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Bunt und alternativ: die Montessori-Grundschule im Chrieschwitzer Hang in Plauen.

Foto: Ellen Liebner

Montessori muss Direktorin entschädigen

In der evangelischen Montessori-Schule sind Eltern die Chefs der Lehrer. Gestern stand die Grundschulleiterin vor dem Arbeitsgericht. Der Elternverein hatte sie fristlos entlassen.

Von Manuela Müller
erschienen am 08.09.2017

Plauen. Zwei Tage vor den Sommerferien musste Grundschul-Direktorin Sylvia Faerber gehen. Sie bekam Hausverbot und hatte 40 Minuten Zeit, ihre Sachen einzupacken. Der Montessori-Schulverein hatte ihr fristlos gekündigt.

Bei ihrer Vorgängerin Sabine Kreßner weckt das Erinnerungen. Sieben Jahre leitete sie die Montessori-Grundschule in Plauen, und 2012 ging sie von selbst. "Am Ende war es Mobbing. Ich habe das nicht mehr ausgehalten", sagt Sabine Kreßner, die heute an einer staatlichen Schule unterrichtet. Immer wieder hätten Eltern versucht, die pädagogische Arbeit zu diktieren.

In der privaten Schule sind die Eltern die Vorgesetzten der Lehrer. Die Schule entstand aus einer Elterninitiative. Mütter und Väter schlossen sich zusammen, weil sie sich eine christliche und reformpädagogische Schule in Plauen wünschten. 2001 eröffnete der Verein die erste Klasse im Chrieschwitzer Hang. Hinter der Montessori-Pädagogik steht der Leitgedanke, die Kinder nicht frontal zu unterrichten.

Der evangelische Schulverein betreibt die Schule und ist damit der Arbeitgeber der Lehrer. Der Verein besteht vor allem aus den Eltern, deren Kinder gerade dort zu Schule gehen. "Dass wie hier die Eltern eine Schule führen, ist die Ausnahme", sagt Arndt Schubert, Sprecher der Bildungsagentur in Zwickau. In den meisten Fällen sei bei freien Schulen der Träger eine Einrichtung oder Institution, die Kirche zum Beispiel. Jan Martin, Unternehmer aus Plauen, ist Chef des sechsköpfigen Montessori-Vereinsvorstands. "Ich halte eine elterngeführte Schule für sehr günstig. Das funktioniert auch", sagt er. Dass nach 16 Jahren die vierte Schulleiterin im Dienst ist, sei übliche Fluktuation."Manch einer ist nach Einschätzung seines Arbeitgebers für die Position nicht geeignet."

Zur fristlosen Entlassung der Schulleiterin will er sich wegen des Datenschutzes nicht äußern. Die Vorwürfe seien aber nicht strafrechtlich relevant und beträfen auch nicht das Kindeswohl.

Die erste Schulleiterin gab den Posten ab und arbeitete wieder als Lehrerin. Sabine Kreßner, die zweite, spricht heute von Mobbing: "Die Schule war für mich wie ein Kind. Ich wollte ihr nicht schaden. Deshalb habe ich damals gesagt, ich gehe aus persönlichen Gründen." Der Schulverein habe kritisiert, wie sie die Schule leitete. Kollegen hätten sich beschwert. Worüber, das sei ihr nicht gesagt worden. Eine Rolle habe gespielt, dass sie kein Kirchenmitglied sei. Auch die jetzt entlassene Schulleiterin war trotz ihrer Position nicht in die Kirche eingetreten.

Sylvia Faerber leitete Grundschule und Hort. Für Auskünfte über ihre Entlassung verweist sie an ihre Rechtsanwältin. Mir einer Aussage lässt sie sich zitieren: "Mitglieder aus dem Verein sind zu mir gekommen und wollten Zeugnisse ihrer Kinder geändert haben. Das habe ich nie gemacht." Ein Vorwurf, den Schulvereinsvorstand Jan Martin als "völligen Unsinn" zurückweist.

Vor dem Arbeitsgericht hat die Schulleiterin gegen den Rauswurf geklagt. Der Prozess gestern dauerte 35 Minuten. Faerber und der Schulverein einigten sich auf eine ordentliche Kündigung zum Jahresende, bis dahin ist sie freigestellt. Rund 29.000 Euro Abfindung zahlt ihr der Verein. Er hebt ihr Hausverbot auf, schreibt ein qualifiziertes Arbeitszeugnis und den Eltern der Schulkinder einen Brief. Darin soll stehen, das man sich einvernehmlich getrennt habe.

Rechtsanwältin Dana Kubon-Gerber zufolge wurde die Entlassung unter anderem damit begründet, dass die Direktorin im März 2016 dreimal sechseinhalb statt acht Stunden am Arbeitsplatz war. "Da ist von einem System der Unterdrückung die Rede, geprägt von Angst um den Arbeitsplatz. Pauschale Behauptungen", so die Juristin im Prozess. "In dem Beruf hat keiner Angst, seine Arbeit zu verlieren." In der Vergangenheit hätten mehrere Lehrer die Schule verlassen. Die Gründe seien nicht analysiert worden.

Kubon-Gerber war selbst eine Zeit lang Vorstandsmitglied des Schulvereins. Damals habe sie versucht, die Betriebsstruktur zu ändern. Im Gespräch gewesen sei eine gemeinnützige GmbH mit einem Förderverein für die Eltern.

Bei Montessori sollen die Kinder nach ihren individuellen Wünschen frei arbeiten. Nach der Wende entstanden auch im Osten Schulen nach dem Konzept der Italienerin Maria Montessori. Auch Rechtsanwältin Dana Kubon-Gerber ließ ihre Kinder dort einschulen. Eigentlich sei es ja schön.

 
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Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 08.09.2017
    14:05 Uhr

    Interessierte: Furchtbar , einfach nur furchtbar , das ist eine Zumutung , wenn man das anschauen muß , diese Farben .

    In der privaten Schule sind die Eltern die Vorgesetzten der Lehrer...
    Mütter und Väter schlossen sich zusammen, weil sie sich eine ´christliche` und reformpädagogische Schule in Plauen wünschten ...
    Bei Montessori sollen die Kinder nach ihren individuellen Wünschen frei arbeiten ...

    ( was es alles so gibt ...

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