Merlins Familie wünscht sich einen Lift für den Rollstuhl

Merlin Höhne ist ein Energiebündel. Ganz so, wie er will, kann er jedoch nicht: Der Achtjährige ist spastisch gelähmt. Meist sitzt der Kleine im Rollstuhl. Für ihn will sich die Aktion "Leser helfen" stark machen.

Plauen.

Merlin Höhne ist spastisch gelähmt. Sauerstoffmangel bei der Geburt ist schuld an seiner Behinderung. Er kann nur krabbeln, das Laufen hat er nie gelernt. Der achtjährige Junge aus dem Plauener Ortsteil Jößnitz sitzt deshalb im Rollstuhl. Und genau für dieses Hilfsmittel wünschen sich die Eltern einen 12.000 Euro teuren Lift, der hilft, Merlin samt Rollstuhl ins Familienauto zu hieven. Denn mit seinen 22 Kilogramm lasse er sich kaum noch tragen, berichtet Mutter Regina.

Merlin ist ein spätes Wunschkind. Nachdem er sich endlich angekündigt hatte, sei zunächst alles glatt verlaufen - bis zum Ende der 34. Schwangerschaftswoche. "Plötzlich spürte ich keine Kindsbewegungen mehr", erinnert sich Regina Höhne an den Tag der Notfall-Entbindung. Die 55-Jährige arbeitet als angestellte Physiotherapeutin in einer Praxis. Vater Jens (45) ist Fernmeldeelektroniker. Unterstützung von der Krankenkasse oder anderen Ämtern gibt es für den Lift nicht.

Merlin ist trotz allem zufrieden. Damit das so ist und auch so bleibt, ringt seine Familie immer wieder mit der Bürokratie - manchmal bis an den Rand der Verzweiflung, berichten die Höhnes. Doch es gibt auch viele lichte Momente im Leben der Jößnitzer. "Wir haben bei allen Sorgen Glück mit unserem Sohn. Er ist doch gut drauf", sagt Regina Höhne über den Zweitklässler. Er besucht die Montessori-Grundschule im Chrieschwitzer Hang. Der Blondschopf hat jede Menge Freunde.

Merlin ist pfiffig. Seine Fragen sind intelligent. Und er erwartet ebensolche Antworten: "Aber hallo!", diese Redewendung kommt ihm häufig über die Lippen. Dass er nicht gesund ist, weiß er. Und sicher wird er eines Tages nachhaken, was eigentlich genau mit ihm passiert ist. Er weiß auch, dass man gegen seine Krankheit (Periventrikuläre Leukomalazie, PVL) etwas tun kann. Krankengymnastik heißt das Zauberwort. Das Ziel: im Alltag weitestgehend unabhängig von Hilfsmitteln zu sein. Etwa fünf von 100 Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1,5 Kilo sind betroffen.

Merlin ist nicht nur motorisch gehandicapt, sondern auch sehgestört. Ohne seine Spezialbrille erkennt er nur eine Dimension, greift deshalb auch mal daneben. Außerdem ist er kurzsichtig.

Merlin ist ein gewitztes Kerlchen. Merlin ist so, wie er eben ist.


Für sie wurde im vergangenen Jahr gespendet

Das Plauener Paar Gabi Fraaß (54) und Peter Spiegelhauer (57) haben bei der Vorjahres-Aktion von "Leser helfen" die Herzen der "Freie Presse"-Leser im Sturm erobert. Genau 12.437 Euro wurden für die Lebensgefährten gespendet.

Im Rollstuhl sitzen beide - Fraaß aufgrund einer Malaria-Erkrankung. Sie ist von der Hüfte an seit Mitte der 1990er-Jahre abwärts gelähmt. Spiegelhauer leidet unter fortgeschrittener multipler Sklerose (MS). Für die ehemalige Krankenschwester ist es ein Kraftakt, dem Partner stets eine Stütze zu sein.

Mit dem Geld der Spendenaktion sollten diverse Hilfsmitte finanziert werden. Mittlerweile existiert ein Hebekran über dem neuen Pflegebett im Wohnzimmer. Und das verfügt über eine Dekubitus-Matratze. (sasch)


Weiteres Projekt von "Leser helfen" im Vogtland

Ein behindertengerechtes Fahrzeug benötigt eine Familie in Klingenthal: die 14-jährige Michelle und Mutter Daniela Engelhardt. Bei ihrem alten Kleinbus ist unter anderem das Getriebe defekt. Mit einem neuen Auto könnten beispielsweise Arztfahrten ohne fremde Hilfe bewältigt werden.

Tyrosinämie Typ I, so heißt die sehr seltene Stoffwechselerkrankung, an der Michelle leidet. Die Leber baut ein Eiweiß nicht richtig ab. Dagegen gibt es Medikamente - sofern man von der Erkrankung weiß. Als Baby wurde sie bei Michelle jedoch nicht erkannt. Sie erkrankte schwer, auch das Gehirn wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Michelle kann nicht laufen, nicht greifen und sitzt in einem Spezialrollstuhl. Sie kann nicht sprechen und sehen. Die 14-Jährige artikuliert sich über Laute, ihre Augen nehmen nur dunkel und hell wahr. Ihre Mutter füttert sie mit Brei, Michelle wird aber auch über eine Sonde ernährt. Am besten ausgeprägt ist Michelles Gehör. (tb)

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