Merlin will Lehrer werden

In seiner Klasse 2 der Montessori-Grundschule in Plauen ist der schwer behinderte Jößnitzer voll integriert. Für den pfiffigen Achtjährigen soll bei der Aktion "Leser helfen" gespendet werden.

Plauen.

Was er denn einmal werden möchte. Das ist eine Frage, auf die Merlin Höhne (8) ohne mit der Wimper zu zucken antworten kann: "Lehrer". Nur die Fächerkombination steht noch nicht fest. Sein Favorit ist Religion, aber ginge es nach Klassenlehrerin Hannelore Schmidt, käme zum Beispiel auch Deutsch infrage, da habe Merlin richtig tolle Leistungen. " Schreiben, Lesen, Verstehen - alles prima", sagt Schmidt.

Für die Pädagogin an der Montessori-Grundschule in Plauen sowie für Erzieher Marco Mädler sei die Anwesenheit des Jungen so normal, dass sie bei Wandertagen und Jugendherbergsfahrten manchmal vergessen würden, ihn als Rollstuhlkind anzukündigen. "Wenn's vor Ort dann viele Treppen gibt, tragen oder stützen wir Merlin eben", sagt Schmidt. Sie schätzt den fleißigen Schüler sehr, freut sich, wenn er selbstbewusster wird.

Auch Rocco und Elijah, Sportskanonen und Merlins "ziemlich beste Freunde" in der Klasse, wissen, was sie an ihm haben: "Er ist witzig und lieb." Sie fänden ihn toll, schwärmen die hilfsbereiten Achtjährigen - nicht zuletzt, weil er sogar versucht, mit ihnen Fußball zu spielen. Nur immer im Tor sitzen, das mag er nicht. Er will auch mal den Ball zuwerfen dürfen. Kein Problem, denn bei dem Dreiergespann klappt die Integration. Und nicht nur dort.

Die gesamte Schule ist auf die Bedürfnisse des seit Geburt spastisch behinderten kleinen Jößnitzers eingestellt. "Wir hatten vor zwei Jahren schon ein Kind im Rollstuhl", erzählt Hausmeister Stanislas Kurzepa. Auch damals habe der Schulalltag mit Rampe und Fahrstuhl funktioniert - so wie jetzt bei Merlin.

Immer für ihn da ist Einzelfallbetreuerin Jana Kober. Morgens um 7.30 Uhr, nach einem süßen oder herzhaften Frühstück, "Hauptsache Toast", übergeben Mutter Regina oder Vater den Sohn. Eine halbe Stunde später beginnt der Unterricht. Bis dahin kleidet sich Merlin selbstständig um und lässt sich von Kober seine Orthesen anziehen. Gerade hat er neue bekommen. Die medizinischen Hilfsmittel strahlen in kindgerechtem Gelb, dienen der Stabilisierung seiner Füße. Auch einen Lauftrainer hat Merlin. Darin muss er sich anschnallen.

Viele Dinge könne Merlin schon allein, er habe enorme Fortschritte gemacht, berichtet Einzelfallbetreuerin Jana Kober stolz. Doch zum Beispiel ohne Hilfe vom Rollstuhl ins Auto zu gelangen, das schafft er nicht. Und mit über 20 Kilo hat er ein ganz schönes Gewicht. Deshalb wünscht sich die Familie einen Lift fürs Auto. Der kostet 12.000 Euro. Am liebsten würde Merlin damit an die Ostsee düsen.

Mit unserer Multimedia-Reportage erleben Sie Merlin ganz nah:

www.freiepresse.de/vollekraftvoraus

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