten. Auch diese Bewegung müsse er trainieren, so seine Mutter.

Aus der Hand fressen ihm gelegentlich auch seine Hasen, die er zu Hause in Jößnitz hat: Max und Ida. Das pelzige Pärchen hat zwei Kinder: Schneekönigin und Braunfleckchen sollen sie heißen, nach ihren Fellfarben, hat Merlin entschieden.

Damit er künftig weiter zur Reittherapie fahren kann, ist die Familie nun auf Spenden angewiesen. Anders können seine Eltern einen Autolift für ihren Sohn nicht stemmen.

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